Trübe Stimmung trotz des Höhenflugs bei D/A

DROCHTERSEN. Die Fußballer der SV Drochtersen/Assel trennen sich am Sonntag vor 640 Zuschauern im Kehdinger Stadion 2:2-Unentschieden von einer der besten Mannschaften der Regionalliga Nord, Holstein Kiel II, und blasen nach dem Abpfiff Trübsal.

Kaum ein Lächeln huscht über die Gesichter der Spieler. Dabei legt der Verein gerade seinen besten Saisonstart seit der Regionalligazugehörigkeit hin.

Da muss D/A-Präsident Rigo Gooßen erstmal intervenieren. Das macht er via Mikrofon auf der Tartanbahn so laut und deutlich, dass ganz Drochtersen etwas von seiner Ansprache hat. Gooßen redet von einer „überragenden Leistung“. Er zollt „seinen Arbeitern“ Respekt. Mit einem verschmitzten Lächeln sagt er später leise, dass er die Livetabelle zur Halbzeitpause schon genossen hat. Da stand D/A aufgrund der 1:0-Führung noch am Platz an der Sonne. Nach 90 Minuten gegen Holstein Kiel II und nach drei weiteren Toren auf beiden Seiten belegen die Kehdinger schließlich Rang sechs am Ende des achten Spieltags.

Auch nicht so schlecht. 14 Punkte nach acht Spielen hatte D/A noch nie auf dem Konto, seit der Club im Jahr 2015 in die vierthöchste deutsche Spielklasse aufgestiegen ist. Selbst im Jahr eins nach dem Aufstieg, in der bislang erfolgreichsten Saison, an der am Ende Rang vier stand, waren es nach acht Partien nur elf Zähler.

„Mit dem 0:1 zur Halbzeit waren wir gut bedient“

Marcel Andrijanic köpft D/A in der achten Spielminute nach einer Ecke von Florian Nagel gegen Kiel vorübergehend an die Tabellenspitze. Kiel stellt bei diesem Standard das Verteidigen ein und lässt Andrijanic gewähren. Torwart Timon Weiner macht keine großen Anstalten, den Aufsetzer aus der linken unteren Ecke zu kratzen. Jasper Gooßen scheitert wenig später an Weiner und hat im Anschluss Pech, dass Tjorve Nils Mohr seinen Schuss aus Nahdistanz im letzten Moment noch abblocken kann. Drochtersens Till Hermandung legte für Gooßen auf. Hermandung zeigt in seinem vierten Spiel von Anfang an eine starke Leistung im zentralen Mittelfeld. Im ersten Durchgang gibt nur Felix Niebergall einen gefährlichen Schuss auf das D/A-Tor ab. Für die Gäste ist die Zweikampfhärte und die Laufbereitschaft der Drochterser zunächst zu intensiv. Das gesteht selbst Kiels Trainer Ole Werner nach dem Schlusspfiff ein. „Mit dem 0:1 zur Halbzeit waren wir gut bedient“, sagt Werner.

Nach dem Seitenwechsel spielen die Gäste gefälliger. D/A verliert zunächst die Kontrolle. Noah Awuku hält seinen Kopf in die Flugbahn des Balles und erzielt in der 53. Minute etwas glücklich den Ausgleich. Awukus und Laurynas Kulikas vergeben nach etwas mehr als einer Stunde zwei Hochkaräter kurz hintereinander.

Torhüter mit tödlichem Pass

Torhüter sind in der Regel nicht für den sprichwörtlichen tödlichen Pass zuständig, der zum Torerfolg führt. D/A-Schlussmann Patrick Siefkes kann sich einen sogenannten Assist für diese Saison ins Stammbuch eintragen. Denn sein langer Ball fliegt in der 68. Minute an den schläfrigen Kieler Innenverteidigern vorbei und landet direkt im Lauf von Florian Nagel. Drochtersens Kreativspieler lässt beim Abschluss die feine Klinge weg und wuchtet den Ball unter die Latte. 2:1.

