D/A verpflichtet ehemaligen HSV-Kapitän

Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat einen neuen Spieler verpflichtet. Der gelernte Sechser gilt nicht gerade als Tormaschine. In 120 Regionalligaspielen traf er genau ein Mal. Gegen wen? Ausgerechnet gegen D/A.

Sebastian Haut wechselt vom SV Rödinghausen aus der Weststaffel der Regionalliga nach Drochtersen. Für ein Jahr hat der 26-Jährige unterschrieben. Haut ist kein Torgarant. Aber er soll andere Qualitäten einbringen. Vor allem seine Mentalität. „Er ist ein Mentalitätsspieler. Ein Wunschspieler von uns“, sagt der sportliche Leiter von D/A, Sören Behrmann.

Sebastian Haut ist im defensiven Mittelfeld zu Hause. Er könnte den Abgang des 33-jährigen Oliver Ioannou kompensieren, der auf dieser Position in den vergangenen sieben Jahren die Führungsrolle übernommen hat und jetzt seine Karriere als Leistungssportler beendet.

Mannschaftskapitän beim Hamburger SV

Eine ähnliche Rolle bekleidete Sebastian Haut, bevor er vor zwei Jahren nach Rödinghausen wechselte. In der zweiten Mannschaft des Hamburger SV agierte er als Mannschaftskapitän. „Ich glaube, meine Persönlichkeit, meine Menschlichkeit zeichnen mich aus“, sagt Haut. Er liebt es, „mit den Jungs nach gelungenen Aktionen abzufeiern“. Das können Grätschen sein. Kopfballduelle, Sprintduelle. Das erfolgreiche Aushelfen nach Ballverlusten. Solche Aktionen bringen Sebastian Haut auf Betriebstemperatur und schweißen eine Mannschaft zusammen. Es müssen nicht immer Tore sein.

Tore sind nicht seine Kernkompetenz. Außer am 12. Oktober des Jahres 2019. Heimspiel des HSV gegen D/A. Kurz vor der Halbzeit fliegt der Ball nach einem Freistoß an den zweiten Pfosten. Dort hält Sebastian Haut seinen Fuß oder das Schienbein rein. So genau weiß er das nicht mehr. Haut erzielt den 1:0-Siegtreffer für den HSV. Dass sein damaliger und künftiger Kollege Maximilian Geißen damals den Freistoß schlug, ist noch so eine schöne Geschichte. Geißen spielt seit 2020 bei D/A.

Fast wären Maximilian Geißen und Sebastian Haut gleichzeitig in Drochtersen gelandet. D/A hatte damals schon nachgefragt. Aber Haut entschied sich für den SV Rödinghausen. Von der Weststaffel der Regionalliga ist der Sprung zum Profifußball nicht ganz so groß. Die Weststaffel gilt als aussichtsreichere Plattform. Aber Sebastian Haut hatte Pech. In seiner ersten Saison kassierte er am vierten Spieltag eine Gelb-Rote Karte und verletzte sich anschließend im Training schwer. Vier Monate Zwangspause. Er kämpfte sich sogar einigermaßen zurück, sein Trainer setzte in seiner zweiten Saison allerdings auf andere Spielertypen. Sebastian Haut fand sich auf der Tribüne wieder. Keine schöne Erfahrung, aber eine lehrreiche. „Ich konnte damit umgehen und bin trotzdem mit Spaß zum Training gegangen und habe immer Gas gegeben“, sagt Sebastian Haut. Rödinghausen als Sprungbrett in den Profifußball floppte. „Ein kleines Feuerchen brennt aber immer noch“, sagt Sebastian Haut.

Spieler baut sich ein zweites Standbein auf

Der 26-Jährige bastelt aber längst an einem zweiten Standbein. Im März beendete Sebastian Haut sein Bachelor-Studium mit der Fachrichtung Sportmanagement. In Hamburg bewirbt er sich gerade, um halbtags ins Berufsleben einzusteigen. Wirtschaft, IT, Controlling, E-Commerce. Er lebt mit seiner Freundin in Eidelstedt.

Der künftige D/A-Trainer Frithjof Hansen hat bei Sebastian Haut offenbar Eindruck hinterlassen. „Er hat mich sehr gepackt mit seiner klaren Idee, mit seiner klaren Ansprache“, sagt Haut. Er möchte nach der sportlich trostlosen Zeit und der Zeit als Zuschauer in Rödinghausen durchstarten in Drochtersen. „Ich hoffe, dass sich das Blatt wendet.“

Letztes Heimspiel gegen Jeddeloh

Die SV Drochtersen/Assel empfängt am Sonntag, 22. Mai, den SSV Jeddeloh zum letzten Heimspiel der Regionalligasaison. Anpfiff im Kehdinger Stadion ist um 15 Uhr. Nach dem Abpfiff wird es für die Fans Freibier geben. Mit dem Auswärtsspiel am Sonntag, 29. Mai, in Oberneuland beendet der Verein das Fußballjahr.

Trainer Lars Jagemann stehen einige Stammspieler nicht zur Verfügung. Die Innenverteidiger Nikola Serra und Tjorve Mohr sowie Mittelfeldspieler Hassan El-Saleh sind verletzt, Nico von der Reith ist krank. „Wir müssen improvisieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz bekommen“, sagt Lars Jagemann.

(Quelle: Stader Tageblatt)