D/A kassiert bittere und überflüssige Auftaktpleite

Auf diese Geschichte, die der Fußball immer wieder erzählt, hätte der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel im ersten Saisonspiel gerne verzichtet. Das Heimspiel gegen den SSV Jeddeloh hat D/A unnötig mit 2:3 verloren. Ein Ex-D/A-Spieler ist dabei spielentscheidend.

Nico von der Reith sitzt noch lange nach dem Abpfiff allein auf dem verlassenen Spielfeld.

(Letztes Update 31. Juli um 20.10 Uhr: Details ergänzt)

Die Pressekonferenz ist schon lange vorbei. Die meisten Spieler sind in der Kabine. Da sitzt Nico von der Reith noch immer allein auf dem verlassenen Spielfeld, schaut niedergeschlagen ins Nichts und lässt sich dann frustriert auf den Rücken fallen, starrt den Regentropfen entgegen.

Marcel Andrijanic, der ehemalige Spielgestalter der SV Drochtersen/Assel, steht zeitgleich mit einstigen Mitspielern zusammen bei den Stehplätzen im Eingangsbereich des Kehdinger Stadions. Er scherzt: „Ich will eine Schlagzeile lesen.“

Nico von der Reith und Marcel Andrijanic sind entscheidend am Endergebnis beteiligt, entsprechend unterschiedlich sind die Gefühlslagen der beiden einstigen Teamkameraden.

Es ist auch ein Spiel zweier sehr unterschiedlicher Halbzeiten. Und als D/A die klar spielbestimmende Mannschaft ist, sind es zwei falsche Entscheidungen, die zu zwei unnötigen Toren führen. „Eine ganz bittere Niederlage“, sagt Trainer Frithjof Hansen.

Ein Spiel – zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten

In das erste Saisonspiel der Regionalliga Nord schickt Trainer Frithjof Hansen eine recht offensiv ausgerichtete Startelf. Mit Kapitän Alexander Neumann, Fabio Parduhn, Jorik Wulff, Marcell Sobotta und Jan-Miklas Steffens ist ordentlich Vorwärtsdrang vorhanden. Torhüter Patrick Siefkes, die Verteidiger Tjorve Mohr, Liam Giwah, Arian Khodabakhshian, Tom Kinitz und Mittelfeldmann Maximilian Geißen komplettieren die Elf.

Mutiger und aggressiver, so die Ansage von Trainer Hansen nach dem Pokalaus gegen den Drittligisten VfL Osnabrück, wolle D/A gegen den Ligakonkurrenten SSV Jeddeloh agieren. Der Gegner hat allerdings denselben Spielplan und setzt die Drochterser früher und konsequenter unter Druck, als es die Drochterser auf der anderen Seite schaffen. Es entwickelt sich ein eher wilder Schlagabtausch, Spielkontrolle geht D/A völlig ab. Jeddeloh kreiert insgesamt mehr Torgefahr. Wenn D/A ins Umschaltspiel kommen könnte, fehlt die Genauigkeit oder die Spieler verarbeiten die Bälle viel zu schlecht.

In der elften Minute fordert Hansen lautstark: „Attackieren.“ Da hat Jeddeloh den Ball weit in der eigenen Hälfte. Die Forderung verpufft. Im Mittelfeld klafft eine viel zu große Lücke im D/A-Spiel.

Jeddeloh in erster Halbzeit besser im Spiel

In der 17. Minute setzt sich D/A mal kurz im gegnerischen Strafraum fest. Doch Steffens, Sobotta und Neumann kommen in aussichtsreichen Positionen nicht zum Abschluss, weil immer ein Gegenspieler im Weg steht. Der finale Distanzschuss von Geißen bringt zumindest eine Ecke ein, die auch gefährlich reinkommt.

In der 24. Minute verarbeitet Steffens einen langen Abwurf von Siefkes stark unter Bedrängnis und spielt auf Parduhn. So sieht Konterspiel aus. Bringt aber wieder nur eine Ecke ein.

