K.o. in der Schlussphase: D/A verliert gegen Flensburg

DROCHTERSEN. Der Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat das vierte Spiel in Folge verloren. In der Schlussphase gelang Weiche Flensburg der entscheidende Treffer zum 2:1-Sieg. Dabei zeigte D/A ein ganz anderes Gesicht als in den vergangenen Wochen.

D/A-Trainer Lars Uder holt nach dem Abpfiff seine Spieler zusammen. Er sagt ihnen, dass ihm ihre Mentalität gefallen hat, ihr Biss, ihre Aggressivität, ihre Zweikampfhärte. Kaufen kann sich die Mannschaft von diesem verbalen Schulterklopfer herzlich wenig. Keine Punkte im vierten Spiel in Serie. Das bedeutet Negativrekord im fünften Regionalligajahr. Durchgereicht auf Tabellenplatz zwölf. Mit nur vier Zählern Vorsprung bedenklich wenig Abstand auf die Abstiegszone. Die Konkurrenz aus den unteren Tabellenregionen punktet. Zwischen Uders Ansage und dem Tor des Flensburgers Torge Paetow zum entscheidenden 1:2 aus D/A-Sicht liegen nur ein paar Minuten. Die Gesichter der Kehdinger Spieler sind immer noch leer.

Dabei findet D/A in der ersten Halbzeit die Tugenden wieder, die die Mannschaft in den vergangenen Spielzeiten so ausgezeichnet hat. Die Spieler kämpfen um jeden Ball. Zulasten der Kreativität in der Offensive freilich, aber das ist nach drei Niederlagen in Serie Nebensache. Zweikampfstark präsentiert sich der Gastgeber gegen eine der besten Mannschaften der Regionalliga. Chancen sind rar. Aber das scheint heute nicht der Anspruch.

Die Zuschauer bejubeln alle Duelle der Protagonisten auf dem Rasen. Die von Benjamin Nadjem im Mittelfeld, die von Jan-Ove Edeling in der Außenverteidigung. Das Krachen der Körper ist bis auf die Tribüne vernehmbar. Neuzugang Daniel Owusu wirft sich in jeden Zweikampf. Nico von der Reith sowieso. Kapitän Sören Behrmann dirigiert lautstark. Laurens Rogowski und Liam Giwah spielen umsichtig in der Innenverteidigung. Das Team von Lars Uder zeigt nach schwachen Wochen ein ganz anderes Gesicht und wird am Ende doch so hart bestraft, weil die Verteidigung einen Ball beim Klären nach einer Ecke nicht unters Tribünendach drischt, sondern nur halbherzig zu klären versucht.

Beifall für Abschluss

Den ersten Abschluss des Spiels wuchtet Alexander Neumann in der 20. Minute meterweit über das Flensburger Tor. Selbst das quittieren die Zuschauer mit Beifall. D/A erarbeitet sich die 1:0-Führung in der 38. Minute redlich. Ein butterweicher Freistoß von Nico von der Reith auf der linken Seite landet auf der Fußspitze von Finn Zeugner, der Weiche-Schlussmann Florian Kirschke keine Abwehrchance lässt. Spieler und Fans brüllen beim Jubeln den Frust der vergangenen Wochen hinaus. Zeugner kann sich über sein erstes Tor im achten Regionalligaspiel seiner Karriere nicht freuen. „Niederlagen bringen uns nicht weiter“, sagt er. Aber auf die Leistung könne D/A aufbauen.

Finn Zeuger bejubelt seinen Treffer zum 1:0. Foto: Berlin

Wie sehr D/A für ein Ende der sportlichen Talfahrt kämpft, zeigt die Szene kurz vor Ende der ersten Halbzeit. Nico von der Reith wirft sich in einen Schuss. Das Geschoss aus Nahdistanz landet auf seinem Kopf. Von der Reith verhindert mit seinem Einsatz den Ausgleich und bezahlt dafür wahrscheinlich mit einer Gehirnerschütterung. Für ihn ist das Spiel vorbei. Helfer tragen ihn vom Platz. Erst im Schatten der Haupttribüne kommt er wieder zu sich. Seine Resolutheit fehlt in Halbzeit zwei.

Mit der ersten Chance nach Wiederanpfiff markiert Flensburg den Ausgleich. Der erste Schussversuch springt an den Pfosten. Im Nachschuss verwandelt Tim Wulff in der 57. Minute. Die Stimmung kippt im Stadion. Die Zuschauer haben Schiedsrichter Franz Bokop als zwölften Gegner ihrer Lieblinge ausgemacht. „Schiri raus“-Rufe hallen durchs Stadion, weil die Fans eine Bevorzugung der Gäste wittern. D/A-Präsident Rigo Gooßen ist wütend: „Wir haben heute gegen zwölf Mann gespielt.“

Siefkes pariert

Die Partie spielt sich jetzt vor allem im Mittelfeld ab. Erst in der 76. Minute wird es vor dem D/A-Tor wieder gefährlich. Siefkes hält einen Schuss von Dominic Hartmann fest. 120 Sekunden später hebt der eingewechselte Drochterser Marco Schuhmann nach einem Konter den Ball rechts am Tor vorbei. Die Kräfte der Hausherren lassen nach in der Schlussphase. D/A will das Remis retten. Die Gäste versieben hundertprozentige Möglichkeiten. Ein Schuss von Kevin Njie landet an der Latte. Siefkes pariert gegen Jonas Sogard Andersen. In der Nachspielzeit hat der Schlussmann das Nachsehen gegen Paetow. D/A sinkt in die Knie.

„Wir müssen das Positive mitnehmen“, sagt Jan-Ove Edeling. Den Wandel der Mentalität zur alten Stärke. D/A müsse wieder ein Team werden, gegen das kein Gegner gerne spiele. Die letzten Wochen haben die Spieler durchaus unzufrieden gemacht. Diese Unzufriedenheit habe sich nicht zuletzt im Training entladen, räumt Edeling ein. Diesen Knall hat D/A offenbar kanalisiert für das Flensburg-Spiel, auch wenn es wieder nicht gereicht hat. Kapitän Sören Behrmann formuliert es noch anschaulicher: „Wir müssen erst mal wieder Gras fressen. Dann holen wir Punkte.“

Die Statistik

Tore: 1:0 (38.) Zeugner, 1:1 (57.) Wulff, 1:2 (90.+1) Paetow

SV D/A: Siefkes, Zeugner, Rogowski, Behrmann, Giwah, Edeling, Nagel, Owusu (72. Wulff), von der Reith (46. Schuhmann), Nadjem, Neumann (85. Shehada)

FKirschke, Njie, Vidovic, Argyris, Jürgensen, Hartmann (90. Isitan), Paetow, Wirlmann (83. Andersen), Stöhr (69. Graudenz), Wulff, Olesen

Schiedsrichter: Franz Bokop (Assistenten: Christian Mulder und Tobias Zunker)

Zuschauer: 564

Nächstes Spiel:BSV Rehden – SV D/A (Fr., 27. September, 19.30 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt