Familienmensch Schuhmann erzielt Doppelpack

DROCHTERSEN. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat sich am Sonntag vor eigenem Publikum mit 4:2 gegen den Lüneburger SK durchgesetzt. Maßgeblich am Sieg beteiligt waren mit Marco Schuhmann und Oliver Ioannou zwei ehemalige Lüneburger.

Als D/A-Präsident Rigo Gooßen nach dem Abpfiff den Spieler des Tages ankündigt, rufen einige Fans laut den Spitznamen des 24-jährigen Linksaußen Marco Schuhmann. Sie fordern „Schumi“, den Doppeltorschützen, den ehemaligen Lüneburger, der im Sommer vor zwei Jahren vom LSK nach Kehdingen wechselte, zwischendurch in Luxemburg kickte und schließlich seit letztem Winter wieder bei D/A auf der Gehaltsliste steht. Aber Gooßen kürt zwei andere. Warum, das bleibt sein Geheimnis. Die Ehre wird Alexander Neumann zuteil, ebenfalls zweimal erfolgreich an diesem Sonntag, und Oliver Ioannou, der drei Treffer vorbereitete. Ioannou, der 2015 aus Lüneburg nach Drochtersen kam, spielte gegen den LSK ebenfalls am oberen Rand seines Leistungsvermögens.

Das 2:2 kurz vor der Pause: D/A-Torwart Patrick Siefkes kommt an Thorben Deters’ Kopfball nicht mehr ran.

Marco Schuhmann verfolgt die Ehrung ganz gelassen lächelnd auf dem Rasen sitzend. Bislang schaffte er bei D/A noch nicht den richtigen Durchbruch. Aber Trainer Lars Uder schwört offenbar auf ihn und stellte ihn in dieser Saison bereits das zweite Mal in die Startelf. Vielleicht ist Schuhmann nach seinem in der Offensive starken Spiel angekommen in Kehdingen.

Nach 41 Minuten jubelt Schuhmann am Sonntag das erste Mal ausgelassen. Technisch versiert nimmt er einen hohen Ball aus dem Halbfeld an der Strafraumkante mit der Brust an, geht noch ein paar Meter und versenkt ihn dann im Tor von LSK-Schlussmann Ole Springer zum 2:1. Dass er gegen seinen Ex-Club trifft, hindert ihn nicht daran, ausgelassen zu jubeln. „Die ganzen Emotionen mussten raus“, sagt Schuhmann. „Die Lüneburger werden mir den Jubel schon nicht übel nehmen“, schiebt er nach. Schließlich sei sein Engagement beim LSK „lange her“. Schuhmann widmet sein erstes Regionalligator für D/A seinem kurz nach Weihnachten 2017 gestorbenen Großvater und deutet mit beiden Fingern in Richtung Himmel. „Er war in meiner Kindheit immer für mich da. Als er krank war, war ich für ihn da“, erzählt Schuhmann.

Schuhmann abgeklärt

In der 68. Minute läuft der Familienmensch Schuhmann seinen Gegenspielern auf der linken Seite auf und davon. Unten rechts schlägt sein Schuss zur beruhigenden 4:2-Führung für D/A ein. Ganz überlegt und abgeklärt macht Schuhmann das. „Vielleicht kommt mir beim Abschluss entgegen, dass ich früher mal Stürmer war“, sagt er. Diesmal läuft er an den Spielfeldrand, um seine Mutter in den Arm zu nehmen. Mutter, Vater, Nichte, Oma, beste Freundin – alle sind da an seinem großen Tag. Angereist aus Lüneburg, seiner alten Heimat. „Die Familie steht auf einer Stufe mit dem Fußball. Vielleicht ist sie sogar noch wichtiger“, sagt Schuhmann.

663 Zuschauer sehen im Kehdinger Stadion eine rassige erste Halbzeit. Tempo ist drin, Kurzpassspiel, Torszenen, die sonst für zwei Spiele reichen. Dass der LSK in der fünften Minute den ersten Treffer erzielt, gefällt ihnen gar nicht. Der Drochterser Nico von der Reith leitet nach einem Ballverlust auf der rechten Seite den verhängnisvollen Lüneburger Angriff ein. Jonas Seidel schließt trocken ab. Die Szene kann als Blaupause der letzten Partie gegen Altona 93 herhalten. Die Hamburger gingen bei ihrem 2:1-Sieg gegen D/A ähnlich in Führung.

