Stig Hartig ist auf dem Weg zur festen Größe

DROCHTERSEN. Rigo Gooßen ist jetzt schon ein Fan von Stig Hartig. Die Saison in der Fußball-Regionalliga hat noch gar nicht begonnen, da sagt der Präsident der SV Drochtersen/Assel dem 18-jährigen Neuzugang schon eine rosige Zukunft voraus.

Gooßen ist sich sicher: Hartig werde sich in zwei Jahren bei D/A etabliert haben. Spätestens.

Beim Testspiel gegen den Oberligisten VfR Neumünster beackert Stig Hartig die rechte Angriffsseite. Hartig ist klein, aber schnell. Mit kurzen Schritten beschleunigt der 18-Jährige, rennt, dribbelt und geht in jeden Zweikampf. Einem Gegenspieler rammt er den Unterarm unsanft gegen die Kinnlade. Der Schiedsrichter sieht es nicht. Der Ball klebt Hartig förmlich am Fuß. Angst vor der Herausforderung bei D/A? Hat er nicht. Respekt vor 1,90 Meter großen Schränken, die sich ihm in den Weg stellen? Spürt er nicht. Da ist auch der Drochterser Trainer Lars Uder angetan. „Er präsentiert sich richtig stark. Er strahlt beim Fußball Freude aus“, sagt Uder über Hartig. Hartig sauge alles auf, wirke demütig, geerdet, aber motiviert. „Wir haben ihn geholt, damit er sich in Drochtersen entwickeln kann“, sagt Uder.

Stig Hartig stammt aus Wenzendorf in der Nähe von Buchholz. Seine Mutter hat deutsch, dänische und norwegische Wurzeln. Daher der Vorname. Kicken lernte Hartig unter anderem beim TSV Eintracht Immenbeck, beim JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen und in Eimsbüttel. Dort spielte er zuletzt in der Saison 2017/2018 in der Jugend-Bundesliga. Die letzten zwölf Monate verbrachte Hartig in einer internationalen Fußballakademie im spanischen Malaga. Sein Spanisch ist nicht schlecht. Sein Englisch besser. „Ich mag es, neue Sachen kennenzulernen“, sagt Hartig. Das eine Jahr im Ausland haben ihn reifer gemacht. „Unabhängig“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, ich kann alles selbst schaffen“, sagt er auch.

Hartig träumt vom bezahlten Fußball

Dieses Selbstvertrauen zeigt Hartig auf dem Platz. „Ich möchte mal so hochklassig spielen wie möglich“, sagt Hartig. Mit seinen 18 Jahren träumt er noch vom bezahlten Fußball. Warum auch nicht? In Drochtersen scheinen sie ihm für das Großwerden im fußballerischen Sinne Zeit zu geben. Er möchte sich jedenfalls so schnell etablieren wie möglich. Der Verein hat den Offensivspieler mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausgestattet.

Hartig soll im Training der Regionalligamannschaft lernen und das Gros seiner Spielanteile zunächst in der zweiten Mannschaft in der Landesliga sammeln. „Ich möchte mich verbessern“, sagt Hartig über sein persönliches Ziel. Er merke jetzt schon, dass er viel gelernt habe. Er schaue sich bei den erfahrenen Spielern einiges ab. Und er leiste sich Fehler. Ein Luxus der jungen Talente, die noch den Welpenschutz eines Jugendspielers genießen. „Ich mache die Fehler gern, weil sie mich weiterbringen“, sagt Hartig. Das klingt irgendwie weise. Bei D/A sei alles viel körperlicher, sagt Hartig. Aber das schaffe er, er werde schon besser.

Mit 16 Jahren zog Hartig zu Hause aus. „Manchmal vermisse ich meine Familie“, sagt er. Vor seinem Aufenthalt in Spanien sagte er sich manchmal, Malaga sei nicht eben um die Ecke. Er habe die Spanier aber lieb gewonnen. Letztendlich sei ihm der Wechsel nach Drochtersen aber leicht gefallen. Den Verein lernte er bei einem einwöchigen Probetraining kennen, für das er extra einflog. Dann herrschte Vorfreude. „Die hält immer noch an“, sagt Hartig.

Er wohnt in einer D/A-Wohngemeinschaft

Der Kern seiner Ersatzfamilie lebt jetzt in Assel. Stig Hartig zog in eine D/A-Wohngemeinschaft. Sung-Hyun Jung, Finn Zeugner, Alexander Shehada, Marco Schuhmann und Hartig wohnen in fünf Zimmern zusammen. Während der Schulferien haben einige der Jungs Probleme, dort die Zeit totzuschlagen. „Sung hat heute an meine Tür geklopft, nachdem er Curry-Huhn mit Reis gekocht hat“, sagt Hartig. Die Fünf stellten gerade erst einen Putzplan auf. „Eine nette Truppe“, sagt Hartig. Nach den Ferien steigt er an der Elbmarschenschule in Drochtersen in die zwölfte Klasse ein und bereitet sich nebenbei auf sein Abitur vor. Biologie, Mathematik, Englisch, Politik und Sport stehen am Ende auf dem Prüfungsplan.

D/A musste reagieren und den Kader verjüngen. Regionalligisten sind verpflichtet, mindestens vier Spieler pro Spiel im Kader aufzubieten, die nicht älter sind als 23 Jahre. Selbst die jungen Spieler wie Jannes Elfers oder Jasper Gooßen sind jetzt aus diesem Alter rausgewachsen. D/A verpflichtete sieben Spieler, die dieses Kriterium erfüllen. Der mit viel Selbstvertrauen ausgestattete Hartig als Jüngster sieht sich aber offenkundig nicht nur als Quotenspieler.

Quelle: Stader Tageblatt