Dramatik pur: D/A steht im Pokalfinale

HILDESHEIM. Was für eine Dramatik. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel steht nach einem 4:2 (1:1) nach Elfmeterschießen gegen Borussia Hildesheim im Niedersachsen-Pokalfinale. Das vierte Mal. Drochtersen jubelt. Erst Jannes Wulff ermöglichte D/A das Elfmeterschießen nach seinem späten Tor zum 1:1.

Schulze verschießt. Von der Reith trifft. Baghdadi knallt drüber. Neumann trifft. Heesmann trifft. Elfers trifft. Drei Mal schieben die D/A-Spieler den Ball unten rechts rein. Franke schießt an den Pfosten. D/A ist im Finale.

Dieses Halbfinale hatte mehr Zuschauer verdient, als die wenigen, handverlesenen, die ins Friedrich-Ebert-Stadion durften. 3000 hätte die Borussia aktivieren können, sagte ein Offizieller. Mindestens. Aber in der Pandemie waren es keine hundert Leute. D/A durfte inklusive Kader 40 Personen mitbringen.

Kapitän Sören Behrmann fehlt verletzt

Die wenigen Zuschauer sahen in der ersten halben Stunde eine überlegene Drochterser Mannschaft. Bereits nach wenigen Sekunden setzte Efkan Erdogan einen Kopfball nach einer Ecke über die Latte. Jannes Wulff scheiterte in der elften Minute mit seinem Flugkopfball. Maximilian Geißen und Alexander Neumann rauften sich die Haare nach einer Viertelstunde. Geißen scheiterte an Torwart Nils Zumbeel, Neumann im zweiten Versuch am Außennetz. Der erste Treffer war eine Frage der Zeit.

Die Startaufstellung brachte keine Überraschungen. D/A-Trainer Lars Jagemann vertraute im Tor auf Patrick Siefkes. In der Vierer-Abwehrkette spielten Nikola Serra, Nico von der Reith, Hassan El-Saleh und Jannes Elfers. Im Mittelfeld setzte Jagemann auf Oliver Ioannou, Maximilian Geißen, Martin Sattler und Efkan Erdogan, im Sturm auf Alexander Neumann und Jannes Wulff. So stellte der Coach die Mannschaft auf beim letzten Testspiel gegen den FC Oberneuland auf. Schmerzlich vermisst wurde Kapitän Sören Behrmann. Der Innenverteidiger plagt sich mit einer Adduktorenverletzung herum. Neumann übernahm die Kapitänsbinde.

Kein Spiel für Fußball-Ästheten

Die Drochterser Reservespieler applaudierten bei jeder gelungenen Aktion, bei jedem gewonnenen Zweikampf, jedem geblockten Pass oder Schuss. Sie pushten die, die auf dem Spielfeld ackerten und ackerten draußen verbal. Schließlich winkt das Niedersachsen-Pokal-Finale am 29. Mai. Und bei einem Sieg dort die Qualifikation für den DFB-Pokal.

Erst nach einer halben Stunde verbuchten die Gastgeber die erste echte Chance. Yannik Schulzes Schuss parierte Siefkes mit den Fäusten. Im Nachsetzen blockte er den Ball von Benedict Plaschke mit dem Fuß.

Beide Trainer hatten vorausgesagt, dass die Partie kein Spiel für Fußball-Ästheten werden sollte. War sie auch nicht nach Wiederanpfiff. Viele Fouls prägten die ersten Minuten der zweiten Hälfte. Jetzt waren die Mentalitätsbestien gefragt.

Später Ausgleich durch Jannes Wulff rettet D/A ins Elfmeterschießen

Spielerische Akzente setzte in der 64. Minute wieder D/A. Nach einer Gemeinschaftsproduktion von Hassan El-Saleh und Fabio Dias kam Efkan Erdogan zum Abschluss, verfehlte das Tor aber um gut einen Meter. Je länger die Partie dauerte, desto hektischer wurde sie.

Die wenigen Zuschauer rasteten schließlich aus, als Benedict Plaschke in der 79. Minute mit einem Hammer aus 20 Metern zur Hildesheimer Führung traf. Links oben in den Winkel. Siefkes flog umsonst. Hildesheim feierte das Tor ausgiebig. Die D/A-Spieler waren entsetzt. Finale adé? Nico von der Reith motivierte: „Weiter Männer! Dran glauben!“ Hildesheim bolzte die Bälle vehement aus der Gefahrenzone. D/A lief die Zeit davon. Jannes Wulff rettete sein Team schließlich ins Elfmeterschießen. Irgendwie schaffte es der D/A-Stürmer, den Ball nach einer Ecke von Elfers über die Linie zu spitzeln. Dramatik pur.

Die Stimmen zum Spiel

D/A-Trainer Lars Jagemann: „In den ersten 30 Minuten waren wir in allen Belangen überlegen. Mit etwas mehr Überzeugung hätten wir mit einem 2:0 in die Pause gehen können. Nach dem Rückstand haben wir aggressiver gespielt. Ich habe immer an den Sieg geglaubt. Im Elfmeterschießen hatten wir viel Selbstvertrauen. Hildesheim hat gezittert.“

Jannes Wulff, Torschütze zum 1:1: „Wir haben immer dran geglaubt. Wir sind gerade im Pokal so eine eklige Mannschaft und können immer ein Tor schießen. Im Elfmeterschießen hatte Hildesheim großen Respekt vor Patrick. Der ist ein Elferkiller. Das spricht sich herum.“

Oliver Ioannou: „So ist Fußball. Es kann immer einer durchrutschen. Zum Glück ist es passiert. Im Elfmeterschießen hatten wir einen psychischen Vorteil. Außerdem wollte Hildesheim zu platziert schießen, weil sie wussten, wer da im Tor stand.“

Nikola Serra: „Das war unglaublich hart heute. Gerade in der zweiten Halbzeit ging es hin und her. Das war wie Tennis. Das hatte fast nichts mehr mit Fußball zu tun. Körperlich hat Hildesheim auf höchstem Level gespielt. Aber wir hielten dagegen und sind bis zum Schluss ruhig geblieben.“

Nico von der Reith: „Die Mannschaft, die am meisten kämpft, wird gewinnen. Das war klar. Wir wurden belohnt am Ende. Elfmeterschießen ist Kopfsache. Du musst dran glauben zu hundert Prozent. Wenn du eine Sekunde nicht bei der Sache bist, verschießt du.“

Quelle: Stader Tageblatt