D/A-Präsident Gooßen kritisiert Trainer nach Remis bei Altona

HAMBURG. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel spielt am Sonnabend nur 0:0 beim Tabellenletzten Altona 93. Dabei gab es sie, die große Möglichkeit. Kurz vor dem Abpfiff. Vom Elfmeterpunkt. Nach dem Schlusspfiff kritisiert der Präsident auch noch den Trainer.

D/A-Präsident Rigo Gooßen geht nach dem Ende des torlosen Remis gemächlich über den Rasen in Richtung Haupttribüne der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona. Vielleicht sinniert Gooßen über die vergebene Möglichkeit, einen großen Schritt in Richtung Meisterrunde gemacht zu haben. Für die qualifizieren sich jeweils nur die besten fünf Teams der beiden Staffeln der Regionalliga Nord. Und an diesem Sonnabend gastierte schließlich der Tabellenvierte, D/A, beim abgeschlagenen Tabellenletzten Altona 93. Ein Sieg war fest eingeplant. D/A streitet sich mit Teutonia Ottensen, dem VfB Lübeck und dem Hamburger SV II um die Ränge drei bis fünf. Eines der vier Teams, die kurz vor Ende der Hauptrunde nur drei Punkte auseinanderliegen, wird den begehrten fünften Platz nicht erreichen.

Gooßen kritisiert Trainer: „60 Minuten vergeudet“

Vielleicht ist dies aber auch der Zeitpunkt, an dem sich Rigo Gooßen die Worte für seine Kritik zurechtlegt. Der Mann ist bekannt dafür, verbale Reizpunkte zu setzen und schließlich zu platzieren, wenn es mal nicht läuft. Meistens, um die Mannschaft zu wecken. Diesmal trifft es allerdings in erster Linie Trainer Lars Jagemann. „Wir haben 60 Minuten vergeudet“, sagt Gooßen. „Ich verstehe nicht, warum wir gegen diese Mannschaft fünf Abwehrspieler aufstellen“, schiebt er hinterher. Die Ausrichtung Jagemanns war dem Präsidenten zu defensiv. Besser, meint er, wären drei offensive Leute vorne gewesen. Diese Meinung kann man haben. Rein von der Papierform her hat D/A gegen die ungefährlichste Offensive der Liga und die Mannschaft mit der schlechtesten Abwehr gespielt. Altona 93 verfügt über ein Torverhältnis von 13:47. Der Tabellenletzte kassiert also im Schnitt fast drei Gegentore pro Spiel und schießt rein statistisch nicht einmal einen Treffer pro Begegnung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass D/A in 18 Spielen auch nur 20 Mal getroffen hat.

Augenscheinlich ist D/A vor 650 Zuschauern der Führung in der ersten Halbzeit aber mehrfach ganz nahe. Allein es fehlt die Abschlussstärke. „Kontrollierte Offensive“, verlangt Jagemann vor dem Spiel von seinen Fußballern im für D/A klassischen 5:4:1- oder wahlweise 3:4:3-System. Nur wirft die Mannschaft eben nicht alles nach vorne. Ansehnlich verlaufen die ersten 45 Minuten dennoch. Für ein erstes Spiel nach der Winterpause, in dem kein Team so genau weiß, wo es unter echten Wettkampfbedingungen steht, gar nicht so schlecht. D/A dominiert Altona 93 bis zur Halbzeit.

Ashton Götz verpasst in der 16. Minute die Chance zur frühen Führung. Seinen Linksschuss wehrt Altonas Torwart Frederick Lorenzen zur Ecke ab. Lennard Fock behauptet sich wenig später im Strafraum gegen orientierungslose Hamburger Innenverteidiger. Der Abschluss ist allerdings harmlos. Der Winkel zum Tor zu spitz. Ashton Götz macht viel Betrieb auf der linken Seite. Der Ex-Profi vergibt in der 33. Minute aus aussichtsreicher Position. Arian Khodabakhshian hatte ihn mit einem starken Pass in Szene gesetzt.

