Der Boss feierte sein 40-jähriges Dienstjubiläum

Lieber Rigo, wir wünschen dir alles Gute zu deinem 40-jährigen Jubiläum als D/A Präsident.

Du bist D/A 💙❤️

Lass uns zusammen noch ein bisschen Geschichte schreiben! 🙏

#wirsindda#RG1

Der Boss feierte sein 40-jähriges Dienstjubiläum

Rigo Gooßen übernahm mit 22 Jahren die Spielvereinigung Drochtersen/Assel und formte den Dorfverein zu einer festen Größe in der Regionalliga Nord

Seit vier Jahrzehnten steht Rigo Gooßen an der Spitze des Regio- nalligisten SV Drochtersen/Assel

und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Bei seiner Wahl 1982 ist der jun- ge Mann aus der Gemeinde Drochter- sen gerade 22 Jahre alt. Erst fünf Jah- re zuvor, im Jahr 1977, war die Spiel- vereinigung Drochtersen/Assel, gebil- det aus den Fußballsparten der Ver- einigten Turnvereine (VTV) Assel und dem Turnverein (TV) Germania Droch- tersen, aus der Taufe gehoben wor- den. Zu diesem Zeitpunkt war Assel gerade in die Bezirksklasse Stade Mit- te aufgestiegen während Drochtersen in den Niederungen der 2. Kreisklasse herumdümpelte. Zum ersten Vereins- vorsitzenden wird das heutige Ehren- mitglied Alfred Przygoda gewählt.

Gooßen hat im Gegensatz zu sei- nen Söhnen Thilo und Jasper selbst nie Fußball gespielt. Er wird 1982 Vorsitzender, „weil die wahlberechtigten Jugendlichen geschlossen hinter mir gestanden haben.“ Bis dahin hat er sich als Betreuer, Jugendobmann und Schiedsrichter im Verein nützlich ge- macht. „Weil es bei uns aber nicht richtig voranging, musste etwas pas-sieren.“ Gesagt, getan. Gooßen lässt den Worten Taten folgen. D/A steigt zweimal auf, spielt 1987 erstmals in der Bezirksoberliga. Rückschläge bleiben aber nicht aus. 1997 scheitern die Blau-Roten bei Punktgleichheit mit dem TSV Byhusen an der um vier Treffer schlechteren Tordifferenz und müssen zurück in die Bezirksliga. Gooßen: „Sofort wieder aufzusteigen, ist zumeist sehr schwer. Wir haben dazu vier Jahre gebraucht.“

Doch seine Zielsetzung ist höhergesteckt. 2005 spielt der aufstreben- de Verein in der noch zweigeteilten Niedersachsenliga. In kluger Vorausschau entsteht bereits eine Tribüne für 500 Sitzplätze. Als „kleiner Betriebsunfall“ wird der Abstieg aus der inzwischen eingleisigen Oberliga Niedersachsen in der Saison 2010/11 gewertet. Die sofortige Rückkehr ist ein Muss, mittelfristig aber nur eine Zwischenstation. Personell wird auf- gerüstet, ehe der Verein aus dem Kehdinger Land 2015 am Ziel seiner Wünsche ist. Als Niedersachsenmeister steigt D/A in die Regionalliga Nord auf und ist seitdem mit zumeist vorderen Platzierungen zu einer festen Größe in der höchsten norddeutschen Spiel- klasse geworden. Gooßen: „Dahinter steckt harte Arbeit, auch was die alljährliche Zusammenstellung des Spielerkaders betrifft.“

Dabei bleibt er stets seinem Grundsatz treu, nicht nur namhafte Verstärkungen von außen zu ver- pflichten. Gooßen geht es um den Wiedererkennungswert. Sein Credo: Mit eigenen Nachwuchsspielern und Talenten aus der Region eine schlag- kräftige Mannschaft zu formen. „lch führe meinen Verein mit viel Herzblut und werde niemals zulassen, dass irgendjemand daran kratzen wird“, sagt Gooßen. Sein besonderes Au- genmerk liegt darauf, bisher Geschaf- fenes zu bewahren.

lm mittlerweile achten Regional- ligajahr findet Drochtersen/Assel bei der Konkurrenz starke Beachtung, wird als „kleiner Dorfverein“ voll res- pektiert. Das Wort Abstieg gehört in Drochtersen schon längst nicht mehr zum Vokabular.

In den zurückliegenden 40 Jahren
als 1. Vorsitzender bzw. Präsident hat
Rigo Gooßen kaum ein Pflichtspiel sei-
ner Mannschaft verpasst. Als sein Flie-
ger einmal von den Kanaren verspätet
in Hamburg ankommt, wird das Spiel nach Rücksprache mit der Spielinstanz kurzerhand um eine Stunde verlegt.
Auf der Tribüne im Kehdinger Stadion sitzt er – wie könnte es anders sein –
in der ersten Reihe. Bei Auswärtsspie-
len geht der schon legendär geworde-
ne Klappstuhl – ein Geschenk der Mit- arbeiter aus seiner Stader Steuerbera- tungs-Kanzlei – seit 20 Jahren immer
mit auf die Reise. Die Aufschrift „D/A- Boss“ auf der Rückenlehne lässt von vornherein keine Zweifel aufkommen, wer alle Zügel in der Hand hält. Nichts geht an ihm vorbei oder bleibt ihm verborgen. Gooßen ist der Verein und

der Verein ist Gooßen. „lch teile manchmal hart aus und muss auch einstecken“, äußert er sich. Da kommt es schon mitunter zu Reibun- gen, wenn ihm etwas missfällt. Das gilt auch für die heimische Presse, wenn die Berichterstattung nicht sei- ner Sichtweise entspricht.

