D/A-Verteidiger Nikola Serra kickt mit seiner Bulldogge

DROCHTERSEN. Sobald die Corona-Entwicklungen es wieder zuließen, Fußball zu spielen, wären die Regionalligisten wohl schnellstmöglich wieder im Spielbetrieb. D/A-Verteidiger Nikola Serra hielte einen verfrühten Re-Start für „unverantwortlich“.

Mannschaften wie die SV Drochtersen/Assel könnten aufgrund der Trainingsmöglichkeiten im Nachteil sein. Die Regionalliga Nord steckt in einem Zwiespalt. Die zweiten Mannschaften der Bundesligisten werden zum Profisport gezählt und dürfen entsprechend trainieren. Der Norddeutsche Fußballverband forderte daher die zuständigen Ministerien der Bundesländer auf, eine einheitliche Lösung zu gewährleisten. In Bremen darf der FC Oberneuland wie die Zweite von Werder Bremen trainieren.

In Hamburg wurde dies untersagt. Altona 93 oder Teutonia 05 Ottensen dürfen nicht, der HSV II oder St. Pauli II schon. „In Niedersachsen und Schleswig-Holstein warten wir weiter auf eine Entscheidung“, sagt D/A-Präsident Rigo Gooßen. Die Saison in der höchsten Amateurklasse soll natürlich möglichst durchgespielt werden, ein schneller Re-Start ist da die Hoffnung. Einer Mannschaft wie D/A bliebe da eine maximale Vorbereitungszeit von zwei Wochen.

Spieler bekommen wöchentliche Pläne

Umso wichtiger sind die nötige Eigenmotivation und das individuelle Training. Die fußballspezifische Ausdauer, Kraft und Spritzigkeit gehen dennoch „komplett verloren“, sagt Nikola Serra. Der 25-jährige Innenverteidiger schiebt auch während einer normalen Saison individuelle Trainingseinheiten ein. „Vor Corona habe ich regelmäßig mit meinem Personal Coach Arthur Becker trainiert“, sagt Serra. Jetzt bekommt er von ihm Trainingseinheiten, die dann ausgewertet sind. Zudem ist das Pensum nicht mehr so hoch.

Vom Trainerteam der SV Drochtersen/Assel werden die Spieler mit wöchentlichen Plänen ausgestattet, nur am Sonntag ist frei. An den anderen Tagen wechseln sich Kraft-Ausdauer-Einheiten mit Laufeinheiten ab. Intervall-Lauftraining wird eingebaut. Wer will, darf auch gern aufs Rad steigen, statt „auszulaufen“. Montags und freitags sieht sich die Mannschaft bei Zoomkonferenzen, dann werden gemeinsame Workouts gemacht. „Die sind anstrengend und intensiv“, sagt Nikola Serra. Das Training mit Ball kann so aber nicht ersetzt werden, wie er betont.

Zeit für andere Dinge

„Ich mache wenig mit Ball, das bleibt auf der Strecke“, sagt Nikola Serra. Klar, er schießt mal gegen die Garage oder hält den Ball hoch. Oder er spielt mit seinem Hund am Elbdeich. „Der freut sich, wenn ich ihm Bälle zuschieße.“ Serra hat eine französische Bulldogge. „Das Sportmodell“, sagt er bezüglich der kleinwüchsigen, verspielten Art und lacht.

Nikola Serra hebt das Positive im Lockdown hervor. Er habe jetzt mehr Zeit das Haus in Drochtersen mit seiner Freundin zu renovieren. Nach der Arbeit muss er sich nicht zum Training hetzen, kann die individuellen Einheiten entspannter angehen. „Man hat Zeit für andere Dinge“, sagt er und ergänzt sogleich: „Ohne Fußball ist es trotzdem blöd.“ Echt schade sei, dass er seit der Saisonunterbrechung keinen Mitspieler mehr gesehen hat. Zumal die Mannschaft gerade das Gefühl hatte, wieder „voll drin“ zu sein. „Wir waren wieder am Rollen.“

Serra sieht verfrühten Re-Start kritisch

Doch so sehr er den Fußball vermisst. Nikola Serra würde aufgrund der aktuellen Corona-Lage einen verfrühten Re-Start in die Saison kritisch gegenüber stehen. „Ich sehe den Zeitpunkt noch nicht, wann es weitergehen soll“, sagt er. Er glaube nicht, dass in den kalten Erkältungsmonaten Januar und Februar die Corona-Entwicklung derart positiv verlaufe. Die Regionalliga Nord betrachtet Nikola Serra nicht als höher gestellt als beispielsweise die Landesliga. „Wie sollten wir unseren Arbeitskollegen, die sich an die Kontaktsperren halten, erklären, dass wir uns wieder jeden Tag beim Training sehen“, fragt er rhetorisch.

Dass zum Beispiel die Regionalliga West weiter im Spielbetrieb ist, hält er für unverantwortlich. Vor dieser Saison ist Nikola Serra nach zwei Jahren beim SV Rödinghausen aus der Regionalliga West wieder zurück nach Drochtersen zu D/A gekommen. Er hat noch viele Kontakte in die Liga und zu Ex-Kollegen. „Die finden das nicht gut, dass sie noch spielen“, sagt Nikola Serra. Es fallen immer wieder Spiele aus wegen Corona. „Und keiner will sich anstecken“, sagt Nikola Serra.

Sein Bruder Janni Serra spielt bei Zweitligist Holstein Kiel. Die Profis sollen Kontakte meiden, es gibt dafür auch Bußgelder, zudem werden sie regelmäßig getestet. „Ein Luxusproblem“, sagt Nikola Serra.

Quelle: Stader Tageblatt