D/A verliert durch ein fragwürdiges Tor mit 0:1

DROCHTERSEN. Die Regionalliga-Fußballer der SV Drochtersen/Assel dominieren den Favoriten aus Flensburg, nutzen ihre Chancen aber nicht und verlieren mit 0:1. Und das Gegentor ist dabei auch noch alles andere als eindeutig, eher fragwürdig.

Die Schlussphase der zuvor unterhaltsamen zweiten Halbzeit ist aufgeheizt. Das Schiedsrichtergespann hat die 700 Zuschauer im Kehdinger Stadion gegen sich aufgebracht, die D/A-Fußballer spielen mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und versuchen verzweifelt, noch den Ausgleich zu erzielen. Zumindest das. Den eigentlich verdienten Sieg haben sie in den 85 Minuten zuvor durch eigenes Unvermögen und Pech beim Torabschluss verspielt. Und in der 87. Minute folgt die sehr fragwürdige Schiedsrichterentscheidung auf Gegentor, so ist selbst der Punktgewinn gegen den amtierenden Meister futsch. „22 Leute sagen, das war kein Tor. Nur einer läuft völlig überzeugt zur Mittellinie“, sagt D/A-Trainer Lars Uder bei der Pressekonferenz leicht sarkastisch über die spielentscheidende Szene.

Das ist geschehen: Die Drochterser dominieren die zweite Halbzeit. Weiche Flensburg ist nach hinten raus tatsächlich nur durch zwei weite Einwürfe in den Strafraum ansatzweise gefährlich. Dann bekommt Flensburg in der besagten 87. Minute noch eine Ecke. Weiche-Kapitän Christian Jürgensen kommt nach Verlängerung am langen Pfosten zum Kopfball, D/A-Torhüter Patrick Siefkes kann den Ball noch an die Unterlatte klatschen und faustet den Ball anschließend im Fallen weg. Die fassende Angespanntheit auf der Haupttribüne weicht unmittelbar einer wütenden und aufgebrachten Ungläubigkeit. Der Linienrichter will den Ball im vollen Umfang hinter der Linie gesehen haben. Der Schiedsrichter entscheidet daraufhin auf Tor. Siefkes ist fassungslos, läuft zum Linienrichter und sieht aufgrund seines lautstarken Reklamierens die Gelbe Karte. Die Zuschauer schreien „Schieber, Schieber“. Wenige Minuten später muss das Schiedsrichtergespann geschützt von einigen Ordnern zu den Kabinen geführt werden und muss sich von den frustrierten Fans noch so manches anhören.

Meisterschaftsanwärter „an die Wand gespielt

D/A-Präsident Rigo Gooßen findet nach dem Spiel deutliche Worte: „Es ist ein Trauerspiel, was wir uns in vielen Spielen von den Schiedsrichtern angucken müssen.“ Die Schiedsrichterleistung sei schon vor der fragwürdigen Entscheidung alles andere als gut gewesen, und die Linienrichter hätten davor nur sehr wenig gesehen. Bei aller Aufgeregtheit weiß aber auch Gooßen, dass D/A in diesem Spiel „die Qualität beim Toreschießen fehlte“. Und er merkt an, dass die Mannschaft trotz dieser Niederlage stolz darauf sein könne, dass sie einen Meisterschaftsanwärter „an die Wand gespielt hat“.

D/A-Trainer Uder ist trotz dieses ärgerlichen Punktverlustes sehr reflektiert. Er weiß, dass es gar keine Diskussionen um die fragwürdige Entscheidung gegeben hätte, wenn seine Mannschaft 3:0, 4:0 geführt hätte. Aber das ist halt das Fußballgesetz, dass die Mannschaft, die ihre Chancen nicht nutzt, bestraft wird. Und D/A hat echte Großchancen versiebt.

Das Spiel: Flensburg, der amtierende Meister, ist als Titelverteidiger des schleswig-holsteinischen Landespokals schon wieder ins Finale eingezogen. Im DFB-Pokal hat Weiche zudem die zweite Runde erreicht und erwartet nach dem 1:0-Sieg über den VfL Bochum nun Werder Bremen.

