D/A-Kicker Steffens ist der Mann mit dem guten Torriecher

Pferdelunge. In seinem ersten Jahr in der Fußball-Regionalliga sammelt Offensivmann Jan-Miklas Steffens bei der SV Drochtersen/Assel kräftig Spielminuten. Er spielt mehr als erwartet, weil andere fehlen. Er kennt seine Baustellen. Aber die Formkurve zeigt nach oben.

Wenn der Trainer der SV Drochtersen/Assel, Lars Jagemann, über Jan-Miklas Steffens spricht, fällt ihm dieses Wort so ziemlich als erstes ein. Ausdauer hat Steffens, rennen kann er, sprinten. Schnell umschalten. Gegen so manchen Gegner passt der 21-Jährige deshalb auch gut ins Konzept. Die Abwehrarbeit beginnt bei D/A schließlich in vorderster Reihe. Die Offensivleute stören den Gegner überfallartig beim Spielaufbau.

Allerdings lahmt der Sprinter gerade ein wenig. Steffens verletzte sich im Training am Sprunggelenk. Offenbar ist das Außenband gerissen. So etwas dauert vier bis sechs Wochen.

Jan-Miklas Steffens erzählt, dass andere Vereine im Sommer bei ihm angeklopft hätten. Die Oberligisten aus Rotenburg und Heeslingen waren angeblich interessiert. Steffens wollte in Drochtersen bleiben, weil er D/A mag und weil er gerade erst von einer renommierten Drochterser Firma als Anlagenmechaniker nach seiner Lehrzeit übernommen wurde. Die Vereine im Nachbarkreis waren ihm zudem schlichtweg zu weit weg. „Außerdem wollte ich mir ein bis zwei Jahre geben, um in der ersten Mannschaft Fuß zu fassen“, sagt Steffens.

Spielentscheidendes Tor gegen Altona

Aus dem Versuch, Fuß zu fassen, sind mittlerweile 519 Spielminuten in 13 Regionalligaspielen geworden. Steffens profitiert durchaus davon, dass etablierte Spieler wie Ashton Götz verletzungsbedingt nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. „Verletzungen wünsche ich aber keinem. Ich wünsche Ashton, dass er schnell wieder fit wird“, sagt Steffens. Bis zum 3:0-Erfolg gegen den VfB Lübeck gestattete Lars Jagemann seinem Perspektivspieler ein paar Kurzeinsätze von fünf bis 15 Minuten. Beim Rückspiel gegen den Hamburger SV II Mitte Oktober beorderte der Trainer Steffens dann das erste Mal in die Startelf. Die Order kam erst am Spieltag selbst. Jagemann zog Steffens zur Seite und erklärte ihm, was er von ihm erwartete. Steffens Gemütslage bewegte sich zwischen Nervosität und purer Freude.

Seinen ersten Saisonhöhepunkt erlebte Steffens allerdings schon drei Spieltage vorher im Heimspiel gegen Altona 93. Solche Erfolgsgeschichten schreibt in der Regel nur der Fußball. Es war ein Freitagabend. Flutlichtspiel im Kehdinger Stadion. Fabio Dias schießt D/A in der 62. Minute in Führung, Altona gleicht in der 69. Minute aus. Trainer Jagemann setzt in der Schlussphase gegen den Tabellenletzten alles auf eine Karte und bringt Steffens sieben Minuten vor dem Abpfiff. In der 90. Minute erzielt Steffens das spielentscheidende Tor zum 2:1-Sieg. Diese Geschichte wird der junge Fußballer viele Jahre später noch erzählen. „Das war ein geiler Moment“, sagt Steffens. Ein perfekter Abend. Gefühlt habe jeder im Stadion gratuliert.

 Hassan El-Saleh als Vorbild

Wenn bei D/A Spieler im Training mit Halbgas agieren, schalten sich die Arrivierten ein. „Ich kriege gern mal einen zwischen die Hörner“, sagt Steffens. Leistungsträger wie Nico von der Reith hätten ihn schon wachgerüttelt. Persönlich nimmt er solche direkten Ansagen nicht. Aber er orientiere sich daran. Neben von der Reith sind es vor allem Oliver Ioannou und „Dauersprinter“ Hassan El-Saleh, zu denen Steffens aufschaut. „Hassan ist Vorbild für mich“, sagt er.

Jan-Miklas Steffens lebt in Dornbusch. Beim SV Wischhafen/Dornbusch begann er mit fünf Jahren mit dem Fußballspielen. Einer seiner Trainer war Vater Jan. Steffens wechselte in der Jugend zum TSV Wiepenkathen, danach zum JFV Stade und im Jahr 2015 nach Drochtersen. Er biss sich in der U 18 unter Lars Jagemann durch und trainierte unter Enrico Maaßen das erste Mal in der ersten Mannschaft mit. Bei Trainer Hannes Schulz avancierte Steffens zum Stammspieler in der zweiten Mannschaft, ging nach Meinungsverschiedenheiten aber zu Dierk Kapke in die dritte. Nachdem Hannes Schulz den Verein verließ, rückte Steffens wieder auf. Im vergangenen Sommer stieß er zur Regionalligamannschaft. Zunächst habe er gedacht, er solle beim Training und in den Testspielen den Kader auffüllen. Bis ihm Benjamin Zielke, mittlerweile Coach bei D/A II, schließlich die Nachricht überbrachte. „Du bist oben.“ Steffens unterzeichnete bei D/A-Präsident Rigo Gooßen einen Vertrag. Am Ende ging alles ganz schnell.

 Traum vom Aufstieg in die 3. Liga

Steffens hat sich persönliche Ziele gesetzt. Er will sich bei D/A etablieren. Träume träumt er auch: der Aufstieg mit Drochtersen in die 3. Liga. Oder die zweite Runde im DFB-Pokal. Und wenn er alt ist, heuert er wieder beim FC Wischhafen/Dornbusch an.

Technik, Taktik, Kopfballspiel. Das sind die Baustellen, die Jan-Miklas Steffens als Regionalliga-Fußballer noch abarbeiten will und muss. Die körperliche Robustheit holt sich der 21-Jährige im Mannschaftstraining und an den trainingsfreien Tagen im Fitnessstudio. Steffens trainiert an den Geräten vornehmlich Oberkörper und Arme. „Ich bin ein Discopumper“, sagt Steffens. Er stemmt Gewichte, um in der Disco gut auszusehen. Er schmunzelt dabei. Jan-Miklas Steffens kann gut über sich selbst lachen.

(Quelle: Stader Tageblatt)