Jeddeloh ist insgesamt besser im Spiel. In der 33. Minute hebelt der SSV mit einem einfachen Doppelpass die D/A-Defensive aus. Marcel Gottschling, Neuzugang vom Drittligisten Waldhof Mannheim, flankt von rechts auf den langen Pfosten, wo Julian Bennert im Rücken von Giwah zum Kopfball kommt. 0:1. Mit diesem Rückstand geht es in die Pause. Die 450 Zuschauer – beim Pokalspiel waren es mehr als doppelt so viele – sind unzufrieden. Nach diesen 45 Minuten trauen sie D/A keinen Sieg zu.

D/A rappelt sich nach Pause auf

Nach dem Seitenwechsel agiert D/A aber wie ausgewechselt. Mit mehr Wille und Biss, mit mehr Laufbereitschaft und sehr viel kompakter im Pressing. Gleich in der 46. Minute wird ein Neumann-Abschluss gerade noch geblockt. In der 54. Minute treibt Steffens den Ball durchs Mittelfeld, spielt einen Doppelpass mit Khodabakhshian und schließt ab. Sein Schuss trudelt Richtung Tor und Neumann drückt ihn aus zehn Zentimetern endgültig über die Linie. 1:1.

Neumann zeigt auf Steffens und läuft auf ihn zu: Das Tor gehört dir, soll Neumanns Fingerzeig heißen. In der 60. initiiert Steffens den nächsten guten Angriff, Neumann schießt drüber. D/A macht nun das Spiel. In der 78. Minute schickt Martin Sattler Wulff, der könnte abziehen, entscheidet sich aber für den Querpass. Sobotta rutscht rein, verpasst aber um Millimeter.

Im Gegenzug verursacht Khodabakhshian ein unnötiges Foul an der Torauslinie an Andrijanic. Elfmeter. 1:2 (80.) durch Michel Hahn. „Das war dumm und überflüssig“, sagt Andrijanic über das Foul. Khodabakhshian hätte ihn nur abschirmen brauchen, statt nach dem Ball zu stochern.

Adrijanic schießt Siegtor und kassiert Gelb für Jubel

Die Drochterser sind fassungslos, geben sich aber nicht auf. Felix Niebergall drischt den Ball dann im zweiten Versuch zum verdienten 2:2-Ausgleich (88.) rein. In der 90. Minute verfehlen Mohr und Lennard Fock nur knapp einen Flankenball. D/A drückt in der Nachspielzeit.

Und dann kontert Jeddeloh, Nico von der Reith bräuchte nur auf Siefkes zurückspielen, will den Ball aber behaupten, im Spiel behalten und lässt ihn sich unnötigerweise abluchsen. Dann ist es ausgerechnet Andrijanic der aus dem Rückraum flach und platziert das 3:2-Siegtor gegen seinen Ex-Verein erzielt. Er zieht sich das Trikot aus, lässt sich von seinen Mitspielern feiern. Mit der Gelben Karte fürs Entblößen kann er leben.

„Wir haben eine mega, mega zweite Halbzeit gespielt“, sagt Hansen, deshalb tut die Niederlage „richtig weh“. D/A müsse in Zukunft effektiver Chancen nutzen und effizienter verteidigen. „Wir haben natürlich auch glücklich gewonnen“, so SSV-Trainer Björn Lindemann, dies müsse man auch zugeben. „Solche Tore dürfen wir nicht bekommen“, sagt D/A-Präsident Rigo Gooßen.

Die Statistik

Tore: 0:1 (33.) Bennert, 1:1 (54.) Neumann, 1:2 (80. FE) Hahn, 2:2 (88.) Niebergall, 2:3 (90.+3) Andrijanic

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Giwah, Mohr, Kodabakhshian (85. Fock), Kinitz (46. von der Reith), Geißen, Wulff, Sobotta, Neumann (72. Niebergall), Steffens (72. Sattler), Parduhn (46. Haut)

SSV Jeddeloh: Bohe, von Aschwege, Engel (34. Hahn), Temin, Fernandes (72. Brinkmann), Minns, Bennert (72. Durmishi), Andrijanic, Gottschling (83. Fredehorst), Ghassan, Ghawilu (83. Bastürk)

Schiedsrichter: Jarno Wienefeld, Assistenten Marco Kulawiak, Furkan Cevdet Vardar

Zuschauer: 450

Nächstes Spiel: SV Werder Bremen II – D/A (So., 7. August, 14 Uhr)

(Quelle: Stader Tageblatt)