Zwischenbilanz einer durchwachsenen ersten Halbserie

DROCHTERSEN. 17 von 34 Regionalligaspielen sind gespielt. Es ist Halbzeit für die Statistiker. Das TAGEBLATT zieht gemeinsam mit dem Trainer der Fußballer der SV Drochtersen/Assel, Lars Uder, Zwischenbilanz einer durchwachsenen ersten Halbserie.

Erst in den vergangenen drei Wochen hat sich die SV Drochtersen/Assel von ihrer sportlichen Krise richtig erholt und drei Siege in Folge eingefahren. Den letzten vor eigenem Publikum am vergangenen Sonntag gegen den Aufstiegsaspiranten VfB Lübeck. „Wir sind insgesamt ein klein bisschen hinter unseren Erwartungen geblieben“, sagt D/A-Trainer Lars Uder. „Aber es ist nichts los.“ 26 Punkte auf der Habenseite sind derzeit genau halb so viele, wie am Ende der vergangenen Saison. Und damals sprang immerhin mit Platz fünf die zweitbeste Saisonplatzierung seit der Regionalliga-Zugehörigkeit heraus.

Uder trauert im TAGEBLATT-Gespräch dem Ausscheiden im Niedersachsenpokal gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig nach. „Gegen Braunschweig haben wir eigentlich unsere beste Saisonleistung gezeigt“, sagt der D/A-Coach. Aber die Mannschaft habe an diesem Tag kein Glück mit den Schiedsrichterentscheidungen gehabt. „Das war enttäuschend“, sagt Uder. Aber das fehlende Glück sei im gesamten September massiv aufgetreten. Die Schwächeperiode habe er nicht „großartig hinterfragt“. Das Team habe „abgewartet“. Gewartet auf die Genesung der verletzten Schlüsselspieler.

Ohne Führungskräfte fehlte Qualität

Weil Führungskräfte wie Nico von der Reith, Sören Behrmann, Marcel Andrijanic oder Jannes Elfers fehlten, habe auf dem Platz auch Qualität gefehlt. Außenstehende hätten der Mannschaft „fehlende Bereitschaft zum Kämpfen“ nachgesagt. Das Gegenteil sei der Fall gewesen. Aber selbst Vereinspräsident Rigo Gooßen nahm bei sechs Ligaspielen ohne Sieg das Wort Krise in den Mund.

„In den letzten Wochen sind wir wieder stabiler geworden“, sagt Uder. Gegen den Ball arbeite die Mannschaft wieder besser, außerdem seien die Spieler wieder aggressiver in den Zweikämpfen. Die defensivere Grundaufstellung ginge zulasten der Anzahl der Torabschlüsse. „Aber die Ergebnisse waren hervorragend“, sagt Uder. D/A schlug hintereinander Werder Bremen II (2:1), Eintracht Norderstedt (1:0) und den VfB Lübeck (1:0).

Fünf Ligaspiele bis zur Winterpause

Zehn neue Spieler hat die SV Drochtersen/Assel im Sommer aufgrund der vielen Langzeitenverletzten nach Kehdingen geholt. Einige Transfers haben Uder „positiv überrascht“. Dario Kovacic und Finn Zeugner hätten der Mannschaft viel geholfen, Alexander Shehada und Jannes Wulff erhielten viele Spielanteile. Spieler wie Marcus Borgmann, Justin Heinbockel oder Stig Hartig zeigten starke Trainingseinheiten und gute Auftritte in der zweiten Mannschaft in der Landesliga.

Fünf Spiele bestreitet die Mannschaft noch bis zur Winterpause. Baustellen gebe es durchaus, sagt Uder. 90 Minuten lang den vorher festgelegten Plan auf dem Rasen verfolgen, zum Beispiel. „Auch gegen Lübeck haben wir nach der Halbzeit kurz die Kontrolle verloren und ein, zwei Abschlüsse zugelassen“, sagt Uder. Außerdem wünsche er sich mehr Ruhe bei Ballbesitz und, dass seine Mannschaft dem Gegner noch häufiger ihren Stempel aufdrücke.

