Titeltraum geplatzt: D/A scheidet im Pokal-Halbfinale aus

Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel ist im Halbfinale des Landespokal-Wettbewerbs gegen den BSV Rehden ausgeschieden. 754 Zuschauer verfolgten die 2:3-Niederlage. Und ein schwaches Spiel der Kehdinger.

Es ist ein besonderes Spiel. Ein K.o.-Spiel. Wer verliert, fliegt aus dem Wettbewerb. In Anbetracht der Tatsache, dass die Spannung in der Abstiegsrunde der Regionalliga Nord überschaubar ist, avanciert diese Partie für D/A zum vorläufigen Saisonhöhepunkt.

Die Pokal-affinen Drochterser erhalten in der zwölften Minute einen Knacks. Patrick Siefkes ist später am Ball als der Rehdener Stürmer Kevin Coleman. Coleman schiebt den Ball an Siefkes vorbei über die Linie. Ein letzter Rettungsversuch scheitert.

Heftige Zweikämpfe am Rande der Legalität

Die Offensivbemühungen der Gastgeber sind dagegen eher dürftig. Das Laufspiel lahmt, die Pässe kommen nicht an. Beide Mannschaften leisten sich heftige Zweikämpfe, die meisten am Rande der Legalität. Das Spiel ist nichts für Ästheten.

Patrick Siefkes steht nach seiner Rot-Sperre wieder im Tor. Vor ihm verteidigen Tjorve Mohr, Liam Giwah und Nico von der Reith. Die Außenpositionen besetzen Jannes Elfers und Arian Khodabakhshian. Im Mittelfeld agieren Oliver Ioannou, Jorik Wulff, Martin Sattler und Hassan El-Saleh. Alexander Neumann spielt im Sturmzentrum.

In der Schlussphase der ersten Halbzeit wird es hitzig. Fouls, Revanchefouls. Schiedsrichter Jost Steenken scheint nicht wirklich Herr der Lage. Seine großzügige Linie rächt sich. Was aber auch zu diesem Spiel gehört: 48 Minuten dauert der erste Durchgang. D/A schafft es in diesen 48 Minuten nicht, auch nur ein Mal aufs Rehdener Tor zu schießen.

Der Traum vom vierten Pokalsieg in sieben Jahren droht an diesem sonnigen Nachmittag im Kehdinger Stadion zu platzen. D/A schickt sich an, ein weiteres Saisonziel zu verfehlen.

Die Inspiration kehrt nach der Halbzeitpause nicht zurück in das Spiel der Gastgeber. Rehden kann sich den Ball vor dem Drochterser Strafraum in Ruhe zuschieben. Kamer Krasniqi trifft in der 52. Minute völlig unbedrängt zum 2:0 für den BSV. Längst hängen die Köpfe bei den Drochterser Spielern. Ins Stadion kehrt Ruhe ein. „Pfeif ab! Das ist ja eine Katastrophe heute“, ruft ein Fan auf der Haupttribüne und durchbricht die Stille.

„Wir waren nicht da, haben abgeschaltet“, sagt Nico von der Reith. Nicht D/A habe eklig gespielt, sondern der Gegner. „Heute haben alle nicht das gezeigt, was sie können.“ Die Drochterser Spieler üben Selbstkritik. Abwehrspieler Tjorve Mohr: „Wir waren oft einen Schritt zu spät und sind viel hinterhergelaufen.“ Und es wird noch bitterer.

Jagemanns drastische Analyse

61. Minute. 0:3. Patrick Siefkes verpasst den Zeitpunkt, den Ball wegzuschlagen. Kevin Coleman hat leichtes Spiel. „Rehden war nicht besonders gut. Aber wir waren schlecht und haben uns die Dinger fast selbst ins Tor geschossen“, sagt Rigo Gooßen. Ungewohnt drastisch analysiert auch D/A-Trainer Lars Jagemann die Niederlage: „Heute wirkte jeder wie gelähmt. Das Mittelfeld war eine Vollkatastrophe.“ D/A habe die Räume nicht eng gemacht. Das, was sonst die Stärke der Mannschaft sei. Nur Nico von der Reith nimmt Jagemann aus der Generalkritik ein wenig raus.

Der Anschlusstreffer von Tjorve Mohr macht zwei Minuten später wenigstens ein wenig Hoffnung. Nach einer Ecke trifft Mohr per Kopf zum 1:3. Mit Meikel Klee animiert ein ehemaliger D/A-Spieler, der die Pokal-Euphorie erlebt hat, die Zuschauer, noch mal alles zu geben. Aber die Luft scheint raus zu sein. Über eine Flut von Gegentoren hätte sich D/A nicht beschweren dürfen.

Patrick Siefkes entschärft Mitte der zweiten Halbzeit mehrere hundertprozentige Rehdener Chancen. „Wir waren verunsichert, haben individuelle Fehler gemacht. Aber wenigstens haben wir uns noch mal aufgerafft“, sagt Lars Jagemann. „Du gehst ja nicht in ein Halbfinale und sagst, das wird heute nichts. Selbst jedes billige Testspiel wollen wir gewinnen“, sagt Patrick Siefkes. Jeder habe auch an diesem Tag gewollt. Aber die Gedankenschnelligkeit habe gefehlt.

Tjorve Mohr: „Dürfen nicht alles schlecht reden“

In der 83. Minute fordert Meikel Klee mit einem weiteren Fan im Schlepptau erneut die La Ola-Welle auf der Haupttribüne. Jetzt sind die Fans bei der Sache. Das Tor von Felix Niebergall, der zur zweiten Halbzeit ins Spiel kam, macht ihnen Mut. Aus der Distanz hatte Niebergall in der 82. Minute zum 2:3 getroffen.

Aber es reicht nicht mehr. „Wenigstens haben wir noch eine schöne Aufholjagd gesehen. Aber soweit darf es gar nicht kommen“, sagt Rigo Gooßen. Wach sei die Mannschaft erst nach dem 0:3 gewesen.

Nach dem Halbfinal-Aus wirke die gesamte Saison „gebraucht“, sagt Tjorve Mohr. Die Bilanz sehe jetzt schlechter aus, als sie ist. D/A habe nur drei Ligaspiele verloren und jetzt dieses Pokalspiel. „Vielleicht hat uns das ein oder andere Mal die Killer-Mentalität gefehlt. Aber wir dürfen nicht alles schlecht reden“, sagt Tjorve Mohr.

(Quelle: Stader Tageblatt)