D/A gegen Hildesheim: Wichtigstes Spiel der Saison

Für D/A ist es das wichtigste Spiel der durch Corona verkorksten Saison. Drochtersen trifft am Sonnabend in Hildesheim im Halbfinale des Niedersachsenpokals auf die Borussia. Einen Favoriten gibt es nicht. Warum sich die Kontrahenten sogar ganz ähnlich sind.

Am morgigen Freitagabend ist Abschlusstraining im Kehdinger Stadion. „Ein bisschen Spaß haben, ein bisschen anschwitzen“, sagt D/A-Trainer Lars Jagemann. Eine kleine Einheit soll es werden. Das Taktische sei längst abgearbeitet. Die Spieler werden sich vor einem Fernseher versammeln und einen kurzen Film anschauen, den Betreuer Jonas Rambow zusammengeschnitten hat. Die erfolgreichen Pokalmomente vergangener Jahre sollen für Gänsehaut sorgen, sollen motivieren. Die emotionalen Auftritte gegen Osnabrück, Meppen, Braunschweig oder Havelse und die DFB-Pokalspiele gegen Gladbach oder die Bayern werden noch mal aufgefrischt in Full-HD-Qualität. Der DFB-Pokal ist das erneute Ziel der SV Drochtersen/Assel.

DFB-Pokal als Ziel

Es klingt, als hätten sich Jagemann und sein Hildesheimer Trainerkollege Benjamin Duda abgesprochen. Duda setzt auf ähnliche emotionale Tricks. Und im Abschlusstraining am Freitag wolle auch er die Leichtigkeit in die Füße bekommen, die Vorfreude in die Köpfe. „Die Spieler sollen es genießen“, sagt Duda.

Spielerische Finessen während des Halbfinalspiels kann Duda damit nicht meinen. „Die Partie wird nichts für Fußball-Ästheten. Sie wird krachend und intensiv“, sagt Duda, der die Borussia nach dieser Saison verlassen wird. Wohin er geht, steht noch nicht fest. Was die Mentalität und die Spielauffassung angehen, agierten Hildesheim und D/A ähnlich. „Deshalb ist Drochtersen genau der richtige Gegner“, sagt der Trainer. Zuschauer sind bei der Partie aufgrund der Corona-Pandemie nicht zugelassen.

Borussia analysiert

In den Köpfen der Trainer hatte die taktische Analyse des Gegners vor Wochen begonnen. Duda setzt auf die „klare Idee, das Pressing und das schnelle Umschalten, das in der Borussia-DNA verankert ist“. Er rechnet mit einer gefestigten, stabilen und im wahrsten Sinne des Wortes starken Drochterser Mannschaft. Eine mit Ausstrahlung.

Jagemann sagt, es werde viele lange Bälle geben, es werde sich viel über die zweiten Bälle entscheiden. „Die gewinnst du nur über die Mentalität.“ Das Anlaufen, das Pressen, das Unter-Druck-Setzen habe D/A trainiert. Aber einen echten Wettkampf könne er nur schwer simulieren.

Der Ausgang des Spiels ist ungewiss. Einen Favoriten gibt es nicht. Die reinen Ergebnisse aus den Testspielen beider Mannschaften reichten von schlecht über durchwachsen bis gut. „Es ist so ähnlich, wie vor einem ersten Spieltag. Wir wissen nicht, wo wir stehen“, sagt Jagemann.

D/A-Startelf im Kopf

Der hat seine Startelf längst im Kopf, hält sich noch Optionen offen. Im defensiven Mittelfeld habe er zwischen Marcel Andrijanic, Maximilian Geißen und Oliver Ioannou die Qual der Wahl. Drei sind einer zu viel. Christian Rusch habe in der Defensive eine überragende Vorbereitung gespielt, ebenso Fabio Dias in der Offensive. Namen, die um einen Platz in der ersten Elf noch im Rennen sind. Bei der Borussia wird Thomas Sonntag fehlen, ein Leistungsträger im Angriff, der in dieser Saison zwei Treffer erzielte.

Die markigeren Sprüche präsentiert im Vorfeld der Begegnung auf jeden Fall Benjamin Duda: „Wenn uns Samstag jemand vorwerfen kann, wir sind zu wenig gerannt, wäre das katastrophaler als eine Niederlage. Wir werden ein mentales Feuerwerk abbrennen. Das ist ein Versprechen.“ Die SV D/A hat mit ähnlicher Philosophie ihre größten Erfolge erzielt.

Der Weg ins Halbfinale

Die SV Drochtersen/Assel hat sich im Viertelfinale gegen den TSV Havelse mit 5:3 nach Elfmeterschießen durchgesetzt. In der regulären Spielzeit traf D/A-Toptorschütze Alexander Neumann in der 67. Minute zum 1:0. Havelses Noah Plume glich in der 83. Minute aus. Weil es im Niedersachsenpokal keine Verlängerung gibt, ging es nach 90 Minuten im Elfmeterschießen weiter. Für D/A trafen Florian Nagel, Nikola Serra, Alexander Neumann und Jannes Wulff. Torwart Patrick Siefkes parierte einen Elfmeter von Deniz Cicek, Niklas Tasky verschoss.

Die Qualifikationsrunde überstand D/A zuvor durch einen 1:0-Sieg gegen den BSV Rehden. Alexander Neumann traf in der ersten Halbzeit.

Der heute 31-Jährige ist seit seinem Wechsel zur SV Drochtersen/Assel der treffsicherste Spieler des Vereins. 98 Tore erzielte der Mittelstürmer bislang in 203 Pokal- und Ligaspielen, 14 im Pokalwettbewerb und 84 in der Regionalliga und der Oberliga.

Die wohl denkwürdigsten Pokalspiele erlebte D/A in der Saison 2018/2019, als das Team auf dem Weg zum dritten Titel innerhalb von vier Jahren die Drittligisten Eintracht Braunschweig, VfL Osnabrück und SV Meppen ausschaltete. Alexander Neumann steuerte im Halbfinale und im Finale jeweils die entscheidenden Treffer bei.

Denkwürdige Niedersachsenpokalspiele im Rückblick:

TSV Havelse (28.10.2020), Eintracht Braunschweig (02.10.2019) & (03.10.2018), SV Meppen (22.05.2019), VfL Osnabrück (24.04.2019) & (03.04.2018), 1.FC Germania Egestorf (28.05.2016)

Quelle: Stader Tageblatt