Umdenken in der Fußballpause: Lars Uder bleibt D/A-Trainer

DROCHTERSEN. Lars Uder bleibt auch in der nächsten Fußballsaison Trainer des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Diese überraschende Personalie verkündete D/A-Präsident Rigo Gooßen am Dienstagvormittag. Uder bekommt dabei nun mehr Unterstützung.

Die lange fußballlose Zeit habe dazu geführt, Lars Uder zum Umdenken zu bewegen, erklärt Gooßen. Außerdem führten, so der Vereinschef, ungewöhnliche Zeiten, auf den ersten Blick, zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Neben dem Sportplatz wird der Coach künftig in Sachen Kaderplanung und bei Gesprächen mit Spielerberatern Unterstützung von Kapitän Sören Behrmann erhalten. Co-Trainer Markus Zimmermann wird noch mehr in die Trainingsarbeit eingebunden. Spieler Oliver Ioannou soll den Trainer bei der Videoanalyse unterstützen.

„Auf die Regionalligavereine werden keine leichten Zeiten zukommen und deshalb bin ich einmal mehr froh, dass es doch noch gelungen ist im Trainerbereich Kontinuität zu wahren. Wir können momentan noch gar nicht absehen, wie es im Fußball weitergeht und da wäre es für jeden fremden Trainer enorm schwer geworden, die neue Saison zu planen“, sagt Rigo Gooßen.

Er sei sicher, dass D/A auch im Vergleich zu anderen Regionalligavereinen gut aufgestellt ist, personell auf Kontinuität setze und so die Krise meistern werde.

Glücklicher Trainer

„Ich bin sehr glücklich mit dieser Entscheidung“, sagt der alte und neue D/A-Trainer Lars Uder. Solche Reanimierungsaktionen sind nicht wirklich üblich in der Szene. Uder hatte sich schließlich entschieden – gegen den ambitionierten Fußball und für mehr Zeit für die Familie und seinen Beruf als Lehrer. Die geplanten Umstrukturierungen in der Führungsetage der Mannschaft geben dem 38-Jährigen jetzt aber auch viel mehr Luft zum Atmen. Außerdem sind die Umstände besonders. Corona hält die Welt in Schach. Auch die Fußballwelt. „Es wäre enttäuschend gewesen, so aufzuhören“, sagt Uder. Ein Ende bei D/A mit neun noch ausstehenden Spielen, teilweise gegen die Hochkaräter der Liga, wäre doch zu abrupt gekommen.

Vier Trainingseinheiten pro Woche, am Wochenende die Spiele, die meiste Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Spiele daheim am Schreibtisch: So verbrachte Uder seine Zeit für D/A. Kapitän Sören Behrmann nimmt ihm jetzt viele Personalgespräche ab. Oliver Ioannou bereitet ihm mundgerechte Häppchen für die taktische Aufstellung vor. Co-Trainer Markus Zimmermann übernimmt die ein oder andere Trainingseinheit mehr. Lars Uder kann sich also mehr auf seinen eigentlichen Arbeitsplatz fokussieren. Er wird in Otterndorf in Vollzeit an der Schule arbeiten. „Mein Handy stand heute nicht still. Viele habe mir dazu gratuliert, weil ich bei D/A bleibe“, sagt Uder.

Der engagierte Kapitän

Sören Behrmann

„Persönlich finde ich es sehr gut, dass Lars Uder bleibt. Er kennt uns. Ein neuer Trainer hätte sich in dieser schwierigen Phase erst eingewöhnen müssen“, sagt Sören Behrmann. Diese Personalie sei gut für die Kontinuität. Wichtig ist, dass der Verein die Arbeit auf mehrere Schultern verteile. Behrmann hatte in den vergangenen Monaten bereits einiges an personeller Vorarbeit geleistet. Am Transfer von Martin Sattler von der SV Ahlerstedt/Ottendorf nach Drochtersen war er maßgeblich beteiligt. Behrmann sagt, dass die Schlüsselspieler bei D/A Verträge über die Saison hinaus besäßen.

