D/A-Kicker Jasper Gooßen feiert Erfolgserlebnisse im Alltag

DROCHTERSEN. Jasper Gooßen ist positiver gestimmt ins Jahr 2021 gestartet, wie er sagt. Der Regionalliga-Fußballer der SV Drochtersen/Assel ist seit seiner langen Verletztengeschichte wieder schmerzfrei. An sein Comeback will er aber noch nicht denken.

Dafür war die Leidenszeit des 25-Jährigen, inklusive Rückschläge, zu lang. „Ich kann nach eineinhalb Jahren wieder ohne Schmerzen Treppen steigen“, sagt Jasper Gooßen, „das ist ein Erfolgserlebnis im Alltag.“ Das hat derzeit noch Priorität.

Es war der 1. März 2019, der 24. Spieltag der Regionalliga-Saison 2018/19, ein Heimspiel gegen den VfL Oldenburg, als sich Jasper Gooßen das Kreuzband im linken Knie riss. Es war für ihn der 22. Einsatz in der Saison, die D/A nach zehn weiteren Spielen als Fünftplatzierter abgeschlossen hat. Gooßen steuerte fünf Treffer bei, war hinter Alexander Neumann (9) und Marcel Andrijanic (7) drittbester Torschütze von D/A. Sein persönlicher Bestwert. Gooßen, das Eigengewächs und Sohn von Präsident Rigo Gooßen, ist auf dem Platz aber kein Torjäger. Er hat sich mit seiner laufintensiven, kampfstarken und mannschaftsdienlichen Spielweise in die Stammmannschaft gekämpft. Das war schon in der Saison 2014/15, als D/A Meister in der Oberliga wurde und in die Regionalliga aufstieg. Schnell zurückkämpfen wollte Gooßen sich auch nach der Kreuzband-Operation.

Zweite Diagnose Knorpelschaden: „Da ging alles von vorne los“

Die Reha in Hamburg verlief gut. Privat machte er zusätzliche Physiotherapien. Er arbeitete fleißig am Comeback. Im Januar 2020 wollte er im Trainingslager in Barcelona wieder angreifen. Kurz darauf bekam er Schmerzen. Die ersten Untersuchungen brachten keine Erkenntnisse. Im April folgte die zweite Operation: Knorpelschaden. „Da ging alles von vorne los“, sagt Gooßen. Alles sei wieder auf Null gesetzt worden. „Das war nicht einfach für den Kopf“, sagt er.

Das Schlimmeste war aber, dass er weiter Schmerzen hatte. Zwischendurch war da auch Resignation. Das Knacken im Knie bei leichten Belastungen verunsicherte, wie er sagt. Fußball war in dieser Zeit weit weg. „Das ist ein schönes Hobby, aber im Alltag schmerzfrei zu sein, ist am wichtigsten“, sagt Gooßen.

Weil die herkömmlichen Untersuchungen keine Ursachen für die Schmerzen erkennen ließen, erfolgte im Oktober ein leichter Eingriff. Dabei wurden Vernarbungen des Gewebes festgestellt und entfernt. Der Arzt sei guter Dinge, sagt Gooßen. Er selbst hat derzeit „ein gutes Gefühl“.

Der Kämpfer auf dem Platz ist nachdenklich

Nach seiner abermaligen Krankengymnastik ist er seit zwei Wochen wieder leicht am Laufen, im lockeren Tempo sechs Kilometer, und macht leichtes Krafttraining. Bisher ohne Schmerzen. „Nach jeder Operation ist es schwerer, wieder zurückzukommen“, sagt Gooßen. Er habe kein großes Tempo, am schwierigsten sei es die alte Kraft wieder aufzubauen. Vom Fußball sei er noch sehr weit entfernt, sagt er.

„Ich habe die Hoffnung, wieder spielen zu können“, sagt Jasper Gooßen. Aber nach fast zwei Jahren lasse er sich jetzt alle Zeit, die er brauche. Er ist auch nachdenklich. Er weiß, dass er bei einem möglichen Comeback völlig frei sein muss im Kopf. Wenn er nicht 100-prozentig durchzieht, ist die Verletzungsgefahr groß. „Ich weiß noch nicht, wie das aussieht, wenn es soweit ist.“ Er, der Kämpfer auf dem Platz, wird geduldig in sich hineinhören. Priorität hat, schmerzfrei zu bleiben – im Alltag, beim Treppensteigen.

Ab Montag mit Trainingsplan

Die Fußballer des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel starten am Montag nach einer dreiwöchigen Pause wieder in das angeleitete Training. Dann bekommen die Spieler speziell ausgearbeitete Tageseinheiten vorgegeben, zudem wird sich die Mannschaft wieder bei zwei Online-Einheiten sehen und gemeinsam trainieren. Als der Lockdown kam, trainierten die Drochterser im November sechs Mal individuell pro Woche und im Dezember noch fünf Mal in der Woche. Ab dem 20. Dezember schickte Trainer Lars Jagemann seine Mannschaft in die Feiertagsferien. Fithalten sollten sie sich dennoch.

Ab Montag wird das individuelle Training wieder angezogen. „Es ist aber sehr unbefriedigend“, sagt Jagemann, „die Jungs sind keine Workouter sondern Fußballer und wir wissen nicht, worauf wir hintrainieren.“ Anfangs seien die gemeinsamen Online-Einheiten „noch ganz witzig gewesen“. Man habe Neuland betreten und das Wir-Gefühl sei am Leben gehalten worden. „Aber die Zeit spielt gegen einen“, sagt Jagemann, die Fußballer wollen den Ball haben und den Spielrhythmus fühlen. Trotz großer Abwechslung könne Individualtraining keinen Mannschaftssportler lange befriedigen. Eine positive Seite kann der Coronapause abgerungen werden: Verletzte Spieler können sich regenerieren und stünden bereit, wenn es denn mal wieder losginge.

Quelle: Stader Tageblatt