Trainerwechsel bei D/A: Frithjof Hansen übernimmt die Chefrolle

DROCHTERSEN. Frithjof Hansen wird im Sommer Cheftrainer beim Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Der jetztige Coach Lars Jagemann sagt, er steht an der Belastungsgrenze. Junger Trainer – verjüngte Mannschaft. Hansen wird bei D/A den Umbruch gestalten.

Diesen Zeitungsartikel wird sich Frithjof Hansens Oma aufheben. Das macht sie jedes Mal, wenn über einen ihrer sportlichen Enkel etwas in der Zeitung steht. Die Berichte sammelt sie in einem Ordner. Ein paar liegen da schon. Frithjof Hansen hat früher mal für die SG Lühe in der Kreisliga gespielt. Jetzt, sagt er, muss er manchmal grinsen. Sein fußballerisches Talent war überschaubar. Sein Können reichte nur für Liga acht. Außerdem verletzte er sich als 18-Jähriger schwer am Knie. Bald steht er als verantwortlicher Trainer an der Seitenlinie eines Viertligisten. „Ich freue mich extrem“, sagt Hansen.

Eine Woche nach der Präsidentenkritik an der taktischen Ausrichtung der Mannschaft nach dem torlosen Spiel gegen den Tabellenletzten Altona 93 geht D/A mit dem personellen Wechsel an die Öffentlichkeit. Der Zeitpunkt schreit förmlich danach, die Kritik und die Personalie in einen Zusammenhang zu bringen. So funktioniert schließlich das Fußballgeschäft. Aber Vereinschef Rigo Gooßen wehrt ab: „Der Wechsel war lange vorbereitet und hatte nichts mit dem Altona-Spiel zu tun. Wir machen unsere Entscheidungen nicht von einem Spiel abhängig“, sagt Gooßen. Der Präsident hatte Jagemann nur wenige Minuten nach dem Abpfiff dafür kritisiert, dass er gegen die schlechteste Mannschaft der Regionalliga Nord fünf Abwehrspieler in die Startelf schickte.

1,5 Jahre mit Interimstrainer Jagemann

Am Freitag sagt Rigo Gooßen, dass Lars Jagemann im September 2020 den Trainerposten von Lars Uder übernommen hatte, weil Jagemann „als D/A-Insider die naheliegende Lösung“ war. Aber es sei von vornherein klar gewesen, „dass diese Tätigkeit nicht allzu lange neben seinem Job zu erledigen war“. Jagemann arbeitet 32 Stunden pro Woche in Gooßens Steuerbüro. Die Mission, mit der Jagemann von Gooßen beauftragt wurde, habe er erfolgreich erfüllt. Die Mannschaft fing sich in der Regionalliga und scheiterte erst im Elfmeterschießen im Landespokalfinale gegen den Drittligisten SV Meppen.

Aus dieser Interimstätigkeit werden bis zum Ende der laufenden Saison mehr als eineinhalb Jahre. Und Jagemann geht bislang statistisch gesehen als erfolgreichster Trainer in die fast siebenjährige Regionalligageschichte der SV Drochtersen/Assel ein. Nach 27 Spielen holte der 53-Jährige als Chefcoach im Schnitt 1,93 Punkte pro Partie. Von den bislang 18 Ligaspielen der Saison verlor D/A unter Jagemann nur drei. Zum Vergleich: Enrico Maaßen, der D/A in die Regionalliga führte und heute in der 3. Liga die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund trainiert, kam in 145 Spielen auf durchschnittlich 1,74 Punkte pro Begegnung.

„Ich bin am Rande der Belastbarkeit“, sagt Jagemann. Aber auf dieser Ebene könne ein Trainer seinen Posten nicht mal eben so nebenbei ausfüllen. Er habe keine Zeit gehabt, permanent Einzelgespräche zu führen oder die Spiele mit jedem Spieler am Bildschirm zu analysieren.

