D/A besiegt VfB Lübeck: Etwas Glück und vorne Andrijanic

DROCHTERSEN. Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat einen Großen der Liga in die Knie gezwungen. Vor 1114 Zuschauern besiegten die Kehdinger den VfB Lübeck am Freitagabend mit 2:1. Marcel Andrijanic erzielte dabei seine Saisontore Nummer fünf und sechs.

D/A-Präsident Rigo Gooßen tänzelt nach der Musik von Reinhard Mey leichtfüßig über die Tartanbahn im Kehdinger Stadion und summt das „Über den Wolken“ glücklich mit. So fühlt er sich auch. Er habe erwartet, den Zorn des VfB Lübeck zu spüren nach dessen mageren Auftritt beim 0:0 in Rehden. Aber D/A habe mal wieder sein zweites Gesicht gezeigt, das bissige, das kämpferische. Gooßen holt den Mann des Tages nach vorne. Den Doppeltorschützen Marcel Andrijanic. „Das ist seine Saison. Er lebt auf und schießt auch noch Tore“, sagt Gooßen über den torgefährlichen Mittelfeldspieler.

Der Sieg war ein hartes Stück Arbeit. In der Anfangsphase agierte die Drochterser Defensive um Dimitri Fiks, Nico Mau und Laurens Rogowski nervös. D/A hatte Glück in der dritten Minute, als der Lübecker Cemal Sezer nach einem Patzer von Rogowski knapp über das Tor schoss. Zwei Minuten später verlor Linksverteidiger Julian Stöhr den Ball an der eigenen Torauslinie und machte die Situation brandgefährlich. Nach einer Flanke streifte der Kopfball von Sezer knapp am linken Pfosten vorbei. Rogowski sah früh die Gelbe Karte für ein taktisches Foul auf der rechten Außenbahn. Sein Gegenspieler war mit mehr PS unterwegs und ihm entwischt.

VfB fehlt Kreativität

Die Gastgeber brauchten lange, um ins Spiel zu finden, und versuchten, vor allem über die Außenpositionen Konter zu fahren. Selten blitzte zunächst die nötige Kreativität auf. Auch wenn Till Hermandung, Marcel Andrijanic und Jasper Gooßen im zentralen Mittelfeld mit kurzen Pässen schnell agierten. Am Lübecker Strafraum war Schluss. Die erste gute Gelegenheit hatte D/A in der 19. Minute. Nach einer Flanke von Oliver Ioannou köpfte Gooßen den Ball aus elf Metern über die Latte.

Der Favorit und Tabellenzweite aus Lübeck schlug aus seinen Möglichkeiten in der 21. Minute Kapital. Nach einer Flanke von der rechten Seite schoss Kresimir Matovina den VfB mit einem Aufsetzer in Führung. D/A-Schlussmann Patrick Siefkes war chancenlos. Rogowski versuchte noch, den Ball von der Linie zu köpfen, kam aber Bruchteile von Sekunden zu spät.

Nach 30 Minuten findet D/A ins Spiel

Nach der Führung zeigten die Gäste, wie einfach Fußball funktionieren kann. Über drei Stationen überbrückten sie das Drochterser Mittelfeld. Florian Riedel spielte eine Flanke in den Strafraum. Sezer legte für Yannick Deichmann mit der Brust auf. Deichmann nahm den Ball direkt und verzog nur um Zentimeter.

Nach einer halben Stunde spielten die Drochterser dominanter und zielstrebiger. Der sprintstarke Julian Stöhr entwischte seinem Gegenspieler auf der linken Seite und bediente Alexander Neumann mit einer genauen Flanke. Neumann zog direkt ab, verfehlte aber knapp das Tor. Der Torschütze vom Dienst bei D/A, Marcel Andrijanic, hatte sein Visier in der 31. Minute besser eingestellt. Nach einem hohen Ball von Oliver Ioannou, verlängerte Nico Mau per Kopf. Andrijanic nickte schließlich ein und erzielte bereits sein fünftes Saisontor.

Franziskus verzieht knapp

Gerade, als sich D/A berappelt hatte und auf dem Platz das Kommando übernahm, hätte Lübeck in Führung gehen können. Kurz vor dem Halbzeitpfiff verzog Daniel Franziskus um Haaresbreite.

Dass Lübeck zu den heißesten Titelanwärtern gehört, zeigte die Mannschaft von Trainer Rolf Landerl eindrucksvoll nach Wiederanpfiff. Der VfB agierte mit Wucht und viel Tempo. D/A lief regelmäßig hinterher. Daniel Franzikus scheiterte nach 55 Minuten nach einer Flanke von Florian Riedel an der Latte. Zwei Minuten später kratzte Hassan El Saleh den Ball nach einem Schuss von Yannick Deichmann von der Linie.

D/A begeistert mit Effektivität

Mitte der zweiten Hälfte kam D/A wieder richtig gefährlich vor das Lübecker Tor. Nach einer Kombination über Till Hermandung und Oliver Ioannou auf der rechten Seite kam Hermandung aus spitzem Winkel selbst zum Abschluss. Sein Schuss war für Keeper Kevin Tittel aber kein Problem. Dann begeisterte Drochtersen die Zuschauer allerdings mit gnadenloser Effektivität. Hassan El Saleh, Till Hermandung und Jasper Gooßen wirbelten auf der linken Seite und brachten Marcel Andrijanic in Schussposition. Der lief mit dem Ball am Fuß noch einige Meter an der Strafraumgrenze entlang und zog dann aus 16 Metern unhaltbar ab. „Wir haben uns voll reingeworfen. Gegen Lübeck nichts zuzulassen, ist schwer“, sagt Andrijanic.

In der Schlussphase ging es noch einmal hitzig zu. D/A warf seine ganze Kraft in die Defensivarbeit. Nur vereinzelt kam das Team zu Kontern, spielte die schnellen Angriffe aber zu ungenau. Am Ende reichte es durch eine Energieleistung. Der Favorit hatte sich an D/A die Zähne ausgebissen. Vor und im eigenen Strafraum stand die Defensive gut gestaffelt. Allerdings ließ das Team viele Flanken zu. „Wir hatten ein paar Mal Glück und ein paar Mal Siefkes“, sagt Trainer Lars Uder. Drecksarbeit habe seine Mannschaft verrichtet. Nach hinten und nach vorne. Und das zu weit mehr als 100 Prozent.

Die Statistik zum Spiel

Tore: 0:1 (21.) Matovina, 1:1 (31. Andrijanic, 2:1 (71. Andrijanic)

SV D/A: Siefkes, Stöhr, Mau, Fiks, Rogowski, El Saleh, Andrijanic, Ioannou, Gooßen (90.+2 Kleine), Hermandung (90. Jung), Neumann (89. Edeling).

VfB Lübeck: Tittel, Riedel, Halke, Grupe, Nogovic, Deichmann (80. Dippert), Mende, Arslan, Matovina, Sezer (80. Löffler), Franziskus.

Schiedsrichter: Timo Hippel, Assistenten: Sebastian Berger, Sebastian Schiller

Zuschauer: 1114

Nächstes Spiel: SV Drochtersen/Assel – SC Weiche Flensburg (So., 21. Oktober, 15 Uhr, Kehdinger Stadion, Drochtersen)

Quelle:Stader Tageblatt