Siefkes ebnet D/A den Weg ins Halbfinale

DROCHTERSEN. Die SV Drochtersen/Assel hat das Halbfinale im Niedersachsenpokal erreicht. Am Mittwochabend setzte sich D/A gegen den TSV Havelse mit 5:3 (1:1) nach Elfmeterschießen durch. Zum Helden wurde einer, der am Ende völlig erschöpft war. Um 20.58 Uhr verwandelt Florian Nagel den entscheidenden Elfmeter. Seine Mitspieler stürmen an der Mittellinie los und peilen nicht etwa den erfolgreichen Schützen an, nein, sie feiern Torhüter Patrick Siefkes. Siefkes hat die ersten beiden Havelser Elfmeter pariert und so die Grundlage für Drochtersens Halbfinaleinzug gelegt. „Ganz ehrlich, ich bin kaputt“, sagt Siefkes. „Das war anstrengend, mental und körperlich.“ Der erschöpfte Keeper steht wenige Minuten nach dem Spiel vor der Kabine, hat die Kapuze seiner Trainingsjacke ins Gesicht gezogen. „Es war ein interessantes Spiel, sehr kampfbetont, nicht immer schön für die Zuschauer“, sagt er. Und nervenaufreibend für ihn. D/A habe einige brenzlige Situationen überstehen müssen. Fünf Minuten vor dem Ende dann war auch Siefkes geschlagen. Ausgleich.

Siefkes erstmalig beim Elfmeterschießen im Tor

Es kam zum Elfmeterschießen. Eine Situation, die die pokalerprobten Drochterser kennen. Aber noch nie – in fünf Jahren bei D/A – stand Siefkes bei einem Elfmeterschießen im Tor. „Ich habe versucht, mich relativ schnell auf eine Ecke festzulegen und dann explosiv abzuspringen“, sagt er. Und es klappte. Der Drochterser Torhüter parierte gegen Deniz Cicek und Niklas Tasky. „Ich war mir sicher: Wenn Patrick im Tor steht, gewinnen wir das Ding“, sagt D/A-Trainer Lars Jagemann. Siefkes stellte in dieser Saison schon mehrfach seine Qualität als Elferkiller unter Beweis. D/A-Präsident Rigo Gooßen klopfte Siefkes auf den Rücken und jubelte: „Mein Held!“ Die Kehdinger sind durch den Sieg noch zwei Siege von einer erneuten Teilnahme am DFB-Pokal entfernt. Wer den Landespokal-Wettbewerb der Dritt- und Viertligisten gewinnt, ist dabei. Gooßen hat seine Fußballer vor dem Spiel entsprechend heiß gemacht, ihnen verdeutlicht, worum es geht und auf die Banner über dem Eingang zum Spielertunnel im Kehdinger Stadion hingewiesen. Da nämlich sind die bisherigen Gegner Drochtersens im DFB-Pokal abgebildet: Borussia Mönchengladbach, Bayern München, Schalke 04. Zweikampf vor der neuen LED-Wand.

0:0 zur Pause

Im Viertelfinale gegen den TSV Havelse war es dann auch die SV D/A, die zunächst das Spiel kontrollierte und sich mit langen Bällen dem Havelser Tor annäherte. Marcel Andrijanic (4.) und Alexander Neumann (19.) hatten erste Chancen. „Das hat mir gut gefallen, wie wir ins Spiel gekommen sind und Havelse zu Fehlern gezwungen haben“, sagt Trainer Jagemann. Nach 25 Minuten dann musste er wechseln. Finn Zeugner war im Rasen hängen geblieben und nach einem Schubser umgeknickt. Der Verteidiger musste wegen eines „instabilen Knies“ (Gooßen) vom Platz getragen werden. Eine MRT-Untersuchung am Donnerstag soll Aufschluss über die Verletzung geben. Nach gut einer halben Stunde machte der TSV Havelse etwas mehr Druck, D/A aber konnte die Angriffsbemühungen weitestgehend ohne Probleme abwehren. Selber tat sich D/A in dieser Phase schwer auf dem Weg nach vorne. „Ihr müsst mehr tun, D/A, das ist zu wenig“, brüllte Gooßen. Das Spiel verflachte, 0:0 zur Pause. Danach war Siefkes gefordert, er parierte einen Schuss im Nachfassen (50.). Havelse schnürte D/A vor dem Strafraum ein. „Es lässt sich nicht verhindern, dass eine Mannschaft, die die Südstaffel der Regionalliga Nord anführt, auch mal ins Spiel findet“, sagt Jagemann.

Plume trifft zum Ausgleich

D/A schaffte es, sich zu befreien. Erst verpasste Andrijanic eine scharfe Hereingabe vor dem Havelser Tor (57.), zehn Minuten später führte Oliver Ioannou einen Freistoß schnell und gefühlvoll aus und fand Neumann, der den Ball direkt abnahm und zur Führung traf. „Tooor“ flimmerte über die LED-Wand am Spielfeldrand, eine sechs mal vier Meter große Anzeigetafel, die an einem Stapler befestigt wurde und erstmals im Kehdinger Stadion zum Einsatz kam. Die Zuschauer konnten so Live-Bilder des Spiels, Auswechslungen und Wiederholungen sehen. Ein Testlauf. Danach „bettelte“ (Jagemann) D/A um ein Gegentor. Zunächst überstand seine Mannschaft auch eine Reihe von Chancen, in der 84. Minute aber stieg Noah Plume nach einer Flanke am höchsten und nickte zum Ausgleich ein.

Keine Spiele für D/A im November?

Insgesamt verfolgten 493 Zuschauer die Partie im Kehdinger Stadion. Bauchschmerzen habe Präsident Gooßen angesichts der kurz vor dem Spiel verkündeten Corona-Beschlüsse für den November nicht gehabt. „Bei allem Respekt, wir geben uns sehr viel Mühe, die Regeln einzuhalten“, sagt Gooßen. Wie es für D/A im Spielbetrieb weitergeht, ist noch nicht klar. Gooßen geht davon aus, dass das Regionalliga-Spiel am Sonntag bei Altona 93 noch stattfindet. Und dann sei die Frage, wie der Regionalliga-Fußball eingestuft werde: als Profi- oder Amateursport. „Ich denke, dass es auf Amateursport hinausläuft“, sagt Gooßen. Das hieße, D/A würde im November erstmal keine Spiele bestreiten.

Die Statistik zum Spiel

  • Tore: 1:0 (67.) Neumann, 1:1 (84.) Plume
  • Elfmeterschießen: Andrijanic (D/A, Quindt pariert), Cicek (TSV, Siefkes pariert), 2:1 Neumann, Tasky (Siefkes pariert), 3:1 Wulff, 3:2 Jaeschke, 4:2 Serra, 4:3 Damer, 5:3 Nagel
  • SV D/A: Siefkes, Serra, Andrijanic, Erdogan (46. Wulff), Behrmann, Neumann, Dias (74. Nagel), Ioannou (84. Khodabakhshian), El Saleh, Geißen, Zeugner (25. Owusu)
  • TSV Havelse: Quindt, Sonnenberg, Meien (82. Lakenmacher), Langfeld (77. Meier), Jaeschke, Teichgräber, Damer, Foelster (66. Cicek), Kina (66. Bremer), Plume, Tasky
  • Schiedsrichter: Potiyenko (Hatten) – Assistenten: Weinkauf und Bender
  • Zuschauer: 493
  • Nächstes Spiel: Altona 93 – SV D/A (So., 1. November, 14 Uhr)
Quelle: Stader Tageblatt