Nicht alle drücken D/A die Daumen im DFB-Pokal

LANDKREIS. Es gibt sie: die leidenschaftlichen Schalke-Fans im Kreis Stade. Dass der Regionalligist SV Drochtersen/Assel in der 1. Runde des DFB-Pokals (Sbd., 10. August, 15.30 Uhr) den traditionsreichen Ruhrpott-Club empfängt, ist ein Glücksmoment für sie.

Von Jan Bröhan, Lukas Reineke und Miriam Fehlbus

Die Verwöhnten

Familie Dreyer aus Assel ist eine wahrlich fußballverrückte Familie. Davon zeugen die zahlreichen wie vielschichtigen Fanbekundungen im Garten, am Haus und im Haus. Da ist es nicht mit der gehissten Fahnen getan. Da stehen Gartenzwerge mit DFB-Pokal in der Hand, da ist das Club-Emblem im Gartenzaun integriert, die Untersetzer auf dem Wohnzimmertisch weisen darauf hin, wer wo sitzt.

Denn Mama Daniela ist „verrückte Gladbach-Anhängerin“, so der Tenor von Papa Torsten und Sohn Tobias. Als D/A 2016 dann erstmals in den DFB-Pokal einzog und Borussia Mönchengladbach als Gegner zugelost bekam, war Daniela Dreyer „total aus dem Häuschen“. „Und wir dachten, das wäre nicht zu toppen“, sagt Torsten Dreyer. Falsch gedacht: Es folgte der FC Bayern München und nun eben der FC Schalke 04.

Torsten Dreyer wurde zum Schalke-Fan erzogen, seine große Schwester habe ihn da „so reingeschoben“. Die sei großer Fan von den legendären Kremers-Zwillingen gewesen. Sohn Tobias hatte „eigentlich nur die Wahl zwischen Gladbach und Schalke“, sagt er. Der 18-jährige Torhüter schlug sich auf die Seite seines Vaters, der einst selber Torhüter war und seinen Filius im Garten trainierte.

Kehdinger durch und durch

Die Dreyers sind Kehdinger durch und durch, wie sie betonen. Tobias wurde bei D/A ausgebildet, ist zur neuen Saison zum MTV Hammah gewechselt. Torsten bewundert, was bei D/A aufgebaut wurde und unterstützt die VTV Assel. Aber: Wenn D/A auf Schalke trifft, sind die Dreyers für den favorisierten Bundesligisten. „Allein schon wegen des Hohn und Spotts“, sagt Torsten, „wir könnten uns ja zehn Jahre nicht aus dem Haus trauen, wenn Schalke verliert.“

Der Uefa-Pokalsieg 1997 ist für Torsten unvergesslich. „Das Highlight.“ Der unvergessliche Tiefpunkt: die Meisterschaft der Herzen 2001, als die Schalker schon feierten und Bayern durch einen späten Freistoß noch Meister wurde. „Und ausgerechnet Mathias Schober“, fällt Tobias dabei ein. Der von Schalke ausgeliehene Torhüter verursachte in Diensten des HSV den berüchtigten Freistoß.

Die Dreyers sind wahre Fans. Die Abschiedsspiele von Marcelo Bordon, Raúl und Gerald Asamoah haben sie sich angeschaut. Zur Vorstellung des Weltstars aus Madrid, Raúl, sind sie nach Gelsenkirchen gefahren. Mit der derzeitigen Mannschaft haben die Dreyers so ihre Probleme. „Es fällt schwer, sich mit jemanden zu identifizieren“, sagt Tobias. Und: „Man ist daran gewöhnt, dass alles passieren kann“, sagt Tobias vor der Saison, mal wird Schalke Vizemeister, mal spielt der ambitionierte Club gegen den Abstieg. „Die Chance ist da für D/A“, sagt Torsten Dreyer. Das gefällt dem Kehdinger im Schalke-Dress nicht wirklich.

Quelle: Stader Tageblatt