Markus Zimmermann: Der ewige Co-Trainer bei D/A

Markus Zimmermann macht Mitte September die 3000 voll. 3000 Tage Co-Trainer bei der SV Drochtersen/Assel. Der ewige Co-Trainer sah vier Trainer kommen und drei gehen. Warum er nie Ambitionen hatte, in die erste Reihe zu treten.

Im dänischen Skærbæk wird Markus Zimmermann laut. Er muss bei dieser einen Übung nicht nur verbal gegen den lärmenden Wind ankämpfen. Er wird auch laut, weil die Spieler gerade nicht das tun, was sie sollen. Aggressiv den Ballführenden attackieren. Nach seiner direkten Ansage wird es besser. Sofort herrscht auf dem Platz eine andere Körpersprache.

Mit der zweiten Trainingsgruppe beschäftigt sich gerade Zimmermanns neuer Chef Frithjof Hansen. Hansen ist Zimmermanns vierter sportlicher Vorgesetzter, seit er am 1. Juli 2014 den Posten des Co-Trainers übernommen hat. An der Seite von Enrico Maaßen führte der heute 38-Jährige D/A in seiner ersten Saison als zweiter Mann von der Oberliga in die Regionalliga.

Er feierte Pokalsiege, Spiele im DFB-Pokal, denkwürdige Erfolge. Neben Maaßen stand Zimmermann 145 Mal an der Linie. Neben dessen Nachfolger Lars Uder 70, neben Lars Jagemann 40 Mal. Neben Hansen bestreitet er am 27. Juli gegen den VfL Osnabrück im Pokal sein erstes Pflichtspiel.

Markus Zimmermann verfügt über ein ruhiges Gemüt. Aus der Haut fährt er selten bis nie. Kiebig kann er werden, wenn ein Spieler nicht an sein Maximum geht. „Zumindest Einsatz muss er zeigen. Fehler sind kein Problem. Die macht jeder“, sagt Zimmermann.

Wer war eigentlich der beste Chef bislang? „Jeder Trainer ist grundverschieden“, sagt Markus Zimmermann. Er lerne viel über die fußballerische Philosophie jedes einzelnen, er lerne die Charaktere kennen. „Ich habe von jedem etwas mitgenommen, weil jeder auf andere Details achtet“, sagt Zimmermann. Stabile Defensive oder Wertlegen auf Offensive. Das mache die Arbeit interessant. „Ich habe von allen alles aufgesaugt“, sagt Zimmermann.

Markus Zimmermann mag es, wie es ist. Er ist kein Mann, der gerne vorne steht, den Lauten macht. „Ich nehme mich nicht so wichtig. Ich bin dabei. Ein Teil vom Team. Ich werde eingebunden. Es gibt klare Aufgaben“, sagt er. Markus Zimmermann bespricht das Trainingskonzept mit seinem Chef am Telefon, im Chat per Whatsapp oder Tage vorher persönlich. Dann steht er eine Dreiviertelstunde vor Trainingsbeginn auf dem Platz, baut auf und bespricht die Details.

„Beim Fußball gibt es im Vorfeld kein richtig oder falsch“

Als Co-Trainer bringt Markus Zimmermann seine Ideen mit ein. Manchmal sei das ein lebhafter Austausch. Am Ende entscheidet der Chef. „Beim Fußball gibt es im Vorfeld kein richtig oder falsch. Du wiegst ab, bringst dich ein. Ob es am Ende klappt, weißt du vorher nicht“, sagt Zimmermann. Sein Vorteil ist allerdings, dass er so lange im Geschäft ist. Er kennt die Regionalliga Nord seit Jahren. Er weiß, wie andere spielen. Oder vielleicht spielen könnten.

Zu seiner aktiven Zeit spielte Zimmermann in der Regel als Innenverteidiger. Zuerst beim VfL Stade, dann beim damaligen TuS Heeslingen, von 2008 bis zu seinem Karriereende 2014 bei D/A. Klar, dass so ein Spieler jetzt als Trainer selbst eine Variante bevorzugt, die zuallererst auf kompakte Defensive setzt, vorne einen klaren Plan hat und natürlich auch Tore herausspielen will. Ein 5:4-Sieg sei zwar toll für die Zuschauer. Aber einen 1:0-Sieg mag so ein Spieler und Trainer lieber.

Zimmermann besitzt die B-Lizenz

Zimmermann lebt gut mit seinem Posten als Co-Trainer. „Wegen der Arbeit hätte ich für mehr auch gar keine Zeit.“ Er arbeitet als Zweigstellenleiter der DRK Schwinge Werkstätten in Buxtehude. „Ich würde nicht den Job aufgeben.“ Zimmermann besitzt seit Jahren die B-Lizenz. Mehr müsse er auch nicht haben. Er will ja nicht weg. Er fühlt sich wohl in Drochtersen. Wechselambitionen hat er nicht. Komisch, dass noch nicht ein mal ein Club aus der Region bei ihm anfragte.

Die Mannschaft soll erfolgreich spielen. Er möchte ein Teil davon sein und bleiben. Wenn Zimmermann über die schönsten Erfolge spricht, wird sogar der sonst so zurückhaltende Typ so etwas wie euphorisch. Der Aufstieg, das Pokal-Halbfinale beim VfB Oldenburg, die drei Spiele im DFB-Pokal gegen Gladbach, Bayern und Schalke. Solche Pokalspiele will Zimmermann wieder erleben. Das ist sein Ziel. Und wenn er von etwas träumen dürfte, dann vom Aufstieg in die 3. Liga. Träumen darf man ja.

Letztendlich motiviert Zimmermann jeden Tag die Tatsache, dass sich eine Mannschaft wie D/A in der Regionalliga etabliert hat. Deshalb engagiert er sich. Denn dort kann Fußball noch liebstes und reines Hobby bleiben.

(Quelle: Stader Tageblatt; Bild: Berlin)