Der Fulltime-Job mit den ganzen DFB-Details

Vorbereitung auf den Pokal-KnüllerDROCHTERSEN. Lars Behrmann vom Management des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel gehört zu den Hauptköpfen, die sich um die Organisation des DFB-Pokalspiels gegen den FC Schalke 04 (10. August, 15.30 Uhr) kümmern. Der Zeitaufwand ist immens.

Er integriere sein Berufs- und Privatleben gerade in seinen DFB-Alltag, sagt Behrmann. Neben dem Offensichtlichen müssen viele Details stimmen.Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verschickt an die Teilnehmer des DFB-Pokals einen umfassenden Richtlinien-Katalog mit unzähligen Dateien und tausenden Seiten. „Alles, von A bis Z, wirklich alles ist geregelt“, betont Behrmann. Das Sicherheitskonzept rund um das DFB-Pokalspiel umfasst 73 Seiten. „Das wird dann auch noch an jeden Gegner angepasst“, sagt Behrmann. Im vergangenen Jahr reisten beispielsweise die Bayern-Fans schon morgens an. Die wurden von der Polizei bis Krautsand weitergeleitet. „Strandzeit“, sagt Behrmann lächelnd. Die Polizei hatte so alles unter Kontrolle. „So früh kann man die im Dorf ja noch nicht gebrauchen“, sagt Behrmann über die vielen Bayern-Fans im vergangenen Jahr.

Park- und Sicherheitskonzept, Absprachen mit dem Landkreis und der Gemeinde sowie der Polizei und der Feuerwehr, die Tribünen-Abnahme durch den TÜV Nord und dem Landkreis-Statiker, Produktion der Eintrittskarten und Merchandise-Artikeln – das alles ist eine Selbstverständlichkeit, und D/A hat nach schon zwei erfolgreichen DFB-Pokalspielen, gegen Borussia Mönchengladbach und Bayern München, eine gewisse Routine. Der DFB verschickt auch detaillierte Handlungsempfehlungen. Darin wird unter anderem erklärt, wie es sich mit Zusatztribünen und der Anfertigung der Eintrittskarten verhält. In beiden Fällen sind Bilder von der SV Drochtersen/Assel abgedruckt, die Tribünen im Kehdinger Stadion sowie die Karten mit Gladbach-Raute. Behrmann sagt stolz: „Da können wir nicht viel verkehrt machen.

„Mehrere tausend Stunden investiert D/A mit zahlreichen Helfern in die Organisation des DFB-Pokalspiels. Allein der Auf- und Abbau der Zusatztribünen verschluckt jeweils sieben Tage, pro Tag wiederum etwa zwölf Stunden. Behrmann hat am vergangenen Sonnabend mit fünf Kollegen von 9 bis 17 Uhr Eintrittskarten sortiert, damit der Ablauf am Spieltag reibungslos funktioniert und „möglichst alle glücklich sind mit der Sitzaufteilung“.

Das sind Details, die sich Behrmann und Co. extra aufhalsen. Andere Details sind vorgeschrieben. Zum Beispiel, dass auf 100 Zuschauer jeweils eine Toilette kommt. „Kostet eine hohe vierstellige Summe“, so Behrmann. Der Ablauf des Spieltages ist minutiös durchgetaktet. Zu welchem Zeitpunkt D/A die Kehdinger Blasmusikanten auflaufen lassen darf, muss da exakt abgestimmt werden.Die Balljungen haben eine genaue Aufteilung. Die Aufwärmleibchen müssen eine bestimmte Größe und Farbe haben und dürfen keine Werbung tragen. Auch die Größe des Sponsors auf der einen Ärmelseite des Trikots ist genaustens vorgeschrieben. Der Rasen im Kehdinger Stadion darf höchstens 30mm hoch sein.Es gibt auch ein 45 Seiten starkes Handbuch für die Stadionsprecher. Dirk Ludewig muss demnach über eine sichere Stimme verfügen und Überzeugungskraft haben, zudem soll er die Namen korrekt aussprechen. Und er darf nicht Gegner sagen, sondern von den Gästen sprechen.

Das Bayern-Spiel kommentierte Wolff-Christoph Fuss für Sky, dieses Mal kommt Frank Buschmann. „Beide überragend“, sagt Behrmann bezüglich der bekannten Kommentatoren. Die wollen vor so einem Spiel gefüttert werden mit Infos zu den D/A-Spielern. Rechts- oder Linksfuß, welche Hobbys, welcher Beruf. „Die bauen ja gern Geschichten ein“, sagt Behrmann.

Dazu kommen die Wünsche des Gegners. Der FC Schalke 04 hätte zum Beispiel gerne Marmorkuchen, 20 Bananen, einen gemischten Obstkorb sowie Kaffee und Tee vor dem Anpfiff in der Kabine. In der Halbzeit müssen 70kg Eis bereitstehen. Zehn Minuten vor dem Abpfiff soll Pasta, normal und glutenfrei, mit Tomatensoße und Bolognese in die Kabine gebracht werden, zudem eine Käse- und Wurstplatte.Bevor es aber ans Spachteln geht, müssen die Fußballer vor die Mikrofone. Der mediale Ablauf ist detailliert vorgeschrieben. Und bei allem Lob, das D/A bisher einheimste – da bekam Behrmann im vergangenen Jahr einen Rüffel. Denn TAGEBLATT-Redakteure interviewten unerlaubt D/A-Spieler, bevor diese vors Fernsehmikrofon treten konnten.

Quelle: Stader Tageblatt