Nach neun Spielen ohne Niederlage: D/A verliert gegen Lüneburg

28. November 2021. So lange liegt die letzte Niederlage der SV Drochtersen/Assel in der Fußball-Regionalliga Nord zurück. Zehn Spiele später hat es D/A wieder erwischt. Gegen den Lüneburger SK Hansa. 0:1. Aber vielleicht hat diese Niederlage ja auch was Gutes.

„Es ist nicht leicht zur Zeit, D/A-Fan zu sein.“ Vereinschef Rigo Gooßen ist bekannt für seine direkte Art kurz nach dem Spiel. Gooßen sagt, wenn ihm etwas nicht passt. Und die Auftritte der Mannschaft in den vergangenen Wochen missfielen Gooßen sehr. Vor allem vor eigenem Publikum. „Das ist zu Hause zu wenig“, sagt der Präsident.

HSC Hannover (3:0), BSV Rehden in der Liga (1:1), Rehden im Pokal (2:3), Oberneuland (4:2). Die reinen Ergebnisse, das Pokalspiel mal ausgenommen, kann Gooßen nicht gemeint haben. Vielmehr ist es die Spielweise. Die Leichtigkeit bei D/A ist weg. Das Feuer. „Der LSK hat hier Leben gezeigt. Dafür verdient man drei Punkte“, sagt Gooßen. Das Lob für die Konkurrenz könnte auch als versteckte Kritik an der eigenen Elf durchgehen.

D/A-Trainer Lars Jagemann muss im Heimspiel gegen den LSK vor 501 Zuschauern im Mittelfeld improvisieren, weil mit Maximilian Geißen ein Leistungsträger nach der fünften Gelben Karte fehlt. Hassan El-Saleh bekleidet Geißens Position. Jorik Wulff spielt erneut im Angriff. Der Mittelfeldspieler kam zuletzt beim 5:1-Auswärtssieg beim HSC Hannover schon sehr gut mit der offensiveren Rolle zurecht. Als Rechtsverteidiger beginnt Daniel Owusu. Er ersetzt den ebenfalls gesperrten Arian Khodabakhshian.

Drochtersen hat den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord sicher. Der LSK benötigt noch jeden Zähler, um aus dem roten Bereich herauszukommen. Um den rettenden sechsten Platz in der Abstiegsrunde streiten sich mit dem BSV Rehden, dem FC St. Pauli II und Lüneburg gleich drei Mannschaften. Der Sieg in Drochtersen ist ein Befreiungsschlag. „Wir haben heute unsere letzte Chance für den Nichtabstieg genutzt“, sagt LSK-Coach Qendrim Xhafolli. Drei Spiele muss die Mannschaft noch erfolgreich überstehen. Dann gibt es in der nächsten Saison ein Geschenk für D/A.

Stürmer Alexander Neumann vertut erste Chance

Daniel Owusu setzt in der achten Minute mit einem hohen Ball Alexander Neumann in Szene. Der Stürmer kann den Ball zentral vor dem Tor nicht verarbeiten. Chance vertan. Drei Minuten später macht D/A über die linke Seite Druck. Der Schuss von Ashton Götz wird abgefälscht. LSK-Torwart Roman Birjukov zeigt einen sensationellen Reflex. Im Nachschuss verzieht Martin Sattler.

D/A zeigt ein ganz anderes Gesicht, als im Hinspiel. Vor einigen Wochen quälte sich die Mannschaft noch zu einem 1:1-Unentschieden. Der kaum bespielbare Rasen ließ Kurzpassspiel nicht zu. Und die hohen Bälle wehte der starke Wind ins Niemandsland.

Martin Sattler vergibt Riesenchance

Am Sonnabend läuft es gegen den LSK. Nur das Tor will nicht fallen. Martin Sattler vergibt nach 18 Minuten eine Riesenchance. Sein Schuss rauscht am Tor vorbei. Ashton Götz hatte Sattler genau in den Lauf gespielt. Dass Lüneburg auch kicken kann, zeigt das Team in der 21. Minute. D/A-Keeper Patrick Siefkes pariert den Schuss von Maximilian Zoch und klärt zur Ecke.

