Daniel Owusu: Jungspund mit Führungsqualitäten

DROCHTERSEN. Mit Daniel Owusu könnte beim Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel eine neue Führungskraft heranwachsen. Der 19-Jährige hat dafür alle Anlagen. Das sagt auch einer seiner Mentoren.

D/A-Kapitän Sören Behrmann (29) beschreibt seinen Kollegen als „Defensiv-Monster“, als „Mentalitätsspieler“, als einen, an dem niemand vorbeikomme, und einen, bei dem die Stürmer im Zweikampf den Spaß verlieren. D/A hatte sich im vergangenen September aufgrund vieler verletzter Spieler die Dienste des damals vereinslosen Daniel Owusu gesichert und seitdem seine wahre Freude an ihm.

Owusu spielte in der Jugend des FC St. Pauli und beim HSV. Für die deutsche U17- und die U18-Nationalmannschaft bestritt er insgesamt vier Spiele. Beim HSV, bei St. Pauli und in der Hamburger Auswahl trug Owusu die Kapitänsbinde. „Ich will auf dem Feld die Rolle des Motivators übernehmen“, sagt Owusu. Er wolle die Verantwortung und damit auch die Last. Er wolle Führungsspieler sein, anderen Selbstvertrauen geben, viel reden auf dem Platz, „so sehr pushen, damit die anderen Bock haben, den Sprint zu übernehmen und gleichzeitig wissen, dass ich da bin, um Fehler auszubügeln“. Führungsqualitäten seien keine Frage des Alters, meint Owusu.

Im Berufsleben ist Owusu längst Bezugsperson. Er begleitet Kinder, die zu aggressivem Verhalten neigen oder Konzentrationsprobleme haben in Hamburg zur Schule und betreut sie im Unterricht. Owusu geht darin auf. Außerdem beschere ihm diese Arbeit einen strukturierten Tag. Wenn es mit dem bezahlten Fußball nichts wird, sieht sich Owusu in der Sozialpädagogik.

Potenzial zum Führungsspieler

Sören Behrmann, bei D/A sozusagen der Inbegriff eines Führungsspielers, bremst den zehn Jahre jüngeren Kollegen ein wenig. Das mit dem Alter sieht er nämlich anders. „Wenn die Erfahrung wächst, wächst du auch in eine Führungsposition hinein“, sagt Behrmann. Owusu sei einer, der das könne. Er, Behrmann, habe sich auch viel abgeschaut von Spielern und ehemaligen D/A-Größen wie Thomas Johrden, Enrico Maaßen oder Jan Koch.

Daniel Owusu stand für D/A bislang in acht Ligaspielen auf dem Platz. Seinen Einstand gab er bei der 0:1-Niederlage gegen den HSC Hannover. Er erlebte mit seiner neuen Mannschaft die sportliche Talfahrt im September und den erfolgreichen Oktober mit sechs Siegen in Serie. Eine Adduktoren-Verletzung bremste den 19-Jährigen kurz vor der Winterpause. Jetzt ist er wieder fit. Als aktueller Tabellenfünfter steigt D/A am 21. Februar vor dem eigenen Publikum gegen den Heider SV wieder in die Saison ein. Zwölf Spiele hat die Mannschaft noch vor sich.

Besonders wurmte Daniel Owusu die 0:1-Niederlage bei seinem Ex-Club HSV. „Ich habe mich tierisch geärgert, weil wir unverdient verloren haben“, sagt er. 90 Minuten spielte er auf der Linksaußenposition durch. „Ich wollte dem HSV zeigen, dass er einen Fehler damit gemacht hat, mich nicht zu übernehmen“, sagt Owusu. Nachdem Owusu aus der U19 herausgewachsen war, gab ihm der HSV keinen Anschlussvertrag. „Wir sind aber ohne Stress auseinandergegangen“, sagt Owusu.

D/A als „Herzensclub“

Mittlerweile sei er glücklich. Owusu nennt D/A seinen „Herzensclub mit höflichen, liebevollen Fans, die einem viel Kraft fürs Spiel geben“. Beim HSV habe er sich schlechte Tage nicht leisten können. Bei D/A werde mit schlechten Tagen besser umgegangen. Allerdings stünde ein Spieler auch in Drochtersen unter Druck. Denn was er beim HSV einst in acht Trainingseinheiten pro Woche lernte, steckt D/A-Trainer Lars Uder in Drochtersen in höchstens vier.

Auf dem Platz ist Owusu einer, der aggressiv in jeden Zweikampf geht und keinen Zusammenprall mit dem Gegenspieler scheut. Dabei bringt der Mann bei 1,80 Meter Körpergröße gerade 73 Kilogramm auf die Waage. Aber Schmerzen gehörten eben dazu.

Quelle: Stader Tageblatt