Die Gründe für die sportliche Talfahrt

DROCHTERSEN. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel steckt in einer handfesten Krise. Das Team von Trainer Lars Uder wartet seit vier Spieltagen auf einen Sieg. Die Talfahrt hat Gründe. Eine Analyse.

Der Status Quo

Seit vier Spieltagen wartet die SV Drochtersen/Assel auf einen Sieg in der Regionalliga Nord. Beim 2:1-Auswärtssieg in Heide am 23. August feierte D/A den letzten Drei-Punkte-Erfolg. Danach kassierte die Mannschaft zwölf Gegentore in vier Spielen. Negativer Höhepunkt des Abwärtstrends war die 0:1-Niederlage gegen den bis dato sieglosen Aufsteiger HSC Hannover am vergangenen Sonntag. Nur eines der bislang zehn Saisonspiele haben die Kehdinger ohne Gegentor überstanden. Nur drei Mannschaften haben bisher mehr Gegentore kassiert. D/A rutschte nach der Auswärtsniederlage in Hannover auf den zehnten Tabellenplatz ab.

Die Verletzten

Das Pech aus der Vorsaison setzt sich in diesem Jahr fort. Zuletzt fiel mit Marcel Andrijanic der Denker und Lenker im Mittelfeld aus. Andrijanic wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahres fehlen. Zudem steht mit Oliver Ioannou ein starker Vorbereiter nicht zur Verfügung. D/A muss auf die Dynamik von Jannes Elfers auf dem Flügel verzichten. Innenverteidiger und Kapitän Sören Behrmann unternahm in Hannover nach mehreren Wochen wieder erste Gehversuche. Der erfahrene Ashton Götz kann im rechten Mittelfeld verletzungsbedingt nicht eingreifen, Hassan El Saleh fehlt auf links. Die kampfstarken Till Hermandung und Sven Sören Zöpfgen werden schmerzlich vermisst. Jasper Gooßens enorme Physis steht im Angriff nicht zur Verfügung. D/A holte zwar zehn neue Spieler. Aber die meisten sind jung und unerfahren und können den Ausfall der arrivierten Kräfte längst noch nicht kompensieren.

Die Führungsspieler

Mit dem Ausfall der erfahrenen Spieler fehlen D/A die Führungskräfte auf dem Platz. Es ist schlichtweg zu leise auf dem Rasen. Die lautstarken Dirigenten fallen aus, diejenigen, die ihre Vorderleute verbal coachen. Als Sören Behrmann nach seiner Verletzung in der zweiten Halbzeit in Hannover sein Debüt gab, herrschte gleich eine ganz andere Atmosphäre auf dem Platz.

Die Defensive

Zwei Gegentreffer im Schnitt pro Partie haben mit der Abwehrstärke der vergangenen Jahre nicht mehr viel zu tun. D/A gewinnt zu wenig Bälle beim Pressing und gibt sie zu leicht wieder her, wenn es den Spielern doch einmal gelingt, den Gegner erfolgreich unter Druck zu setzen. Die Konsequenz in den Zweikämpfen fehlt. Die Gegentore fallen zu einfach.

Die Offensive

Auf der Taktiktafel entwickelt D/A in der Theorie Spielideen für die Vorwärtsbewegung. Die Protagnisten setzen den Plan auf dem Rasen selten um. Die Spieler schaffen kaum Überzahlsituationen und sehen die Räume nicht, die ihnen die Gegner bieten oder überlassen. Manko: Laufbereitschaft, Laufwege und Mut. Trainer Lars Uder bemängelt, dass seine Spieler zu selten in die gefährlichen Zonen dribbeln oder sich neue Positionen suchen und den Ball fordern. Bei einer Konkurrenz mit kompakten Abwehrreihen fehlt derzeit die Gefahr über die Außenpositionen oder die öffnenden Pässe über die Abwehrketten. Die Passqualität stimmt nicht. Zudem gelingt es D/A nicht, den Gegner durch schnelle Spielverlagerungen auseinanderzunehmen und Überzahlsituationen zu schaffen.

Das Selbstverständnis

Mit der starken Vorsaison, Tabellenplatz fünf, dem Landespokalsieg und einer neuen spielerischen Qualität wuchsen die Ansprüche bei Spielern und Fans. Mit der Krise kehrt die Verunsicherung ein. Das Selbstverständnis, einen Gegner auseinanderspielen zu können, ist dem Verein abhandengekommen. Nicht einmal gegen Aufsteiger HSC Hannover gelang es D/A, den Gegner zu dominieren. Mit der Mentalität eines über sich hinauswachsenden Außenseiters ist die Spielvereinigung in seiner noch jungen Regionalliga-Geschichte besser gefahren. Offenbar tat dem Club auch die hohe Erwartungshaltung im Vorfeld des DFB-Pokalspiels gegen Schalke 04 nicht gut. Enttäuscht nahmen die Spieler das 0:5 gegen den Bundesligisten zur Kenntnis. Danach bestritten die Kehdinger die Spiele, in denen sie, mit Ausnahme der Partie gegen den Lüneburger SK (4:2), nach Führungen einbrachen oder von Anfang an dem Geschehen hinterherliefen.

Das nächste Spiel

Am Sonntag, 22. September, um 15 Uhr empfängt D/A im Kehdinger Stadion den SC Weiche Flensburg. Der aktuelle Tabellenvierte, der jedes Jahr zu den Top-Teams der Regionalliga gehört, gilt nicht gerade als Aufbaugegner. Auf die typischen Drochterser Tugenden wird es ankommen. D/A muss Fußball wieder arbeiten.

Quelle: Stader Tageblatt