D/A kreiert gegen harmlose Hamburger gute Offensivaktionen und hat in der Defensive alles im Griff. Patrick Siefkes muss nicht eingreifen. Der Torwart hält sich irgendwie warm. Nach einer Flanke von Hassan El-Saleh in der 36. Minute verpasst Oliver Ioannou per Kopf. Der berührt den Ball nur leicht, ändert aber nicht entscheidend dessen Richtung. Mit einem überraschenden Freistoß von der linken Seite düpiert Ashton Götz kurz vor dem Halbzeitpfiff fast Frederick Lorenzen. Der Schlussmann macht bei seiner erfolgreichen Abwehraktion aber eine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Pfosten.

Altehrwürdiges Stadion soll abgerissen werden

D/A spielt vielleicht das letzte Mal in diesem altehrwürdigen Stadion. Die Arena wird abgerissen. Wohnungen werden dort entstehen, wo jahrelang der Fußball rollte. Die Adolf-Jäger-Kampfbahn zeigt am Sonnabend ihren ganzen Charme. Seit Jahren investiert keiner mehr in dieses Stadion. Und der Rasen selbst? Der ist den Witterungsbedingungen der vergangenen Tage entsprechend tief und seifig. Die D/A-Spieler schrauben die längsten Stollen unter ihre Schuhe. Sechs bis acht Millimeter für wenigstens ein bisschen Halt. Filigranen Fußball geben diese Bedingungen nicht her.

D/A fehlt nach dem Seitenwechsel die Zielstrebigkeit in der Offensive. Altona arbeitet sich zurück in die Partie. Und hat die erste Möglichkeit, die Szenerie auf den Kopf zu stellen. Noah Gumpert verzieht aus zentraler Position, völlig frei. Der ehemalige Drochterser Kevin Krottke vergibt nach einer Stunde die bis dahin beste Chance der Gastgeber. Seinen Kopfball spitzelt Patrick Siefkes mit den Fingerspitzen über die Latte. Vor allem bei Ecken ist Altona gefährlich.

Selbstkritischer Außenverteidiger

In der Schlussphase mobilisiert D/A noch mal die letzten Kräfte. Allein es fehlt die Struktur in der gegnerischen Hälfte. Lars Jagemann bringt mit Jan-Miklas Steffens und Felix Niebergall zwei frische Offensivkräfte. Felix Niebergall treibt den Ball kurz vor Schluss in den Strafraum und wird gefoult. Strafstoß entscheidet der Schiedsrichter. Jannes Elfers schnappt sich den Ball. Und scheitert an Frederick Lorenzen. Matchball vergeben. Elfers gibt sich bedient nach der gefühlten Niederlage. Einen Tag werde er an dem verschossenen Elfmeter zu knapsen haben. „Einer muss es machen. Ich habe die Verantwortung übernommen. Ich weiß, ich kann es besser“, sagt Elfers. Die Hauptsache sei gewesen, sagt der Außenverteidiger, dass D/A „wenig bis gar nichts zugelassen“ habe. Offensiv sei das aber „zu wenig“ gewesen.

Der vom Präsidenten kritisierte Trainer übt sich in Zurückhaltung. „Das ist seine Meinung“, sagt Jagemann. Und: „Kritik gehört zum Trainerleben dazu.“ Bei einem 0:0 gegen den Tabellenletzten fehlten ihm schließlich auch Argumente, so der Coach. Viel Zwingendes habe auch er nicht gesehen.

Hätte Elfers getroffen, hätte Gooßen vielleicht nichts gesagt.

Die Statistik zum Spiel

Tore: keine

Altona 93: Lorenzen, Wallenborn, Wachowski, Hadid (46. Heskamp), Feka (59. Lück), Mahncke, Krottke, Gumpert (75. Akyol), Silva Monteiro, Safo-Mensah, Bombek (82. Gohoua)

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Mohr, Kodabakhshian (70. Steffens), Rusch, Elfers, Golke (46. Sattler), Ioannou, Geißen, El-Saleh, Götz, Fock (75. Niebergall)

Schiedsrichter: Jan Tschirschwitz (Hannover) – Assistenten: Malte Quoos (Hannover), Julian Eberhardt (Harsum)

Zuschauer: 650

Nächstes Spiel: SV Drochtersen/Assel – SC Weiche Flensburg (Fr., 11. Februar, 19 Uhr)

(Quelle: Stader Tageblatt; Autor: Daniel Berlin; Foto: Bergmann)