Emotional: Nagels Abschied von D/A

DROCHTERSEN. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat am Sonntag vor 578 Zuschauern im Kehdinger Stadion mit 1:0 gegen Phönix Lübeck gewonnen und seine Erfolgsserie fortgesetzt. Ein D/A-Spieler stand besonders im Mittelpunkt.

D/A gibt Florian Nagel an diesem Sonntag die Kapitänsbinde. Nagel spielt das letzte Mal vor dem Publikum im Kehdinger Stadion. „Als ich ins Stadion gekommen bin, habe ich schon eine Träne verdrückt“, sagt Nagel. Er und der Verein hatten Mitte der vergangenen Wochen bekanntgegeben, dass sie den Vertrag in der Winterpause auflösen. Nagel wird wahrscheinlich zu einem Landesligisten in der Region wechseln. Drei Auswärtsspiele wird er mit D/A noch bestreiten. Nächstes Wochenende in Kiel, dann auf St. Pauli und in Altona.

Eine schöne Geste zum Abschied des 29-Jährigen. Mannschaftsbetreuer Jonas Rambow hat vor dem Spiel gegen Phönix Lübeck die Trikots und Hosen für die Spieler in der Kabine bereitgelegt. Das macht er immer so. Nur diesmal legte er auch die Kapitänsbinde auf die Umkleidebank auf Nagels Platz. „Ich habe angefangen zu zittern, als ich die Binde gesehen habe“, sagt Nagel. Von da an sei er nervös gewesen. Nagel spielte immerhin siebeneinhalb Jahre in Drochtersen. Kapitän war er nie. Die Geste habe ihm „unheimlich viel bedeutet“.

Verdiente Führung

Der Mittelfeldspieler führt seine Elf auf den Rasen. Gegen Phönix Lübeck soll er im Mittelfeld neben Maximilian Geißen für die kreativen Momente sorgen. In der 22. Minute schlägt er einen gefährlichen Freistoß, den Lübecks Torwart Kevin Tittel zur Ecke klärt. Eine Minute später initiiert er eine Gelegenheit für Jasper Gooßen und Hassan El-Saleh. Aber die Chance verpufft.

An der verdienten D/A-Führung ist Nagel nicht beteiligt. Sein Mittelfeldpartner Maximilian Geißen setzt mit einem Freistoß Innenverteidiger Tjorve Mohr in Szene. Der legt per Kopf auf Jasper Gooßen ab. Der Mittelstürmer muss nur noch seine Stirn hinhalten und dem Ball die entscheidende Richtung geben. 26. Minute. 1:0. Ansonsten halten sich beide Mannschaften mit gefährlichen Torraumszenen zurück.

Nach dem Wechsel legen sich die Drochterser Bank und die Zuschauer mit Schiedsrichter Eric Müller an. Ex-Kapitän Sören Behrmann holt sich die Gelbe Karte ab, weil er zu vehement den ausgebliebenen Elfmeterpfiff von Müller kritisiert. Jasper Gooßen war in der 55. Minute im Lübecker Strafraum durch und fiel schließlich. Der Kontakt reichte dem Unparteiischen nicht für einen Pfiff.

Phönix Lübeck war beim 0:0-Unentschieden im Hinspiel bereits ein unangenehmer Gegner. D/A verkaufte den Punktgewinn seinerzeit als Erfolg. Auch am Sonntag, auswärts im Kehdinger Stadion, erarbeitet sich Lübeck die besseren Chancen. Drochtersen hat Glück, als der Ball in der 65. Minute bei zwei Lübecker Schüssen unmittelbar nacheinander an den Pfosten klatscht. Neun Minuten später ist D/A-Torwart Patrick Siefkes da, streckt sich bei einem Flachschuss von Haris Hyseni und lenkt den Ball über die Torauslinie. Aus der Distanz versucht es wenig später Fabian Graudenz. Sein Schuss rauscht links an Siefkes’ Tor vorbei.

Diese Geschichte um Florian Nagel hätte eine noch schönere werden können, wenn sein Schussversuch Mitte der zweiten Halbzeit nicht sechs, sieben Meter am Tor vorbeigeflogen wäre. Oder wenn der Drehschuss im Strafraum acht Minuten vor Schluss wenigstens eine ernsthafte Prüfung für den Lübecker Schlussmann geworden wäre. So geht der Zehner ohne Tor aus seinem letzten Heimspiel für D/A. „Das Spiel hat gezeigt, dass ich noch mithalten kann“, sagt Nagel. D/A-Trainer Lars Jagemann verschafft Nagel in der Nachspielzeit einen würdigen Abgang. Er wechselt ihn aus. Er gönnt ihm seinen Sonderapplaus.

(Die ehrenamtlichen Mannschaftsbetreuer des Bundesligisten FC Schalke 04 bedankten sich für die Gastfreundschaft beim DFB-Pokalspiel vor zwei Jahren. Der damalige D/A-Kapitän Sören Behrmann (Zweiter von links) erhielt von Dirk Bredfeldt, Marco Sander und Dirk Schütte (von links) ein signiertes Trikot . Behrmann kündigte an, das Trikot bei der Blau-Roten Nacht für einen guten Zweck versteigern zu wollen.)

D/A sieht für Nagel eine dritte Halbzeit vor. Der Präsident spricht Abschiedsworte. Nagel verabschiedet sich. Fast alle Zuschauer, die auf der Haupttribüne sitzen, bleiben, um sich das anzuhören. „Florian gehört zu den Spielern, die für D/A Geschichte geschrieben haben“, sagt Clubchef Rigo Gooßen. Nagel selbst erklärt, dass er „unheimlich froh und stolz ist, Teil dieser D/A-Geschichte gewesen zu sein“. D/A war für ihn mehr als Fußball. Auch Familie. „Wir haben zusammen Erfolge gefeiert. Mit einigen Spielern habe ich zusammen gewohnt. Wir haben zusammen Feste gefeiert.“ Er werde seine Familie wieder treffen. Auf den Sportplätzen dieser Region.

Die Statistik des Spiels

  • Tor: 1:0 (26.) Gooßen
  • SV D/A: Siefkes, Elfers, von der Reith, Mohr, Rusch, Golke (71. Sattler), Nagel (90.+2 Budde), Geißen, El-Saleh, Steffens (87. Niebergall), Gooßen (80. Dias)
  • 1. FC Phönix Lübeck: Tittel, Fischer, Vinberg, Graudenz (85. Bouali), Knudsen, Hyseni, Korup (88. Rasgele), Ibraimo, Büyükdemir (85. Wahab), Budimbu, Kwame
  • Schiedsrichter: Eric Müller (Bremen) – Assistenten: Christoph Kluge (Bremen), Dennis Eva (Bremerhaven)
  • Zuschauer: 578
  • Nächstes Spiel: Holstein Kiel – D/A (Sbd., 21. November, 14 Uhr)

(Quelle: Stader Tageblatt; Autor: Daniel Berlin; Fotos: Daniel Berlin)