Mitte der erste Halbzeit geht im Drochterser Spiel die Präzision verloren. Der LSK kommt zu Gelegenheiten, kann sie aber nicht nutzen.

Hassan El-Saleh muss verletzt vom Platz

Nach einer halben Stunde ist das Spiel für Hassan El-Saleh beendet. Nach einem Foul im Mittelkreis muss El-Saleh raus. Er verlässt den Platz mit schmerzverzerrtem Gesicht. LSK-Trainer Rainer Zobel geht zur Drochterser Bank und erkundigt sich, wie es El-Saleh geht. Eine schöne Geste. Fair gibt sich auch D/A-Außenverteidiger Jannes Elfers wenig später. Schiedsrichter Lasse Holst hatte nach einem Angriff auf der linken Seite auf Ecke entschieden. Elfers korrigierte. Er war als letzter Mann am Ball. Abstoß.

Der für El-Saleh eingewechselte Felix Niebergall führt sich in der 37. Minute mit einem Distanzschuss aus 22 Metern gut ein. Der Ball klatscht an den Pfosten. Weil das die letzte kreative Offensivaktion des Spiels ist, geht es torlos in die Pause.

„Wenn du keine Tore schießt, kannst du nicht gewinnen.“ Lars Jagemann bemüht die alte Fußball-Floskel. In der zweiten Halbzeit kreiert D/A erst gar nicht solche Hochkaräter. „Der LSK hat es uns vorgemacht“, sagt Jagemann über die Effizienz des Gegners. „Das ist total enttäuschend.“

Kurze Pässe funktionieren nicht

Kurz nach Wiederanpfiff muss D/A fasst den Rückstand hinnehmen. Erjanik Ghubasaryan ist frei durch und scheitert an Patrick Siefkes. Danach setzen sich die Gastgeber im Lüneburger Strafraum fest. Erst verzieht Alexander Neumann knapp. D/A erspielt sich eine Vielzahl von Eckbällen. Aber die hohen Bälle ins Zentrum verteidigen die Lüneburger locker weg.

Kreativ wollen sie agieren. Spielerisch wollen sie den LSK auseinandernehmen. Mit kurzen Pässen, mit Laufspiel glänzen. Die Theorie ist nicht schlecht. Und D/A gibt sich auch Mühe. Aber in der Praxis funktioniert das nicht. An diesem Tag wirkt das Aufbauspiel ungelenk, fehlerbehaftet.

Die Fehler rächen sich. In der 71. Minute landet ein langer Ball auf dem Kopf des Lüneburgers Malte Meyer. Der hat freistehend Zeit, sich die Ecke im D/A-Tor auszusuchen. 0:1.

Schiedsrichter schickt Nico von der Reith vom Platz

Für die Schlussphase wechselt Lars Jagemann frische Spieler ein. Mittelstürmer Jasper Gooßen sammelt nach seiner Verletzungspause erneut Spielanteile. Innenverteidiger Tjorve Mohr soll fortan seine Kopfballstärke im gegnerischen Strafraum einsetzen. Der Defensivmann ist für zehn Minuten Stürmer.

Hitzig wird die Schlussphase. Weil sich Nico von der Reith zu lautstark und emotional über sich selbst ärgert, kassiert er Gelb von Lasse Holst. Der Schiedsrichter hat das Stadion gegen sich, weil er von der Reith wenig später nach einem Allerwelts-Zweikampf vom Platz stellt. Kapitän Oliver Ioannou will diskutieren. Gelb. Holst ist längst der Buhmann. Spielerisch passiert nichts mehr. Holst pfeift ab. Höhnisches Klatschen begleitet ihn in die Kabine.

Und das Geschenk des LSK für die SV D/A? Vorausgesetzt die Lüneburger schaffen den Klassenerhalt, werden sie bei den Planungen der Termine des Spielplans der Saison 2022/2023 einem Freitagabendspiel in Drochtersen zustimmen. Soweit der Deal. Rigo Gooßen hatte das verlangt, wenn der LSK in Drochtersen am Samstag drei Punkte holt. Für vielleicht 300 Zuschauer und die ein oder andere Bratwurst mehr.

(Quelle: Stader Tageblatt)