Einst bei St. Pauli: Rosin schießt bald Tore für D/A statt gegen die Drochterser

Der Fußballer Dennis Rosin hat im Kehdinger Stadion gezaubert. Zum Leidwesen für D/A als Spieler von Altona 93. Ab der nächsten Saison kickt er für den Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Was ihn zum Wechsel aufs Dorf bewogen hat.

24. September 2021: Dennis Rosin (25) dribbelt sich in der 69. Minute durch die Drochterser Defensive und zieht im Strafraum ab. 1:1. Ausgleich. D/A wackelt. Wie so oft gegen die vermeintlich kleinen Gegner. Gerade gegen Altona 93. Aber Jan-Miklas Steffens erzielt in der Nachspielzeit noch den Siegtreffer für D/A.

Rosins ebenso erfolgreiche wie künstlerische Darbietung bleibt den Drochterser Verantwortlichen in Erinnerung. Ex-D/A-Kapitän Sören Behrmann, der seit dieser Saison als Teammanager an den Neuverpflichtungen arbeitet, ruft Rosin wenige Tage nach dem Spiel an. „Es hat direkt gepasst“, sagt Rosin. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass ein Wechsel vom immer abstiegsbedrohten Hamburger Viertligaclub zur in der Regionalliga seit fast sieben Jahren etablierten Spielvereinigung Drochtersen/Assel nicht die schlechteste Idee ist.

Vor einigen Tagen ging D/A schließlich mit der neuen Personalie an die Öffentlichkeit. Rosin hatte in Kehdingen einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben.

D/A-Trainer Jagemann gerät ins Schwärmen

„Er ist offensiv flexibel einsetzbar, dribbelstark und torgefährlich“, sagt D/A-Trainer Lars Jagemann. Rosins Tor im Kehdinger Stadion sei dafür beispielhaft gewesen. Jagemann wird Rosin allerdings nicht mehr trainieren. Genau zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Transfers ließ D/A auch wissen, dass Co-Trainer Frithjof Hansen in Drochtersen die Chefrolle von Jagemann im Sommer übernehmen wird.

Dennis Rosin genoss seine Ausbildung zum offensiven Mittelfeldspieler und zum Stürmer bei den renommierten Clubs im Norden. HSV-Jugend, St.-Pauli-Jugend, Nachwuchsleistungszentrum. „Ich spiele mein Leben lang Fußball. Profi zu werden, war immer ein kleiner Traum“, sagt er.

Im Schnitt kommt ein Talent von Tausend richtig groß raus. Rosin gehörte nicht dazu. Aber gelernt hat er viel. Bei solch großer Konkurrenz brauchst du starke Ellenbogen. „Du musst immer abliefern“, sagt Rosin. Vereine, sagt er, schauen immer nur auf die Statistiken, auf die Vorlagen und Tore. „Wenn du nicht mit 25 oder 30 Scorerpunkten rausgehst, beschäftigen sie sich nicht mit dir.“

Dennis Rosin (Mitte) gilt als dribbelstark. In dieser Szene setzt er sich gegen den ehemaligen Drochterser Marcel Andrijanic (links) durch. Foto: Bergmann

Drei Zweitliga-Spiele für den FC St. Pauli

Der FC St. Pauli hat sich mit Rosin beschäftigt. Allerdings nur kurz. St. Pauli berief Rosin 2016 in den Profikader. Rosin bestritt 2017 drei Spiele in der 2. Bundesliga. 122 Minuten stand er dabei auf dem Feld. Damals war Ewald Lienen Trainer des Kiezclubs. „Unter Lienen hatten es Jugendspieler schwer. Nur wenige schafften den Durchbruch“, sagt Rosin heute. Dass er es schwer haben werde, sollen die Verantwortlichen zu ihm gesagt haben. Zeit, sich einen neuen Verein zu suchen. Über die zweite Mannschaft von Werder Bremen, die Sportfreunde Lotte, den SV Elversberg und den VfB Oldenburg landete Dennis Rosin schließlich in Hamburg-Altona.

Neben dem kurzen Intermezzo in der 2. Liga flossen 22 Drittligaspiele und 81 Regionalligaspiele in Rosins Statistik. Dabei erzielte er sieben Tore. Den Traum vom Profigeschäft hat Rosin noch nicht aufgegeben. Wenigstens die 3. Liga sollte es sein. „Am besten wäre es, den Aufstieg mit einem Verein zu erleben. Im besten Fall mit D/A“, sagt Rosin. Dass ein Aufstieg in die 3. Liga für D/A keine Utopie mehr ist, hat Vereinspräsident Rigo Gooßen erst vor wenigen Wochen gesagt.

Rosin lobt „eingeschworenen Haufen“ bei D/A

Bei Altona 93 agiert Dennis Rosin als Vizekapitän. Seine Mannschaft steht derzeit am Tabellenende der Regionalliga Nord. „Dabei haben wir keine schlechte Truppe. Aber wir sind viel zu unerfahren und haben viele Punkte verschenkt“, sagt Rosin. Mindestens einen davon gegen seinen künftigen Verein. In Drochtersen stimme die Mischung im Kader zwischen erfahrenen und jungen Spielern. „Das wird spannend“, sagt Rosin, der derzeit noch in Elmshorn lebt, im Sommer aber nach Drochtersen ziehen möchte. Eventuell beginnt Rosin ein Studium. Ernährung oder Gesundheit sind dabei seine Lieblingsthemen.

Der 25-jährige Rosin „mag den eingeschworenen Haufen“, bei dem er ab Sommer unter Vertrag steht. Seinen neuen Verein, der in den vergangenen Jahren nicht gerade durch Unruhe aufgefallen ist. Den Club, der Neuzugänge nicht ausschließlich nach sportlichen Qualitäten aussucht, sondern vermehrt auf Charakterköpfe setzt. „Neben dem Platz bin ich eher der ruhige Typ, auf dem Platz der emotionale und lautstarke“, sagt Rosin über Rosin. Vom viel beschriebenen D/A-Gen habe er auch schon gehört. Er glaubt, dass es passt.

(Quelle: Stader Tageblatt; Autor: Berlin; Fotos: Bergmann)