Drochtersen/Assel und der Traum 3. Liga: D/A-Boss Gooßen ist vorbereitet

DROCHTERSEN. Als Rigo Gooßen 1982 bei der SV Drochtersen/Assel als Präsident anfing, war die Fußball-Regionalliga weit weg. „Eher ein Traum“, sagt der heute 62-Jährige. Jetzt spielt die Mannschaft seit fast sieben Jahren in Liga vier. Der D/A-Chef schließt nicht mehr aus, dass es noch höher hinaus gehen könnte.

Rigo Gooßen sinniert bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee über das, was alles noch kommen mag. Aufstieg in die 3. Liga? Ausbau des Kehdinger Stadions? Bessere Trainingsmöglichkeiten? Das Sportliche davon gehört ins Reich der Visionen, der Träume. Aber ganz so weit weg scheint es nicht mehr. Schließlich etablierte sich die SV Drochtersen/Assel in den vergangenen fast sieben Jahren in der Regionalliga. Das Infrastrukturelle haben die D/A-Verantwortlichen zu einem großen Teil längst in der Schublade.

Das Traumspiel 2018 gegen den FC Bayern München : Der damalige Mittelfeldspieler Sven Zöpfgen im Zweikampf mit Leon Goretzka. Zöpfgen riss sich in dieser Partie das Kreuzband. Bayern gewann 1:0. Foto: Archiv

Der Aufstieg in die 3. Liga ist keine Utopie. In den Pokalwettbewerben der vergangenen Jahre zeigte D/A sportlich, dass es sich gegen Drittligisten behaupten kann. Die sportliche Bilanz spricht dabei für Drochtersen. Und in der Regionalliga? D/A gilt als Marke. Es hat reihenweise die Großen besiegt. Und manchmal hat es gegen die Kleinen geschwächelt. Aber die Spielerberater dieses Landes raten den Fußballern, die in ihrem Portfolio stehen, in schöner Regelmäßigkeit, zu D/A zu wechseln.

Was sich bei D/A bei einem Drittliga-Aufstieg ändern müsste

„Derzeit haben wir nicht den Ehrgeiz, die 3. Liga anzugreifen“, sagt Rigo Gooßen. Aber wenn D/A den Aufstieg ohne Kraftakte sportlich schaffen würde, wird der Präsident keinem Spieler die 3. Liga verwehren. Gooßen würde, so sagt er, keine Legionäre verpflichten, die viel Geld kosten, um einen Aufstieg zu realisieren. Und wenn der Aufstieg mit aktuellen Bordmitteln geschafft würde, „müssen wir bereit sein“.

Das geht mit dem Lizenzantrag los, den D/A durchaus abgeben will. Gooßen hat längst gerechnet, die wirtschaftliche Machbarkeit abgewogen. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist nicht naiv und blauäugig. „Wenn die Voraussetzungen vom DFB stimmen, ist alles denkbar. Zuletzt haben sich die Voraussetzungen für solche Kandidaten wie uns verbessert“, sagt Gooßen. Aufsteiger müssen zwar infrastrukturell mächtig draufsatteln, aber nicht mehr in dem Maße wie einst.

DFB-Forderung bei Aufstieg: Mindestens 5000 Zuschauer im Kehdinger Stadion

„Ein Muss ist das Spielen im eigenen Stadion“, sagt Gooßen. Der letzte Drittligaaufsteiger TSV Havelse zum Beispiel trägt seine Heimspiele im Stadion des Zweitligisten Hannover 96 aus. Der Club ist Tabellenletzter und Abstiegskandidat Nummer eins. Gooßen setzt auf die Identität, auf das Kehdinger Stadion. D/A hatte den DFB schon verblüfft, als der Verein 2018 im DFB-Pokal den FC Bayern München im eigenen Wohnzimmer empfangen hatte und alles gut lief.

Die Kapazität des Kehdinger Stadions nahezu zu verdoppeln, würde der Drochterser Verein nach Aussagen seines Präsidenten hinbekommen. „Die Forderung nach 5000 Zuschauern könnten wir erfüllen“, sagt Gooßen. D/A müsste eine zusätzliche Tribüne bauen und insgesamt 1000 Sitzplätze schaffen. Zudem müsste sich die Qualität der Sitzplätze verbessern. Das Flutlicht ist ebenfalls nicht tauglich für die 3. Liga. Natürlich koste das Ganze eine Stange Geld und die Region und die Gemeinde müssten dem positiv gegenüberstehen, sagt der Präsident. Aber Gooßen wäre nicht Gooßen, wenn er in Politik und Wirtschaft nicht längst vorgefühlt hätte. Die Stimmungsbilder, die er bislang eingeholt hat, seien positiv.

Feierabendfußballer – In der 3. Liga wäre Profitum angesagt

Was wahrscheinlich schwieriger werden könnte, als das nötige Geld aufzutreiben, wäre, die Identität des Dorfvereins mit Herz und des Regionalligisten mit Feierabendfußballern nicht zu verraten. „Fußball neben der Arbeit? Dieses Modell müssten wir in einigen Fällen überdenken“, sagt Rigo Gooßen. Abbringen lässt sich der Verein auch nicht von seinem Credo, junge Spieler aus der Region in der ersten Mannschaft zu integrieren. Zudem ist aus Gooßens Aussagen herauszuhören, dass der Präsident auch im Falle eines Aufstiegs auf das ehrenamtliche Engagement der D/A-Familie setzt. „Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle dürfen nicht mehr verdienen, als die Spieler“, sagt Gooßen.

Der Fokus bei D/A liegt aber weiterhin auf dem „Bewahren des Geschaffenen“. Dass das die Hauptaufgabe des Vereins ist, predigt Rigo Gooßen seit Jahren. 2015 galt die Regionalliga für D/A noch als Abenteuer. Die Zeiten sind vorbei. Gooßen und der Vorstand haben dabei nicht nur das Flaggschiff im Blick. Als Gooßen in den 1980er Jahren ganz neu im Amt war, erzählt er, habe er dies mal versäumt. „Aber ich habe noch frühzeitig erkannt, dass der Verein nur erfolgreich ist, wenn man alle mitnimmt.“

Was D/A im Hier und Jetzt für Verbesserung an der Infrastruktur plant

So wenig planbar ein Aufstieg in die 3. Liga ist, infrastrukturell will sich die SV Drochtersen/Assel in den nächsten Jahren besser aufstellen. Die Corona-Pandemie hat den konkreten Planungen ein wenig den Schwung genommen. Angedacht war, schon 2022 ein neues Vereinshaus mit Geschäftsstelle zu bauen. In Verlängerung der Haupttribüne im Kehdinger Stadion. Dieses Projekt soll im nächsten Jahr realisiert werden.

Der Verein richtet seinen Blick auch auf die Anlagen in Assel. Dort soll der Platz erneuert werden. D/A plant eine neue Flutlichtanlage. Die Planungen für einen neuen Kunstrasenplatz hinter dem alten Vereinsheim in Drochtersen sind erst mal ad acta gelegt. Zu teuer. „Wir wollen die Trainingsbedingungen verbessern“, sagt Gooßen.

D/A-Präsident Rigo Gooßen verbeugt sich vor dem Team.

Rigo Gooßen hat seinen kultigen Stuhl bei jedem Auswärtsspiel dabei. Bei Heimspielen sitzt der Präsident auf der Haupttribüne, bei Auswärtsspielen auf eben diesem Klappstuhl neben der Auswechselbank. „D/A-Boss“ steht auf der Rückenlehne. Das Teil war ein Geschenk von den Mitarbeitern aus Gooßens Steuerberater-Kanzlei. Vielleicht geht dieser Stuhl ja bald noch auf weitere Reisen. Nicht nach Lübeck oder Oldenburg, sondern nach Magdeburg oder Kaiserslautern.

(Quelle: Stader Tageblatt; Autor: Berlin; Bilder: Kaiser, Archiv)