D/A-Torwart muss „immensen Bewegungsdrang“ stillen

DROCHTERSEN. Fast sechs Wochen ist es her, dass Patrick Siefkes unter Wettkampfbedingungen einen Ball halten musste. Der Torwart des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel leidet unter Entzugserscheinungen. „Es reicht jetzt“, sagt der 30-Jährige.

Auch das individuelle Training, das die D/A-Spieler seit Wochen absolvieren, simuliert nicht einmal im Entferntesten das Torwartspiel.

„Bälle fangen geht schlecht allein“, sagt Siefkes. Wenn er im Stader Stadtgebiet gegen Hauswände bolzen würde, um den Abpraller aufzufangen, würden sich Anwohner wahrscheinlich bedanken. Siefkes´ Möglichkeiten sind arg begrenzt. Er hatte gehofft, dass Fußballer wenigstens in Kleingruppen trainieren dürfen. Das macht er im Alltag mit der Nummer zwei von D/A, Julian Quack, und Torwarttrainer Hinnerk Tiedemann schließlich auch. Aber Verbot ist Verbot.

Also geht Patrick Siefkes, der mit seiner Frau in Stade-Ottenbeck lebt, laufen. Am Stadtrand liegt ein kleines Waldstück, da sind ein paar Feldwege in Richtung Hagen. Steine am Wegesrand nutzt Siefkes als Trainingsutensilien. Er trainiert mit ihnen als Hindernissen die Sprungkraft, die Schnellkraft, die Explosivität so gut es eben geht. „Der Bewegungsdrang ist immens“, sagt Siefkes. Im eigenen Wohnzimmer stählt Siefkes seine Muskeln und Bänder.

„Ich hoffe, dass die Saison nicht ganz abgebrochen wird“

Der D/A-Torwart hat noch Glück. Acht Stunden arbeitet er täglich bei einer Stader Firma, bevor er sich am späten Nachmittag daheim die Zeit vertreibt. „Es ist schon ungewöhnlich, so viel Freizeit zu haben“, sagt Siefkes. Von vier Trainingseinheiten pro Woche plötzlich auf null. Bis zum vorzeitigen Ende des Spielbetriebs stand Siefkes in 25 Partien auf dem Platz. In 23 Ligaspielen kassierte er 30 Gegentore, je einmal stand er im DFB-Pokal und im Landespokal zwischen den Pfosten. Seit dem Jahr 2015 läuft er für die SV Drochtersen/Assel auf.

„Ich hoffe, dass die Saison nicht ganz abgebrochen wird“, sagt Siefkes. Stand heute ruht der Spielbetrieb vorerst bis zum 19. April. Was dann geschieht, ist offen. Er und seine Kollegen von D/A warten jeden Tag auf eine Entscheidung. Mit Geisterspielen kann sich Siefkes nicht anfreunden. „Das hätte ja dann eher Testspielcharakter“, sagt er. Der Torwart vermisst seine Jungs. Das Kabinenleben. Den Blödsinn in der Umkleide, beim Training, und natürlich den Ball.

Quelle: Stader Tageblatt