Der 30-Jährige bereitet sich auf eine Zeit nach der aktiven Karriere bei D/A vor. Er legte seine Trainer-B-Lizenz ab und greift im kommenden Jahr die nächste Stufe an. „Es macht mir Spaß, im Hintergrund zu arbeiten“, sagt Behrmann. Ein paar Jahre wolle er aber schon noch spielen. „Ich habe aber auch kein Problem damit, mich auf die Bank zu setzen, wenn ein Besserer kommt“, sagt Behrmann. Der Innenverteidiger stabilisierte in den vergangenen Monaten mit seiner Erfahrung allerdings die Abwehr. D/A steht hinten sicherer, wenn der Leitwolf dabei ist.

Der Taktikfuchs

Oliver Ioannou

Trainer Lars Uder muss jetzt nicht mehr bis spät in die Nacht vor dem Computer sitzen und Informationen über den nächsten Gegner sammeln. Oliver Ioannou wird dem Coach eine Menge Arbeit abnehmen. In welcher Formation spielt der Gegner? Wo ist er schlecht, wo gut aufgestellt? Wie agierte D/A in der letzten Partie? Oliver Ioannou filtert die Informationen und reicht sie Lars Uder später in kleinen Häppchen. Ioannou gilt ohnehin als der Taktikfuchs auf dem Feld. Bereits unter Uders Vorgänger Enrico Maaßen genoss der 31-Jährige einen tiefen Einblick in die Wissenschaft Fußball. Uder fragt ihn heute gern und oft nach seiner Meinung. „Ich freue mich, dass er mir solch eine wichtige Aufgabe überlässt“, sagt der Mittelfeldspieler, der am liebsten noch zwei bis drei Jahre selbst aktiv auf dem Platz stehen würde.

Der Co-Trainer

Markus Zimmermann

Die Spielvereinigung SV Drochtersen/Assel werde Markus Zimmermann noch stärker als bisher in die Trainingsarbeit einbinden, wenn es in der Schule für Lars Uder einmal zeitlich eng werden sollte, erklärt Rigo Gooßen. Zimmermann gilt als ruhige und besonnene Konstante bei den Drochtersern. „Ich vertraue Markus. Er hat richtig Lust“, sagt Uder. Seit 2014, nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn unterstützt Zimmermann die jeweiligen Cheftrainer an der Seitenauslinie. Unter Enrico Maaßen war Zimmermann bei 145 Spielen dabei, unter Uder bringt es der 36-Jährige auf 65 Partien.

Kaderplanung rückt in der Krise in den Hintergrund

Die Kaderplanung des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel für die Saison 2020/21 gestaltet sich schwierig. Vereinspräsident Rigo Gooßen hätte da eigentlich noch einige Spieler auf dem Zettel, deren Verträge in diesem Sommer auslaufen. In Zeiten der Corona-Pandemie befasst sich Gooßen mit den Personalien allerdings nur bedingt. Zu unklar ist die Zukunft.

„Mit Vertragsverhandlungen habe ich mich noch nicht befasst“, sagt Gooßen. Personalplanung werde für jeden Verein zum Problem. Zu diesem Zeitpunkt wisse schließlich niemand, ob und wie die Fußballsaison weitergeht. Der 19. April gilt als neuralgisches Datum. Bis dahin hat der Norddeutsche Fußballverband den Spielbetrieb ausgesetzt. Der D/A-Präsident denkt sogar laut darüber nach, in zukünftige Verträge einen Passus aufzunehmen, der die Zusammenarbeit zwischen Verein und Spieler in Krisenzeiten wie den aktuellen regelt.

Grundsätzlich, sagt Gooßen, wolle D/A die Verträge mit den Spielern verlängern, die derzeit im Kader des Regionalligisten stehen. Bislang steht lediglich fest, dass Marco Schuhmann in der kommenden Saison nicht mehr für D/A spielen wird. Dass die Kehdinger den aktuellen Kader groß verändern werden, davon ist nicht auszugehen. D/A setze auf Kontinuität, sagt Gooßen. Der vergangene Sommer, als der Regionalligist fast ein Dutzend neue Spieler verpflichtet hatte, sei eine Ausnahme gewesen und der Verletzungsmisere geschuldet.

Neuzugänge kaum ein Thema

Neuzugänge seien bei D/A derzeit kaum ein Thema, erklärt der Präsident. Gooßen: „Kein einziger Verein hat derzeit den Kopf frei, um über neue Spieler nachzudenken.“ Normalerweise beginnt in diesen Tagen die Bekanntgabe der Transfers. D/A sicherte sich bislang lediglich die Dienste des Offensivspielers Martin Sattler von der SV Ahlerstedt/Ottendorf (das TAGEBLATT berichtete). Sattler gehört aber in die Kategorie Perspektivspieler und muss erst noch zur Verstärkung werden.

Was Gooßen während der Corona-Krise viel mehr beschäftigt, ist die Wirtschaftskraft der Sponsoren. Weit mehr als die Hälfte des Drochterser Etats sichern die Geldgeber, meist kleine und mittelständische Unternehmen. Da kommt es dem Kehdinger Verein zugute, dass die vergangenen vier Jahre sportlich und finanziell sehr erfolgreiche waren. Drei DFB-Pokalspiele haben Geld in die Kassen gespült. „Wir haben Speck angesammelt“, sagt Gooßen. Dieses Geld wollte der Verein vornehmlich in die Infrastruktur investieren. „Ich habe kein Zweifel daran, dass wir die Krise überstehen, wenn sie nicht gerade zwei Jahre dauert“, sagt Gooßen. Vielleicht denken, so der Präsident, einige Vereine und die Gesellschaft in diesen Krisenzeiten auch über die „wahnsinnigen Gehälter“ nach, die Fußballern vielerorts gezahlt werden. Selbst in einigen Staffeln der Regionalliga seien hohe Summen schon angekommen.

Keine Spekulationen über Zukunft des Amateurfußballs

Gooßen will nicht spekulieren, wie die Zukunft des Amateurfußballs aussieht. Nicht spekulieren über die verschiedensten Szenarien, die sich auftun. Von englischen Wochen, um die irgendwann fortgesetzte Saison im Sommer zu Ende zu bekommen, bis hin zum möglichen Abbruch. Der Fußball sei schließlich abhängig von den Entscheidungen der Behörden und der Regierung. „Na klar wollen wir Fußball spielen“, sagt Gooßen.

Das wollten eigentlich auch die beiden Ex-Profis im Drochterser Kader, Ashton Götz und Dren Feka. Götz, der im vergangenen Sommer kam und Feka, der im Winter zu D/A stieß, hatten das Ziel, den Drochterser Verein als Sprungbrett zu nutzen, um wieder Fuß zu fassen im richtig bezahlten Fußball. Nur verhindert die Corona-Krise derzeit, dass sich beide Spieler den Scouts anderer Vereine zeigen können. Götz ist derzeit noch verletzt, zwar auf dem Weg der Besserung, aber er scheint Realist geworden zu sein, was seine Zukunft als Profifußballer angeht. Der 26-Jährige sagt: „Ich bin längst auf Plan B umgestiegen.“ Götz investiert derzeit viel Zeit in eine Ausbildung im sozialen Bereich.

„Ich gebe den Fußball dahingehend auf“, sagt Götz in Bezug auf eine Fortsetzung einer Profilaufbahn. Das sei gar nicht so leicht für Kopf und Herz. „Aber ich behaupte, dass ich gut mit der Entscheidung umgehen kann.“ Dennoch würde er sich freuen, wenn die SV D/A ihm für die kommende Saison ein Angebot unterbreiten würde.

Und Feka? Der ist gerade erst 22 Jahre alt. Drei Spiele hätte Feka nach seinem Wechsel nach Kehdingen theoretisch bestreiten können. Nur in einem der drei Partien, bei der 0:3-Niederlage gegen den FC St. Pauli II Anfang März, gewährte ihm Trainer Lars Uder eine Einsatzzeit von 45 Minuten. „Ich bin mir sicher, dass Dren sich zeigen will“, sagt Uder. Die Vertragsverhandlungen mit dem Ex-Profi werden wohl erst in den nächsten Wochen aufgenommen.

Quelle: Stader Tageblatt