Ein Weckruf vor der Krise

DROCHTERSEN. Ungewohnt deutlich kritisiert der Präsident der SV Drochtersen/Assel die sportlichen Leistungen der Mannschaft der Vorwochen. Nach elf Gegentoren in den letzten drei Spielen will Rigo Gooßen die Situation nicht als Krise verstanden wissen.

Am besten beschreibt Gooßens Stimmungslage sein Verhalten während der 0:3-Niederlage bei Holstein Kiel am achten Spieltag. Noch vor dem Abpfiff verließ er verärgert die Bank. Das hat er bis dato noch nie getan. Und nach dem 0:5 am neunten Spieltag gegen Tabellenführer VfL Wolfsburg II setzte er verbal ein Zeichen während der Pressekonferenz mit dem Mikrofon in der Hand. Er vermisste die Tugenden, die D/A auf dem Platz immer ausgezeichnet hatten. „Das Zweikampfverhalten gegen den Ball fehlt. Wir begleiten die Gegner, statt sie zu bekämpfen“, sagt Gooßen. Die Spieler bestritten zu wenig Zweikämpfe „in D/A-Manier, in der sie um jeden Quadratzentimeter Rasen kämpfen“.

Indirekt kritisiert Gooßen die taktische Ausrichtung gegen spielstarke Gegner wie Wolfsburg. Gegen den VfL hätte er eine defensivere Taktik lieber gesehen, gerade in Zeiten einer angespannten Personalsituation. Diesbezüglich gebe es auch Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Lars Uder. Gooßen sagt, er werde in dieser Woche deutlich machen, dass er eine Änderung erwartet.

Beim Auswärtsspiel gegen den Tabellenletzten HSC Hannover erwarte der Präsident am kommenden Sonntag eine Reaktion. D/A ist mittlerweile auf den achten Tabellenplatz abgerutscht und hat dabei schon fast halb so viele Gegentore kassiert wie in der kompletten vergangenen Saison. Aktuell stellt D/A mit 19 Gegentoren die drittschlechteste Defensive der Liga.

Alles wird hinterfragt

Gooßen deutet auf TAGEBLATT-Nachfrage an, alles zu hinterfragen, um eine Lösung zu finden. Haben die neuen Kehdinger Spieler das D/A-Gen verinnerlicht? Oder war die eine oder andere Spielerverpflichtung die falsche Entscheidung, wenn es nicht gelingt, das Gen zu verinnerlichen? Stimmt die Fitness? Das sind Gooßens Fragen, die er jetzt abarbeiten will.

Uder „fühlt sich nicht persönlich angegriffen“. Er werde seinen Job in gewohnter Manier weitermachen, sich die Kritik des Präsidenten aber zu Herzen nehmen. „Die Kritik ist Ansporn“, sagt Uder. Die Situation sei eine Herausforderung. Derzeit habe D/A Pech, lasse aber durchaus die Grundtugenden vermissen. Die Fitness stimme, das zeige die Laufleistung in den zweiten Hälfte. „Auch einige Leistungsträger suchen noch nach ihrer Form“, sagt Uder.

Die Verletzungsmisere spiele derzeit eine große Rolle. Schlüsselspieler wie Sören Behrmann, Ashton Götz, Alexander Neumann, Nico von der Reith oder Oliver Ioannou fehlten zuletzt. Als wie heftig sich die Verletzung von Mittelfeldspieler Marcel Andrijanic entpuppt, die er sich gegen Wolfsburg zugezogen hat, stellt sich am Dientag heraus. „Die jungen Neuzugänge können die Erfahrung nicht kompensieren“, sagt Uder. Wenn die arrivierten Spieler zurück in den Kader rückten, so Uder, werde D/A auch wieder die nötigen Punkte holen.

Quelle: Stader Tageblatt