Und ähnlich schnell schlägt D/A zurück. Nach einer Flanke von Ioannou steht Neumann fünf Minuten später richtig und platziert den Ball perfekt per Kopf. Ashton Götz hat nach 20 Minuten das 2:1 auf dem Fuß. Den muss er machen. Völlig frei. Zentral vor dem Tor. Mit links. Der Ex-HSV-Profi in Diensten der Kehdinger sackt in sich zusammen und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, weil sein Schuss an den linken Pfosten geht.

D/A setzt Akzente

Kurz drauf zeigt Neumann eine ähnliche Reaktion, nachdem sein Rechtsschuss am Aluminium vorbei streift. Kurz vor der Halbzeit kommt dann Schuhmanns großer Auftritt. Lüneburg kann wenig später antworten. Als die Zuschauer noch feiern, muss auf der anderen Seite D/A-Keeper Patrick Siefkes zum zweiten Mal hinter sich greifen. Beim Kopfball von Thorben Deters schläft die D/A-Defensive. 2:2.

Das Spiel bleibt spannend nach dem Seitenwechsel. Zunächst setzt D/A die zählbaren Akzente. Neumann vergoldet in der 47. Minute einen Ioannou-Freistoß mit einem Kopfball über Springer zur 3:2-Führung. Danach krönt Schuhmann seinen erfolgreichen Tag mit dem Treffer zum Endstand. Der Sieg ist wichtig. D/A setzt sich nach fünf Spieltagen im oberen Tabellendrittel fest und klettert auf Platz vier.

Die Stimmen zum Spiel

D/A-Präsident Rigo Gooßen:„Im Spiel nach vorne ist das teilweise eine Eins-plus. In der Defensive lassen wir aber einfach noch zu viel zu. Der Lüneburger SK war stark. Der Sieg war wichtig nach dem katastrophalen Spiel in Altona.“

D/A-Trainer Lars Uder: „Das Ergebnis war heute zweitrangig. Wichtig ist, dass uns nach vorne viel gelungen ist. Zwei robuste Teams sind aufeinander getroffen. Wir haben das gut gemacht und uns belohnt.“

LSK-Trainer Rainer Zobel: „Das Ergebnis war etwas zu hoch. Wir haben gut dagegengehalten und nach der Pause viel Druck entwickelt. Die zweite Halbzeit gehörte uns. Unterm Strich ist der Sieg der Drochterser aber verdient.“

D/A-Spieler Oliver Ioannou: „Gewinner stehen wieder auf nach einem Rückschlag. Das haben wir heute gezeigt.“

D/A-Spieler Alexander Neumann: „Wir haben heute die Antwort gegeben auf die fehlende Einstellung im Spiel gegen Altona.“

D/A-Spieler Marco Schuhmann:„Wir wollten heute Zweikämpfe gewinnen. Jeder sollte auf seiner Position seinen Job machen. Dann kommt der Erfolg automatisch.“

Die Statistik des Spiels

Tore: 0:1 (5.) Seidel, 1:1 (10.) Neumann, 2:1 (42.) Schuhmann, 2:2 (45.) Deters, 3:2 (47.) Neumann, 4:2 (68.) Schuhmann

SV D/A: Siefkes, von der Reith (46. Zeugner), Rogowski, Giwah (62. Fiks), Kleine, Götz, Ioannou, Andrijanic, Schuhmann, Kovacic (77. Nagel), Neumann

Lüneburger SK Hansa: Springer, El-Ahmar, Pägelow, Correia Cá (36. Gerlach), Pauer, Wolk, Kunze, Deters, Stech, Düzel (70. Baldé), Seidel

Zuschauer:663

Schiedsrichter: Christian Meermann (Assistenten: Maximilian Stargardt, Alexander Rosenhagen)

Nächstes Spiel: Heider SV – SV D/A (Fr., 23. August, 18.15 Uhr, HSV-Stadion, Heide, Meldorfer Straße)

Quelle: Stader Tageblatt