Ex-HSV-Profi Ashton Götz und der „Zauberdoktor“

DROCHTERSEN. Der Regionalligist SV Drochtersen/Assel galt für den Ex-HSV-Profi Ashton Götz Ende Juli dieses Jahres noch als Sprungbrett für den Weg zurück in den richtig bezahlten Fußball – bis eine Verletzung das Vorhaben stoppte.

Jetzt setzt sich Götz (26) erst einmal ein kleineres Ziel. Einfach mal wieder kicken. Er will im Winter wieder einsteigen. In den ersten sieben Saisonspielen war Ashton Götz auf der rechten Seite im Drochterser Kader gesetzt. In den ersten sechs Begegnungen spielte er 90 Minuten lang durch. Nach knapp einer Halbzeit war gegen St. Pauli II dann Schluss für Götz.

Dieser Tag, an dem D/A die 3:0-Führung gegen die Hamburger noch aus der Hand gab und sich am Ende mit einem 3:3-Unentschieden zufriedengeben musste, gilt im Übrigen als einer der schicksalhaftesten der laufenden Saison. Götz verletzt, Oliver Ioannou verletzt, die jetzt längst überwundene Ergebniskrise der Kehdinger eingeläutet.

An diesem 28. August ging Ashton Götz noch von einer Zerrung aus. Eine alltägliche Verletzung, die, wenn es hochkommt, nach drei bis vier Wochen vergessen ist. Aus den drei bis vier Wochen sind jetzt schon mehr als drei Monate geworden. Diagnose: Schambeinentzündung. Also die Verletzung, über die sich Alt-Profi Mario Basler einst in einer Talkshow so lustig machte. „Die Schmerzen sind da und schränken mich ein“, sagt Ashton Götz. An Laufen sei nicht zu denken. Selbst beim Gehen spüre er die Schmerzen.
Täglich in der Reha

Deshalb bleiben die Stollenschuhe tief unten in der Tasche. Götz trainiert täglich in der Reha. Nur sonntags hat er frei. Physiotherapie, Stabilisationsübungen, Übungen für die Mobilität, Herz und Lunge auf dem Rad bei Laune halten, demnächst vielleicht Crosstrainer. Drei Stunden steht er täglich in der Praxis. Die meisten Heimspiele und einige Auswärtspartien seiner Kollegen verfolgt Götz von der Tribüne aus. „Tribüne ist furchtbar“, sagt Götz.

Der Ex-Profi sammelte in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit Verletzungen. „Ich bleibe gelassen“, sagt Götz. Elf Bundesligaspiele bestritt der Außenverteidiger für den Hamburger SV. Neun Mal war er in der ersten niederländischen Liga für Roda Kerkrade im Einsatz. Mit dem Status eines vereinslosen Spielers, der sich monatelang anderweitig fitgehalten hatte, wechselte er schließlich im Juli nach Drochtersen. Immer wieder warfen ihn Verletzungen aus der Bahn.

Götz sagt selbst, dass er sich „in einem Wechselbad der Gefühle“ befindet. Jeder kleine Fortschritt während der Reha sporne ihn an. Jedes Auf-der-Stelle-Treten werfe ihn zurück. Erst am Montag beendete er eine zweiwöchige Schmerzmittel-Kur. Während dieser Zeit war er fast beschwerdefrei. Jetzt, ohne die Tabletten, kämen die Schmerzen zurück. „Ich fühle mich besser als vor drei Wochen. Aber es ist noch nicht zufriedenstellend“, sagt Götz.
Termin beim „Zauberdoktor“

Götz findet es rührend, wie sich D/A um seine Schwerverletzten kümmert. Kapitän Sören Behrmann will Götz einen Termin bei einer Art Wunderheiler in München besorgen. Der hatte Behrmann bereits von seinen Schmerzen befreit. Fußballprofis sind Stammgäste bei dem „Zauberdoktor“, wie D/A-Präsident Rigo Gooßen ihn nennt. Deshalb muss Götz wohl auch bis Januar warten. Denn demnächst ist Winterpause und die Stars regenerieren. „Die verletzten Spieler erfahren in Drochtersen viel Wertschätzung“, sagt Götz.

Zum Start der Vorbereitung für die verbleibenden zwölf Spiele nach der Winterpause, also Mitte Januar, will Götz wieder auf dem Platz stehen. „Am besten im Vollbesitz meiner Kräfte“, sagt er. Er freue sich auf das Trainingslager in Barcelona Ende Januar. Die Option in seinem Vertrag, die besagt, dass er wechseln kann, wenn Proficlubs nachfragen, zieht er nicht. Bei verletzten Spielern fragen in der Regel sowieso keine Proficlubs nach. „Ich schließe einen Winterwechsel aus“, sagt Ashton Götz über die nahe Zukunft.

Fußballentzug, sein Dasein auf der Tribüne fristen, einsame Reha weit weg von den Kollegen – da könnten Fußballer ihre gute Laune verlieren. Macht Ashton Götz aber nicht. Er überlegt noch einmal, warum Mario Basler die Schambeinentzündung seinerzeit im Fernsehen so verhöhnt haben könnte. Götz: „Die kriegen nur explosive Fußballer.“
D/A gegen den Lüneburger SK Hansa

Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel tritt zum letzten Spiel des Jahres am Sonnabend um 14 Uhr beim Lüneburger SK Hansa an. Das Duell dieser beiden Clubs gilt immer als etwas Besonderes. Zahlreiche Spieler wechselten in den vergangenen Jahren zwischen beiden Vereinen hin und her. Einer der Protagonisten muss sich die Begegnung allerdings von der Tribüne aus ansehen.

Stefan Wolk, der in Lüneburg das Kicken lernte, bei D/A Aufbauarbeit nach dem Regionalligaaufstieg leistete und im Winter 2017 zurück zum LSK ging, ist nach einer Tätlichkeit im Spiel gegen den HSV (0:0) gesperrt. D/A muss auf den Gelb-gesperrten Florian Nagel verzichten. Die Kehdinger belegen derzeit Rang sechs. Der LSK ist Elfter.

Quelle: Stader Tageblatt