Die Leidenszeit von D/A-Spieler Oliver Ioannou

DROCHTERSEN. Der Drochterser Fußballer Oliver Ioannou kämpft sich nach einer schweren Knieverletzung zurück. Wenn Mitte Januar die Vorbereitung nach der Winterpause in der Regionalliga Nord beginnt, möchte Ioannou wieder dabei sein. Es wäre das Ende der Leidenszeit, die im Spiel gegen St. Pauli begann.

D/A führt gegen die zweite Mannschaft des FC St. Pauli am 28. August vor mehr als 1000 Zuschauern im Kehdinger Stadion nach einer Viertelstunde mit 3:0. Da ahnt noch niemand, dass die Spielvereinigung diesen siebten Spieltag im Nachhinein vermutlich am liebsten aus dem Spielplan gestrichen hätte. Denn an diesem 28. August beginnt die Leidenszeit des Oliver Ioannou und eine sportliche Flaute von sechs Pflichtspielen in Serie ohne D/A-Sieg. Die Talfahrt ist längst vorbei. Drochtersen gewann zuletzt vier Partien am Stück. Aber Ioannou arbeitet weiter an seinem Comeback.

Der Mittelfeldspieler bekommt einen Schlag gegen das Knie. Nach 25 Minuten. Aber er will dabei bleiben, wenn D/A den FC St. Pauli aus dem Kehdinger Stadion schießt. Noch vor der Pause muss Trainer Lars Uder Ashton Götz und Nico von der Reith verletzungsbedingt auswechseln. Nach der Halbzeit schießen die Hamburger das 2:3. Ioannou kann jetzt nicht gehen. D/A muss den Vorsprung irgendwie über die Runden bekommen.

Physiotherapie und Rehatraining statt Fußball

Nach einer Stunde verabschiedet sich Alexander Neumann. Verletzungsbedingt. Uder hat sein Wechselkontingent ausgeschöpft. Neumann, sagt Ioannou, habe sich sogar bei ihm entschuldigt: „Tut mir leid. Es geht wirklich nicht mehr.“ So spielt Ioannou durch. 15 bis 20 Mal sei ihm ein Schmerz ins Knie geschossen. Er verteilt nur noch die Bälle. Sprints gehen nicht mehr. St. Pauli erzielt in der Nachspielzeit das 3:3. Ioannou kann nicht mehr laufen. Nach dem Abpfiff stützen ihn die Kollegen, als er den Platz verlässt. Als das Adrenalin aus dem Körper weicht, kommen die Schmerzen mit aller Macht.

Die Bilder aus dem MRT sagen nichts Gutes. Mannschaftsarzt Rik van den Daele diagnostiziert einen Knorpelschaden. Die Dämpfung zwischen den Knochen im Kniegelenk ist einfach abgerissen. Drei Tage später liegt Ioannou in einer Hamburger Spezialklinik auf dem Operationstisch. Seitdem quält sich der Fußballer durch die Physiotherapie und das Rehatraining.

Abstiegskampf? „Dafür haben wir zu viel Qualität im Kader“

Nach dem Pauli-Spiel beginnt die Krise. Oliver Ioannou hat die Erklärung parat. Vier verletzte Leistungsträger, Kapitän Sören Behrmann noch nicht ganz auskuriert, Kreativmann Florian Nagel gerade erst auf dem Weg zu alter Stärke. „Wir haben nur mit jungen Talenten gespielt. Denen hat natürlich die Erfahrung gefehlt“, sagt Ioannou und er stellt die rhetorische Frage: „An wen soll sich ein junger Spieler auf dem Platz wenden, wenn er drei, vier Negativerlebnisse wegstecken muss?“ Mit der Wiederkehr der Etablierten hätten es auch die jungen Spieler einfacher. Jetzt stimme die Mischung wieder. Das Spiel gegen Werder Bremen II sei der finale „Dosenöffner“ gewesen. D/A habe das Spiel mit Härte, Finesse und Kommunikation gewonnen. „Ich habe zwischendurch schon mal nach unten geschaut. Aber ich hatte nie die Angst, wirklich in den Abstiegskampf zu rutschen. Dafür haben wir zu viel Qualität im Kader“, sagt Ioannou. Am 18. Spieltag kletterte D/A auf den sechsten Tabellenplatz.

Die Ziele sind wieder erreichbar. Nach Platz fünf in der Vorsaison könne D/A den nächsten Schritt machen. „Lange oben mitmischen“, sagt Ioannou. Vielleicht mal Vierter oder Dritter werden. „Jetzt sind wir erst mal wieder entspannt. Denn wir haben eine gute Ausgangsposition“, sagt Ioannou.

Ioannou wird im Januar Vater

Seine Ausgangsposition verbessert sich fast täglich. Der Weg zurück ist aber beschwerlich. Täglich fährt Ioannou nach Harburg in die Reha. Mehrere Stunden trainiert er mit den Spezialisten. Krankengymnastik, Gehen lernen, den Druck auf das Knie erhöhen, Treppensteigen, Ausfallschritte. Erste Sprünge sind in den nächsten ein bis zwei Wochen das Ziel. Stromtherapie. Physiotherapie. Erst acht Wochen nach der Operation konnte Ioannou die Krücken beiseitelegen. In den ersten Wochen nach der OP durfte er sein Knie höchstens mit zehn Kilogramm belasten. Der Mannschaftsarzt hat es Ioannou anschaulich erklärt. Wenn er sein rechtes Bein auf eine Scheibe Knäckebrot stellt, darf das Brot nicht zerbröseln. Oliver Ioannou hat sich vorgenommen, die gesamte Winterpause über Sport zu treiben. Er werde dann am 13. Januar zum Trainingsauftakt sehen, wie stabil das empfindliche Gelenk ist. Ob es hält. „Ich mache mir kein Druck“, sagt Ioannou, der vergangenen Sommer seinen Vertrag bei D/A bis zum Ende der Saison 2020/21 verlängert hat und nach seinem Wechsel vom Lüneburger SK nach Drochtersen in Kehdingen seine fünfte Spielzeit absolviert.

Am 26. Januar bekommt König Fußball im Hause Ioannou Konkurrenz. Ioannous Frau Marie erwartet ein Baby, einen Jungen. An diesem Sonntag im Januar ist Stichtag. Die Augen des werdenden Vaters leuchten, wenn er davon erzählt. Dann ließe Ioannou sogar das Trainingslager in Barcelona sausen. Er will die ersten zehn, vierzehn Tage auf keinen Fall verpassen, wenn sich das Leben plötzlich von Grund auf ändert.

Auswärts beim TSV Havelse

Die SV Drochtersen/Assel trifft als Tabellenfünfter am Sonntag um 14 Uhr in Garbsen bei Hannover auf den Zehnten TSV Havelse. Der TSV fuhr zuletzt Siege gegen den HSC Hannover und Hannover 96 II ein. Havelse hat die Großen der Liga schon geärgert. Gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg verlor das Team in der Schlussphase noch 3:4, gegen den VfB Lübeck gelang sogar ein 3:1-Erfolg. Im Hinspiel bescherten die Tore von Dario Kovacic, Liam Giwah und Nico von der Reith einen souveränen 3:0-Sieg für D/A.

Quelle: Stader Tageblatt