D/A begegnet dem Favoriten mit einer defensiven Fünferkette, wobei die Außen Julian Stöhr und Hassan El Saleh bei eigenen Angriffen weit aufrücken. Beide sorgen für Entlastungen und Torgefahr. Uder lobt die Leistung von Verteidiger Stöhr nach dem Spiel als „unglaublich und überragend“. D/A ist ebenbürtig und hat in der ausgeglichenen ersten Halbzeit schon die besseren Chancen. In der 23. Minute verpassen nach einer feinen Vorarbeit von Stöhr erst Jan-Ove Edeling und dann El Saleh die Führung. In der 30. Minute rauscht ein Kopfball von Stöhr nach Freistoß von Till Hermandung ganz knapp übers Tor. In der 34. Minute muss Weiche-Torhüter Florian Kirschke sich ordentlich strecken, nachdem Jasper Gooßen einen Hammer ausgepackt hat. Im Gegensatz dazu hat D/A-Torhüter Siefkes bis auf eine Schrecksekunde in der ersten Minute wenig aufregende 45 Minuten. In der ersten Minute musste er sich per Hechtsprung eine Kopfballrückgabe von Nico Mau schnappen. Der heranstürmende Nico Empen erwischte Siefkes dabei an der Hand.

Beste Chancen vergeben

Uder reagiert in der Pause. Er bringt Alexander Neumann für Hermandung und Sung Hyun Jung für Edeling. „Ich habe die Mannschaft in der Pause noch einmal an unseren Plan erinnert“, sagt der Trainer. Und D/A macht in der Folge richtig Alarm, gewinnt die Bälle wesentlich früher und baut ordentlich Druck auf. Allerdings vergeben die Drochterser ihre Chancen fast im Minutentakt. Oft mangelt es an der entscheidenden Präzision beim druckvollen und schnellen Kombinationsspiel. D/A kommt aber auch zu sogenannten Hundertprozentigen. Stöhr trifft den Pfosten, nachdem er selbst einen Angriff eingeleitet hatte. Gooßen schießt frei vorm Tor nach einem Querpass von Oliver Ioannou nur den Torhüter an, und Stöhr schiebt den abgewehrten Ball am leeren Tor vorbei. Viele weitere Abschlüsse werden von den Flensburgern immer wieder geblockt. Es soll nicht sein. Gooßen, der nicht nur bei der Riesenchance ein Tor auf dem Fuß gehabt hat, holt sich mit Wut im Bauch in der Schlussphase noch in kürzester Zeit Gelb-Rot ab. Ein Spiel zum Vergessen aus D/A-Sicht.

Flensburgs Trainer Daniel Jurgeleit hat die Sicht des glücklichen Gewinners: „Wir haben nicht gut gespielt und D/A hat gut gespielt, aber den Treffer nicht gemacht.“ Das eine Mannschaft in so einem Spiel dann noch ein Tor durch einen Standard macht, kann eben immer passieren. „So ist Fußball“, sagt Jurgeleit.

Die Statistik

Tor: 0:1 (87.) Jürgensen

Gelb-Rote Karte: Gooßen (D/A, 90+2.)

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Stöhr, Kleine, Fiks, Mau, El-Saleh, Andrijanic, Ioannou, Gooßen, Hermandung (46. Neumann), Edeling (46. Jung)

SC Weiche Flensburg 08: Kirschke, Njie, Thomsen, Jürgensen, Wirlmann, Hartmann (68. H. Ostermann), Ibekwe, Keller (13. J. Ostermann), Isitan, Empen (58. Paetow), Noel

Schiedsrichter: Patrick Mewes: Assistenten: Kevin Dickscheid, Tobias Zunker

Zuschauer: 700

Nächstes Spiel: VfB Oldenburg – D/A (So., 28. Oktober, 14 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt