D/A-Kicker trainieren im Gästezimmer

DROCHTERSEN. Die Fußballer trainieren zu Hause im Gästezimmer. Der Präsident sorgt sich um die mittelständischen Unternehmen, die den Verein finanziell unterstützen. So geht der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel mit der Corona-Krise um.

Der Norddeutsche Fußballverband hat die Spieltage in der Regionalliga am vergangenen Montag bis zum 19. April ausgesetzt. Andere Verbände entschieden da schneller. Entsprechend war D/A-Trainer Lars Uder auch nicht überrascht von der Ansage. Individuelle Trainingspläne für seine Mannschaft hatte der Coach zu diesem Zeitpunkt längst in der Schublade. „Wir sind ja sowieso ein semiprofessioneller Verein und auf die Eigeninitiative der Spieler angewiesen“, sagt Uder. Zu normalen Zeiten, wenn D/A drei- bis viermal pro Woche ein Mannschaftstraining bestreitet, beschäftigten sich die Kicker nebenher auch individuell.

Mannschaftskapitän Sören Behrmann will am heutigen Donnerstag in Stade trainieren. Er lebt in einer Wohnung an der Thuner Straße und läuft dann raus aus der Stadt in Richtung Hagen. Sprintet trifft es eher. Denn für Donnerstag hat der Trainer hoch intensives Intervalltraining angesagt. Vier Minuten laufen, vier Minuten regenerieren. Das Ganze viermal. Quasi unter Vollgas, unter einer Herzfrequenzbelastung von 90 bis 95 Prozent. Am Mittwoch trainierte Behrmann Sprünge und Explosivität in einem kleinen Garten hinterm Haus.

Täglich eine Stunde Training

Freitag stehen Kraft und Prävention auf dem Trainingsplan. In seinem Gästezimmer hat Behrmann ein kleines Fitnessstudio eingerichtet. Jeden Tag trainieren die D/A-Fußballer auf diese Weise gut eine Stunde lang. Die meisten machen ein wenig mehr. „Natürlich würde ich lieber ganz normal mit der Mannschaft im Stadion trainieren“, sagt Behrmann. Aber das ist untersagt. Die Trainingspläne hatte Lars Uder mit D/A-Physiotherapeutin Katja Sievers und Mittelfeldspieler Oliver Ioannou abgestimmt. „Die Einheiten sind intensiv und verdammt anstrengend“, sagt Uder. Die Fußballer benötigen nicht viele Utensilien. Vieles geht im Wohnzimmer oder auf dem Waldweg.

Uder steht zwar in ständigem Telefonkontakt mit seiner Mannschaft. Ob die Spieler das Trainingspensum einhalten, kontrolliert er aber nicht. „Die Jungs waren auch nach früheren längeren Pausen immer fitter, als erwartet“, sagt er. Die Eigenmotivation stimme. Außerdem will D/A die beste Amateur-Fußballmannschaft Niedersachsens bleiben. Als Vierter der nun gefährdeten Saison stehen mit Lübeck und Flensburg zwei Vertreter aus Schleswig-Holstein vor den Kehdingern. Der VfL Wolfsburg II, aktuell Tabellenzweiter, hat in der Rechnung einen Sonderstatus und agiert unter Profibedingungen.

Wirtschaftlicher Schaden ist nicht absehbar

Der Trainer und D/A lassen die Zukunft auf sich zukommen. Beeinflussen können sie sie nicht. Aber selbst wenn der Norddeutsche Fußballverband, der für die Regionalliga Nord zuständig ist, das Verbot am 19. April wieder aufhebt, sind sofortige Ligaspiele eigentlich utopisch. Uder rechnet vor, dass die Mannschaften mindestens eineinhalb Wochen vorher wieder auf dem Platz stehen müssten, um Balltrainings zu machen und Abläufe einzustudieren. Die Sportplätze sind zu diesem Zeitpunkt aber auf jeden Fall noch gesperrt. Mit Spannung werden die Aufstiegsaspiranten wie Lübeck und Wolfsburg und die Abstiegskandidaten die Entwicklungen verfolgen. Wird die Saison abgebrochen, bleibt die Liga in der nächsten Saison vielleicht wie sie ist. Aber das ist reine Spekulation.

Der wirtschaftliche Schaden ist für einen Club wie D/A mit einer recht kostenintensiven ersten Mannschaft in der vierthöchsten deutschen Spielklasse derzeit noch nicht absehbar. Nicht die wegfallenden Heimspieleinnahmen bereiten Vereinspräsident Rigo Gooßen Sorgen. Das Geld, das die Zuschauer pro Saison mit dem Kauf von Dauerkarten und Tagestickets in die Kassen spülen, ist bei 50.000 bis 60.000 Euro vergleichsweise überschaubar.

Bei einer Komplettabsage der Saison und bei noch vier ausstehenden Spielen vor eigenem Publikum gingen dem Verein geschätzt 14.000 Euro durch die Lappen. Gooßen sorgt sich vielmehr um die vielen mittelständischen Unternehmen, die den Verein als Sponsoren unterstützen. Die finanzielle Unterstützung der Sponsoren sei ein wesentlicher Aspekt, um den Sportbetrieb aufrechterhalten zu können, sagt der Präsident.

Quelle: Stader Tageblatt