Von den Spielern und Trainern fordert Gooßen selbstverständlich vollen Einsatz und absolute Loyalität. Da kann eine leichtfertige Äußerung schon mal folgenschwer enden. Als der ehemalige Trainer Norbert Riedel nach einem verlorenen NFV-Pokalspiel in der Pressekonferenz eher unbe- dacht von einer unwichtigen Niederla- ge spricht, führt diese Aussage tags darauf zur Einbestellung in das Stader Büro des Steuerberaters und zur frist- losen Kündigung. Gooßen: „Das ist vereinsschädigendes Verhalten und in keiner Weise zu akzeptieren.“

Die unteren Mannschaften sowie der Nachwuchsbereich sind für ihn außerordentlich wichtig und werden gefördert. Nicht viele Vereine verfü- gen über eine vergleichbar höherklas- sig spielende Zweite, die in der Lan- desliga am Ball ist. Die Dritte spielt in der Bezirksliga Lüneburg, die Vierte in der Stader Kreisliga. Zwei weitere Teams kicken in den Kreisklassen. Da- mit stellt D/A insgesamt sechs Herren- teams für den Spielbetrieb – eine ab- solute Ausnahme in der niedersächsi- schen Fußball-Vereinslandschaft. Wann immer es seine Zeit ermöglicht, lässt sich Gooßen auch bei den Spie- len der unterklassigen D/A-Teams sehen, kümmert sich auch dort um Sorgen und Nöte.

Doch zurück zur Regionalliga- mannschaft. Es wäre unglaubwürdig, wenn Gooßens Gedanken nicht auch in Richtung 3. Liga gehen würden. Dabei wird er nachdenklich: „So et- was ist nicht planbar. Sollten wir das aber sportlich irgendwann mal schaf- fen, nehmen wir die Herausforderung natürlich an und werden die Lizenz beantragen.“ Die Auflagen des DFB im Profibereich stellen für ihn kein Problem dar, würden aber zu einer to- talen Umstellung führen. Mit dem bis- herigen Feierabendfußball wäre es dann vorbei.

Gooßen ist ein Macher. Das hat er 2018 ausdrücklich unter Beweis ge- stellt, als er ein eigentlich für unmög- lich gehaltenes Vorhaben realisierte, nämlich das DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München (0:1) in Drochter- sen auszutragen. Allein deshalb hat der 18. August 2018 einen festen Platz in der Vereinsgeschichte. Wie zwei Jahre zuvor gegen Borussia Mön- chengladbach (0:1) und 2019 gegen Schalke 04 (0:5) fand das Spiel gegen den Deutschen Rekordmeister durch

das Aufstellen von Zusatztribünen im rappelvollen Kehdinger Stadion statt. „Das waren wir unseren treuen Fans einfach schuldig“, sagt Gooßen, der noch immer vom großen Glück bei den Auslosungen schwärmt. „Glad- bach, Bayern, Schalke – durch unsere Gegner sind wir als kleiner Verein je- des Mal zu einem wichtigen Thema in Deutschland geworden.“

Die Infrastruktur auf der Sportan- lage in Drochtersen wird ständig er- weitert. ln der Planung befindet sich aktuell der Neubau des Vereinshauses, gleichzeitig verbunden mit einer Ge- schäftsstelle. Das Gebäude soll neben der Tribüne entstehen. Bedingt durch unvorhersehbare Verzögerungen, auch wegen der Corona-Pandemie, soll das Projekt 2023 fertiggestellt werden. Die in vielen Jahrzehnten auf- gebauten Kontakte zur Politik und

Wirtschaft sowie den sportlichen Gre- mien bis in die höchsten lnstanzen hat Gooßen immer gepflegt und für sei- nen Verein genutzt. Er versäumt es auch nicht, das Engagement der zahl- reichen ehrenamtlichen Helfer*innen und Mitarbeiter*innen hervorzuhe- ben, betont dabei: „Wir sind eine gro- ße Familie und das soll so bleiben.“

40 Jahre Vereinsvorsitz Rigo Goo- ßen – zur großen Jubiläumsfeier ka- men Weggefährten, Freunde, Spieler und Trainer aus vier Jahrzehnten auf der Elbinsel Krautsand zusammen. Gooßen besitzt dort ein Hotel und Im- mobilien. Talkrunden, der Rückblick auf die Vergangenheit mit Höhen und Tiefen, die stetige Aufwärtsentwick- lung sowie Gespräche aus den „guten alten Zeiten“ mit vielen Anekdoten rund um den Fußball bei der Spielver- einigung Drochtersen/Assel machten die Runde. Dazu gehört auch der 28. Juli 1992. lm Freundschaftsspiel ge- gen Borussia Mönchengladbach ent- deckt D/A-Keeper Andreas Heinsohn kurz nach dem Anpfiff am Fünfmeter- raum ein fußgroßes tiefes Loch. Be- waffnet mit einer Schaufel eilen Goo- ßen und Co-Trainer Manfred Ebeling daraufhin zum Tatort. Mit herbeige- holtem Sand wird der „Krater“ ausge- füllt und sodann festgeklopft – das Spiel kann weitergehen.

Wie lange er „seinen Verein“ als persönliches Lebenswerk noch führen will, lässt Rigo Gooßen offen. „Das hängt neben vielen unvorhersehbaren Faktoren vor allem von der Gesund- heit ab“, sagt der Boss und ergänzt: „Die goldenen 50 möchte ich schon gerne voll machen.“ Nicht unmöglich, dann wäre er 72 Jahre alt.

(Quelle: NFV Journal)