D/A hat in dieser Saison offenbar das Toreschießen für sich entdeckt. Zwölf Tore nach acht Spielen sind jetzt nicht überragend, aber für Kehdinger Verhältnisse rekordverdächtig. Nie haben die Drochterser bis zu diesem Zeitpunkt mehr Treffer erzielt. Vor zwei Jahren waren es sogar nur drei. Florian Nagel hätte diese Statistik am Sonntag sogar noch aufmotzen und das Spiel gegen Holstein Kiel womöglich vorentscheiden können. Aber bei einem Konter in der 72. Minute scheitert er zunächst freistehend an Timon Weiner und im Nachschuss an der Querlatte.

Dass sich das Vergeben von Chancen rächt, gilt im Fußball als ungeschriebenes Gesetz. Kiel rächt sich in Person von Laurynas Kulikas zehn Minuten vor dem Abpfiff.

Vielleicht senkt der späte Ausgleich die Stimmung. „Das ist nicht unser Anspruch“, sagt D/A-Trainer Lars Uder. Drochtersen wolle schließlich jedes Heimspiel gewinnen. D/A habe 80 Prozent der Partie bestimmt, immer wieder Chancen kreiert. „Davon müssen wir eine nutzen“, sagt Uder. Womöglich schlägt aber auch die personelle Lage aufs Gemüt. Der Kreuzbandriss von Sven Sören Zöpfgen nimmt die Mannschaft arg mit. Stürmer Alexander Neumann plagt sich mit Hüftproblemen und stand gegen Kiel nicht im Kader. Jannes Elfers muss früh das Spielfeld verlassen, wegen muskulärer Probleme. Bei Marcel Andrijanic ist es nach nicht einmal einer Stunde das Knie.

 

 

Marius Winkelmann verabschiedet sich nach zwei Jahren.

Ein weiteres Ereignis veranlasst weit nach dem Abpfiff auch nicht zu Freudentänzen. Rigo Gooßen verabschiedet Mittelfeldspieler Marius Winkelmann nun offiziell. Den Mann, der „immer da war, immer Einsatz gezeigt hat und zwei überragende Jahre gespielt hat“, sagt Gooßen über den 27-Jährigen, der am 1. Oktober ins Berufsleben einsteigt und nur noch nebenbei beim TV Oyten in der Bezirksliga kicken will. Winkelmann wird Journalist und berichtet für die „Deichstube“ von der Kreiszeitung Syke vornehmlich über Werder Bremen. Er werde bei seinem fußballerischen Hintergrund wohl eher ein kritischer Berichterstatter werden, sagt Winkelmann. Schon als Aktiver sei er mit seiner Leistung nie zufrieden gewesen. Das passt irgendwie zur derzeitigen Stimmung bei D/A.

Die Statistik

Tore: 1:0 (8.) Andrijanic, 1:1 (53.) Awuku, 2:1 (68.) Nagel, 2:2 (80.) Kulikas

SV D/A: Siefkes, El Saleh, Rogowski, Fiks, Behrmann, Elfers (43. Stöhr), Mau, Nagel (77. Ioannou), Hermandung, Gooßen, Andrijanic (54. Edeling)

Holstein Kiel II: Weiner, Mohr (62. Braun), Fleckstein, Foit, Born, Pernot (58. Voß), Awuku (79. Abrahamyan), Siedschlag, Niebergall, Sander, Kulikas

Schiedsrichter: Florian Pötter – Assistenten: Daniel Gawron, Adrian Höhns

Zuschauer: 640

Nächstes Spiel: VfL Wolfsburg II – SV D/A (Sbd., 8. September, 13 Uhr)

Alle 4 Tore, sowie weitere Highlights des Spiels HIER (FuPa.net)

Quelle: Stader Tageblatt