D/A-Kicker zieht es zurück in die USA

Nach einem halben Jahr beim Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel hat Jean-Philippe Meibohm seinen Vertrag wieder aufgelöst. Meibohm hat ein Angebot erhalten, das er nicht ablehnen kann. Fußball spielt dabei erst mal keine Rolle mehr.

Bevor Jean-Philippe Meibohm im vergangenen Sommer zur Spielvereinigung wechselte, verbrachte er drei Jahre in den USA, spielte dort Fußball und studierte Finanzwesen. Im August zieht es ihn zurück in die Staaten. An die renommierte Bentley University in Waltham bei Boston. Laut eines landesweiten Rankings soll diese University in Sachen Finanzen die zweitbeste der USA sein. Meibohm erhält ein akademisches Stipendium. „Als ich das Angebot erhielt, war klar, dass ich es nicht ablehnen konnte“, sagt er.

Meibohm muss während des eineinhalb Jahre dauernden Studiums liefern. Pro Semester schreibt die Universität für den Masterstudiengang einen Notenschnitt von 2,0 vor, damit Meibohm seinen Anspruch auf die finanzielle Unterstützung behält. Dies zu erreichen bereite ihm zwar keine Sorge, aber dennoch hat der 23-Jährige jetzt Prioritäten gesetzt. „Fußball steht nicht mehr an erster Stelle“, sagt Meibohm.

Neuer Lebensabschnitt  beginnt

Der neue Lebensabschnitt beginnt schon jetzt. In Vorbereitung auf das Studium absolviert Meibohm ein Praktikum bei einer internationalen Finanzberatung in Hamburg. Selbst wenn D/A in den nächsten Tagen mit einer Sondergenehmigung wieder auf den Trainingsplatz dürfte und der Spielbetrieb bald weiterginge, wäre Meibohm nicht dabei. Das Praktikum fordert ihn. Feierabend ist manchmal erst spät am Abend. Darunter würde das Training leiden. „Ein Training verpassen geht nicht auf Regionalliga-Niveau“, sagt Meibohm.

In der nach nur neun Spielen unterbrochenen Regionalliga-Saison bestritt Jean-Philippe Meibohm kein einziges Spiel. Der Innenverteidiger hatte Pech in der Vorbereitung, als er während eines Testspiels gegen die zweite Mannschaft mit einem Gegenspieler zusammenstieß und sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Einen Monat lang musste Meibohm sich schonen und auch danach litt er manchmal an Kopfschmerzen, wenn die physische Belastung im Training zu groß wurde. „Ich machte mir Sorgen, ob ich Langzeitschäden davontrage“, sagt Meibohm. Nach mehreren Untersuchungen konnte er aber aufatmen.

Im Oktober habe er das Gefühl gehabt, sich endlich zurückgekämpft zu haben. Dann kam wenig später der Lockdown. „Das war dennoch kein verlorenes halbes Jahr“, sagt Meibohm. Er habe die „Supertruppe und das Training genossen“. Meibohm räumt allerdings auch ein, dass es nicht so gelaufen ist, wie er und der Verein es sich vorgestellt hatten. „Der Plan war schon, dem Team auf dem Platz zu helfen“, sagt Meibohm.

Meibohms Werdegang

Meibohm, der zurzeit in Harsefeld bei seiner Familie lebt, lernte das Fußballspielen bei der JSG Apensen/Harsefeld, aber schon mit 16 ging er weg. Er spielte bei der U 17 vom FC Oberneuland, der U 19 vom Halleschen FC, bei Erzgebirge Aue und im ersten Herrenjahr beim Malchower SV in der Oberliga Mecklenburg-Vorpommerns. Die Nachwuchsleistungszentren des SV Werder Bremen, des Hamburger SV und vom FC St. Pauli zeigten kein Interesse. In den USA spielte er für drei verschiedene Clubs und holte sich an der Uni seinen Bachelor.

Jetzt geht es wieder zurück in die USA. „Das wird es wohl mit Fußball gewesen sein“, sagt Meibohm. Ambitioniert zu spielen und fast täglich zu trainieren würde bedeuten, dass er sich neben dem Masterstudium in den USA kein Geld hinzuverdienen könnte. Genau das ist aber sein Plan. „Und für Just-for-Fun-Kicken bin ich viel zu ehrgeizig“, sagt Meibohm. Wehmütig fügt er hinzu, dass er das Training und die Stimmung in der D/A-Kabine jetzt schon vermissen werde.

Quelle: Stader Tageblatt