Zwischenbilanz in Zahlen

Die Tabelle

Nach 17 Spieltagen belegt die SV Drochtersen/Assel Tabellenplatz acht mit 26 Punkten. Damit bewegt sich die Mannschaft auf dem Kurs der Vorsaison. Am Ende der Spielzeit 2018/19 hatte D/A 52 Zähler auf der Habenseite und wurde am Ende Fünfter. In der Heimtabelle der aktuellen Spielzeit steht D/A gut da. Nach sechs Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen vor eigenem Publikum rangiert D/A in dieser Statistik auf Platz zwei hinter dem VfB Lübeck. Auf fremden Plätzen könnte das Team allerdings noch zulegen. In acht Spielen gelangen lediglich fünf Tore. Zwei Siege, ein Remis und fünf Niederlagen bescheren in der Auswärtstabelle Rang elf.

Die Zuschauer

765 Zuschauer besuchen die Heimspiele der Spielvereinigung im Schnitt, nur minimal mehr als in der Vorsaison. Spitzenreiter in dieser Statistik ist der VfB Lübeck mit mehr als 3000 Fans. Mit 180 Menschen fällt das Zuschauerinteresse bei den Heimspielen des FC St. Pauli II am magersten aus. Allerdings ist es Tradition, dass die Stadien der zweiten Mannschaften von Bundesligisten eher Geisterkulissen gleichen. Gegner St. Pauli II war es wiederum, der den Kehdingern mit 1001 Fans die größte Resonanz bescherte.

Die Spieler

D/A-Torwart Patrick Siefkes stand am häufigsten auf dem Platz. Er kam bislang auf 15 Liga-Einsätze in dieser Saison. Außenverteidiger Finn Zeugner ist der Vielspieler unter den Drochterser Neuzugängen. Er kommt auf 14 Einsätze und zwei Tore. Bis auf Stig Hartig und Justin Heinbockel haben bislang alle Neuzugänge mehr oder weniger Regionalligaluft geschnuppert. Nach Zeugner vertraute Trainer Lars Uder dabei vor allem auf Dario Kovacic, Alexander Shehada und Jannes Wulff.

Die Torschützen

Am treffsichersten präsentiert sich D/A-Stürmer Alexander Neumann mit bislang neun Toren in der laufenden Regionalligasaison. Ligaweit liegt Neumann mit dieser Quote auf Rang drei. Es folgt Nico von der Reith mit fünf Toren. Der Defensivspezialist ist vor allem für die Standards zuständig und unterstrich dies in den vergangenen beiden Spielen mit zwei sehenswerten Freistoßtoren.

Die Fairnesstabelle

D/A kassierte in der laufenden Saison bislang 37 Gelbe Karten und liegt damit in der Fairnesstabelle auf Rang elf. Außenverteidiger Jannes Elfers sah am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Lübeck die fünfte Verwarnung und muss deshalb am Freitag gegen Hannover 96 II pausieren. St. Pauli II kam bislang mit 22 Gelben Karten aus. Bei Spielen von Altona 93 griffen die Unparteiischen bislang am häufigsten in die Brust- und Gesäßtasche. Die Hamburger sahen 44 Mal Gelb, ein Mal Gelb-Rot und zwei Mal Rot.

Die Serie

Ein Novum seit der Regionalliga-Zugehörigkeit der SV D/A sind sechs sieglose Spiele in Serie. Zwischen dem 28. August und dem 27. September gelang der Mannschaft kein einziger Dreier in der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Solch eine lange Durststrecke mit zwei Unentschieden und vier Niederlagen am Stück gab es noch nie. Zuletzt polierte D/A diesbezüglich seine Statistik wieder auf. Drei Siege nacheinander ließen den Club zurück ins gesicherte Mittelfeld der Tabelle klettern.

Rechnung offen mit Hannover

Am Freitag beginnt für die Fußballer der SV Drochtersen/Assel mit dem Spiel gegen Hannover 96 II (19.30 Uhr, Kehdinger Stadion) bereits die Rückrunde.

Zehn Minuten lang war die SV D/A gegen Hannover 96 II im Hinspiel am ersten Spieltag der Saison nicht auf der Höhe. Das reichte der Bundesligareserve, um den 0:2-Endstand aus Drochterser Sicht perfekt zu machen. Hannover sammelte in der Hinserie in der Folge nur 14 Punkte, gewann weitere drei Partien, spielte zwei Mal unentschieden und verließ zehn Mal als Verlierer den Platz. Die schwache Bilanz beschert dem Club Platz 15 und damit den Abstiegskampf. Zuletzt verlor Hannover vor eigenem Publikum mit 2:3 gegen den TSV Havelse. Die SV D/A will am Freitag (Anpfiff: 19.30 Uhr) gegen Hannover die 1000-Zuschauer-Marke knacken.

Quelle: Stader Tageblatt