D/A kann einmal mehr Pokalgeschichte schreiben

DROCHTERSEN. Die Regionalliga-Fußballer der SV Drochtersen/Assel wollen zum vierten Mal den Niedersachsenpokal gewinnen. Am Sonnabend kommt es zur Neuauflage des Finales von 2019 gegen Drittligist Meppen – D/A gewann 1:0. Die Voraussetzungen sind aber gänzlich andere.

Dieses Mal hat die unterklassige SV Drochtersen/Assel kein Heimrecht, keinen Heimvorteil. Am Tag der Amateure wird das Finale im hannoverschen Eilenriedestadion ausgetragen. Anpfiff ist um 15 Uhr. Es sind so gut wie keine Zuschauer zugelassen.

Den größten Nachteil für seine Mannschaft sieht D/A-Trainer Lars Jagemann im gänzlich unterschiedlichen Saisonverlauf. Der SV Meppen ist voll im Spielrhythmus, während D/A wegen der Corona-Auflagen monatelang pausierte und erst seit einem Monat wieder trainieren darf. „In jeder normalen Saison wäre mir der Finalgegner egal gewesen“, sagt Jagemann, „die Spielpraxis ist für Meppen aber ein Mega-mega-Vorteil.“

Ligaerhalt haarscharf verpasst

Jagemann sieht den SV Meppen im Finale auch wieder in der Spur. „Nach dem Halbfinalerfolg gegen den VfB Oldenburg haben sie den Kopf wieder mehr frei.“ Am vergangenen Wochenende ist Meppen nach vier Jahren in der 3. Liga denkbar knapp abgestiegen, nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses. Nun haben sie zumindest zwischendurch noch den Erfolg im Pokal errungen, so Jagemanns Argumentation. Dass sich die SVM-Spieler nicht hängen lassen, hat das 4:0 in Oldenburg am Dienstag gezeigt. Obwohl keiner der Spieler einen gültigen Vertrag für die Regionalliga hat und die meisten noch vor einer unsicheren Zukunft stehen oder zumindest keine beim Absteiger haben.

Seit Dienstag analysiert das D/A-Team den Gegner. „Da wird was auf uns zukommen“, sagt Jagemann. Das Spielsystem des SV Meppen sei sehr variabel, die Mannschaft stelle sich dabei gern auf den jeweiligen Gegner ein, agiere dabei auch mannorientiert.

Wackelkandidat: Sören Behrmann

D/A trainierte in dieser Woche am Montag und Mittwoch und wird am heutigen Freitag ein Abschlusstraining machen. Am Mittwoch stieg der angeschlagene Kapitän Sören Behrmann ins Training ein. Die Belastungsprobe verlief positiv, der heutige Freitag wird zeigen, ob er einsatzbereit ist. Behrmann will natürlich, ist heiß. Er bedauerte sein Fehlen im Halbfinale schon sehr.

Die Favoritenrolle ist klar aufseiten des SV Meppen, trotz des Abstiegs. D/A wird einmal mehr seine Willensstärke entgegensetzen. Der vierte Pokalsieg innerhalb von sechs Jahren ist greifbar. Der SV Meppen gewann den Niedersachsenpokal erst ein Mal: 1999 mit einem 2:0-Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig.

Die Berührungspunkte zwischen D/A und Meppen sind überschaubar. In der eingleisigen Oberliga Niedersachsen stieg D/A 2011 ab und Meppen wurde Meister und stieg auf. Von 2015 bis 2017 trafen der kleine Dorfverein und der Traditionsverein in der Regionalliga Nord aufeinander, ehe Meppen als Meister und Relegationssiger in die 3. Liga aufstieg. Nun folgte der Abstieg.

Das Finale von 2019 zwischen den beiden Teams ist der gemeinsame Höhepunkt und wird D/A vielfach mehr motivieren.

SV Drochtersen/Assel – die Pokalmannschaft und die Elferkönige

Seit der ersten Regionalligasaison 2015/16 ist die SV Drochtersen/Assel auch eine Pokalmannschaft. Das gern zitierte D/A-Gen wird besonders im Niedersachsenpokal aktiv und die Mannschaft mutiert vor allem für die favorisierten Drittligisten zum berüchtigten Pokalschreck. Eine kleine D/A-Pokal-Historie:

