„Viererkette“: Gooßen tritt auf die Euphoriebremse

DROCHTERSEN. Das TAGEBLATT hat wieder Türen geöffnet: 20 Leser waren bei der Aufzeichnung der „Viererkette – Der Sport-Talk am Elbstrand“ dabei und danach auf Stippvisite im Kehdinger Stadion. Hauptthema: DFB-Pokal gegen Schalke.

D/A-Präsident Rigo Gooßen tritt vehement auf die Euphoriebremse während des Sport-Talks in der Galerie des Elbstrand Resorts. Denn wenn der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel am Sonnabend, 10. August, um 15.30 Uhr in der ersten Runde des DFB-Pokals den Traditionsclub aus der Bundesliga, FC Schalke 04, empfängt, sehen einige D/A-Fans ihre Mannschaft schon als den sicheren Sieger. Nach zwei knappen 0:1-Niederlagen gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern München in den Vorjahren seien eben aller guten Dinge drei.

„Diese Erwartungshaltung macht mir Sorge“, sagt Gooßen. Jeder D/A-Spieler habe einen Gegner, der besser sei. Ein Remis in der regulären Spielzeit oder gar ein Sieg kämen einer Sensation gleich. Aber klar: Die Fans können D/A sehr wohl einiges zutrauen. Nicht umsonst habe sich die Mannschaft für den DFB-Pokalwettbewerb qualifiziert. Selbst ein 0:4 sei gegen Schalke ein gutes Ergebnis, sagt Gooßen. So laute auch die Parole in der gesamten Mannschaft.

Diese Stimmung im Dorf komme womöglich deshalb auf, weil Pokalgegner Schalke in der vergangenen Saison nicht gerade überragend spielte, mutmaßt TAGEBLATT-Chefredakteur Wolfgang Stephan. In der Saisonvorbereitung bekleckerten sich die Gelsenkirchener rein ergebnistechnisch auch nicht gerade mit Ruhm. „Die finden immer mehr ihre Struktur“, sagt indes D/A-Coach Uder, der seinen Schalker Trainerkollegen David Wagner für seine Philosophie lobt.

Uder beobachtete den Pokalgegner in den letzten Tagen akribisch. Welche Räume geben die Schalker frei, wie verteidigen sie die Konter? Angst hat Uder nicht. Der Plan für das Spiel entsteht gerade in seinem Kopf. Die Endfassung habe er noch nicht in der Schublade. D/A empfängt in der Liga am Sonntag, 4. August, um 15 Uhr den SSV Jeddeloh im Kehdinger Stadion. Erst wenn diese Partie abgepfiffen sei, beginne das finale Rattern im Kopf.

Das Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 war Hauptthema bei der „Viererkette“ mit TAGEBLATT-Online-Chef Alexander Schulz, D/A-Trainer Lars Uder, Chefredakteur Wolfgang Stephan und D/A-Präsident Rigo Gooßen (von links) auf Krautsand. Fotos: Berlin

Bei insgesamt zehn D/A-Neuzugängen in diesem Sommer darf eine kurze Personaldebatte bei der „Viererkette“ nicht fehlen. Mit Ashton Götz verpflichtete Drochtersen einen Ex-HSV-Profi und gibt ihm die Möglichkeit, sich nach langer Verletzungspause in der Regionalliga wieder für höhere Weihen zu empfehlen. Gooßen gewährt dabei sogar einen kleinen Einblick ins Finanzielle. „Ashton verdient beileibe nicht das, was er früher verdiente. Bei D/A erhält er sicherlich mit am meisten, ist aber nicht der teuerste Spieler“, sagt Gooßen.

Nach der Aufzeichnung des Sport-Talks erzählt der D/A-Präsident den TAGEBLATT-Lesern im Stadion, welchen Aufwand der Verein für das Pokalspiel betreibe. Zahlreiche freiwillige Helfer, am Spieltag selbst sogar 300, sind derzeit im Einsatz, um die Zusatztribünen aufzubauen. Wenn am Mittwoch der Tüv zur Abnahme kommt, verfügt das Kehdinger Stadion über eine Kapazität von offiziell 8022 Steh- und Sitzplätzen. Die dreimalige Qualifikation für den Wettbewerb in den letzten vier Jahren ist längst ein finanzieller Faktor.

Mit den Einnahmen investiert D/A vor allem in die Trainingsbedingungen und die Jugendarbeit. Mehr als 200.000 Euro nimmt der Club im DFB-Pokal ein. Beim Erreichen der zweiten Runde sogar weit mehr als 300.000 Euro. Und dann ringt sich Gooßen dazu durch, die Euphoriebremse ein wenig zu lockern. Zum Abschluss der illustren Runde hält er es mit der Sängerin Katja Ebstein und einem ihrer erfolgreichsten Songs „Wunder gibt es immer wieder“.

Horst Czechanowski lag mit seinem Tipp zur Zuschauerzahl fast richtig und gewann einen Fanschal. Offiziell 8022 Menschen sehen das Spiel.

SSV Jeddeloh

Gut eine Woche vor dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 muss sich D/A noch einmal in der Regionalliga beweisen. Zum Heimspiel am Sonntag, 15 Uhr, reist der SSV Jeddeloh an. Das Team, das am vergangenen Mittwoch den Drochterser Auftaktgegner Hannover 96 II mit 6:0 aus dem Stadion geschossen hatte. D/A hatte gegen die Bundesligareserve noch 0:2 verloren.

„Wir gehen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten“, sagt Lars Uder. Deshalb werde D/A das Pokalspiel ausblenden und sich auf die Liga fokussieren. Sicherlich wolle sich so kurz vor der Partie gegen Schalke niemand verletzen. „Aber wenn du in den Zweikämpfen nicht voll durchziehst, ist das Verletzungsrisiko sogar höher“, sagt der D/A-Trainer.

Quelle: Stader Tageblatt