HSV wollte Hansen ins Leistungszentrum holen

Bei der Personalie Hansen stand D/A unter Zeitdruck. Die Konkurrenz vom Hamburger SV wollte den aufstrebenden A-Lizenz-Inhaber ins Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten holen. Schließlich stehen neben dem Co-Trainerposten und dem Posten des A-Jugend-Trainers bei D/A, ein Studium in Richtung Sportmanagement und Wirtschaft und das Traineramt im renommierten Deutschen Fußballinternat (DFI) in Bayern in Hansens Vita. Er besitzt die A-Lizenz und ist ausgewiesener Experte in der Spielanalyse.

Kein Geringerer als HSV-Legende Horst Hrubesch hatte angefragt. „Das war ein richtig gutes und freundschaftliches Gespräch. Vieles hätte für einen Wechsel zum HSV gesprochen“, sagt Hansen. Aber auch viel für Drochtersen. „Ich kenne den Verein. Ich habe ihn schätzen und lieben gelernt“, sagt Hansen. Die Chance, in Drochtersen eine Regionalligamannschaft zu trainieren, sei wichtig für seine Persönlichkeit. So sagte er sogar seinem Lieblingsverein ab. Früher, erzählt Hansen, hörte er immer die Bundesliga-Show im Radio. Manchmal hat er geweint, wenn der HSV verloren hat.

Gooßen: Frithjof hat „D/A-Gene verinnerlicht“

Die dreijährige Laufzeit seines Vertrages mit D/A sagt viel aus über die Zukunft des Clubs und, so Gooßen, auch über das Vertrauen, das der Verein in Hansen setzt. Die SV Drochtersen/Assel steht vor einem personellen Umbruch. Erfahrene Leistungsträger haben den Verein verlassen oder werden ihn – wie im Fall Oliver Ioannou – verlassen. Hansen soll mit neuen und jungen Spielern den Prozess starten. Der dauert keine drei Monate, sondern Jahre. Vielleicht entstehen unter Hansen neue Ideen auf dem Feld, mehr Ballbesitz-Fußball, eine andere D/A-Identität.

Sein Alter ist egal. Sagt der 26-Jährige. Das Fehlen der Erfahrung wird er wettmachen mit dem täglichen Sammeln von Erfahrungen. Hansen meint, er hat ein Gespür für die Jungs. Ein Gefühl. Das sei sein Vorteil. Präsident Gooßen hat sich festgelegt: „Wir haben schnell feststellen können, dass Frithjof die D/A-Gene verinnerlicht hat und deshalb für unsere weitere Entwicklung genau der richtige Trainer ist.“

Frithjof Hansens Oma wird einen neuen Ordner anlegen müssen. Wenn alles gut geht, ist ihr Enkel ab Sommer drei Jahre lang Dauergast in regionalen und überregionalen Medien.

Oliver Ioannou verlässt D/A – Rosin kommt

Oliver Ioannou (32) wird D/A zum Saisonende verlassen. Der aktuelle Kapitän und Mittelfeldspieler zieht nach Gesmold in der Nähe von Osnabrück zu seiner Familie. Seine Frau erwartet im August das zweite Kind, einen Sohn. Ioannou wird sich dem Bezirksligisten Viktoria Gesmold anschließen und dort als Spielertrainer fungieren. Der D/A-Leistungsträger kam 2015 vom Lüneburger SK nach Drochtersen. „Er ist seitdem eine der wesentlichen Säulen unserer Mannschaft“, sagt Rigo Gooßen.

Neu verpflichtet für die nächste Saison hat D/A Dennis Rosin von Altona 93. Der offensive Mittelfeldspieler wurde in seiner Jugend beim FC St. Pauli ausgebildet. Der 25-Jährige hatte beim Gastspiel der Hamburger in Drochtersen mit einem spektakulären Tor auf sich aufmerksam gemacht. Er vernaschte mit seinem Dribbling die gesamte D/A-Abwehr. Rosin hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

(Quelle: Stader Tageblatt; Autor: Berlin: Bilder: Berlin, Bergmann)