  • 2015/16: D/A schafft es im Pokal erstmals bis ins Halbfinale, fährt aber als klarer Außenseiter zum VfB Oldenburg. Dort setzt sich die Maaßen-Mannschaft dann überraschend mit 2:1 durch und hat sich dadurch schon für den DFB-Pokal qualifiziert. Die Feier ist groß, die Pokalmannschaft ist geboren. Im Finale gewinnt D/A auswärts mit 2:0 beim 1. FC Germania Egestorf-Langreder. Pokalsieg Nr. 1. Im DFB-Pokal empfängt D/A Borussia Mönchengladbach. Traumlos.
  • 2016/17: Der Pokalsieger scheidet im Achtelfinale gegen den 1. FC Wunstorf mit 0:2 aus.
  • 2017/18: D/A setzt sich in den ersten Runden gegen Uphusen, Heeslingen und Spelle-Venhaus durch. Im Halbfinale kommt es im Kehdinger Stadion zum Duell mit dem Drittligisten VfL Osnabrück. D/A erkämpft sich ein 0:0 und schafft es ins Elfemeterschießen, das seine ganz eigene Geschichte schreibt. Torwart Philipp Kühn, jetzt Stammtorhüter bei dem Zweitligisten, bleibt beim Elfer von Ahmet Arslan einfach stehen und hält dessen dreist in die Mitte gelupften Ball noch einfacher fest. 7:6-Sieg. Finale. DFB-Qualifikation. Im Finale empfängt D/A Ligakonkurrent SSV Jeddeloh, liegt schnell mit 0:1 zurück und gewinnt souverän mit 5:1. Pokalsieg Nr. 2. Im DFB-Pokal empfängt D/A Bayern München. Das Mega-Traumlos.
  • 2018/19: Der Pokalschreck geht um. Der Wettbewerb ist nun zweigleisig. Die Oberligisten und Bezirkspokalsieger spielen einen Sieger aus. Die Regionalligisten und Drittligisten spielen einen weiteren Sieger aus. D/A zieht ausschließlich Hammerlose – nur Drittligisten. Eintracht Braunschweig wird nach einem 0:0 mit 5:4 im Elfmeterschießen besiegt. Osnabrück kommt abermals vorbei, dieses Mal mit Philipp Kühn im eigenen Tor. Der kassiert zwei Treffer von Alexander Neumann und Jannes Elfers und D/A steht mit 2:1 im Finale. Es kommt der SV Meppen und D/A gewinnt durch den Treffer von Neumann mit 1:0. Pokalsieg Nr. 3. Im DFB-Pokal empfängt D/A die Königsblauen des FC Schalke 04. Superlos.
  • 2019/20: D/A verliert in der ersten Runde gegen Eintracht Braunschweig mit 1:3.
  • 2020/21: Das vierte Finale steht, folgt Sieg Nr. 4? D/A gewann gegen Rehden und setzte sich gegen Havelse und Hildesheim im Elfmeterschießen durch. Seit 2015 hat D/A keines seiner Elfmeterduelle im Pokal verloren. Auch dieser Ruf eilt der Pokalmannschaft voraus.

SV Meppen – viel Tradition

Auch wenn es schon lange her ist – dem SV Meppen hängt der Titel des ewigen Zweitligisten noch an. Und Tradition hat der Verein von 1912 sowieso.

  • Von 1987 bis 1998 hielt sich der SV Meppen in der 2. Bundesliga. Die Mannschaft bestand anfangs noch aus Halbprofis, erarbeitete sich aber – auch mit seinen treuen Fans – schnell Sympathien im Profibereich. Trainer Horst Ehrmanntraut etablierte den kleinen Verein vollends in der 2. Bundesliga und führte den SV Meppen Mitte der 90er Jahre sogar in die Spitzengruppe. In der Saison 1994/95 spielten die Meppener sogar lange um den Aufstieg in die 1. Bundesliga mit.
  • 1998 folgte der Abstieg und es ging bergab. 2001 musste aufgrund von Verbindlichkeiten in Höhe von 1,6 Millionen Euro die Insolvenz beantragt werden.
  • 2011 gelang wieder ein erster Achtungserfolg mit dem Aufstieg in die Regionalliga.
  • 2017 folgte die Meisterschaft und in den Relegationsspielen gegen Waldhof Mannheim (Meister der Südwest-Liga) gelang der Aufstieg in die 3. Liga.
  • In der Saison 2019/20 träumten die Meppener von der Rückkehr in die 2. Bundesliga, doch dann kam die Corona-Unterbrechung und nach dem Re-Start waren die Leistungen nicht mehr dieselben. Am Ende Stand Platz 7.
  • In dieser Saison folgte der Abstieg.

Quelle: Stader Tageblatt