Danny Berner hält seinen Schädel hin

HARSEFELD. Der 1:0-Siegtreffer fällt in der Nachspielzeit. So willenstark und kraftvoll wie er zuvor zum Kopfball hochging, so kraftvoll lässt Torschütze Danny Berner nun alle aufgestauten Emotionen raus. Fußball-Landesligist TuS Harsefeld besiegt D/A II.

Gastgeber TuS Harsefeld hat in dem Landesliga-Derby gegen die zweite Mannschaft der SV Drochtersen/Assel mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Ballbesitz, aus dem kaum Torchancen kreiert werden. Es fehlen die Ideen, es fehlt das Tempo.

Da ist nämlich eine Drochterser Mannschaft, die in den beiden Spielen zuvor eine 0:6- sowie eine 1:5-Packung kassierte und die nun mit einer Fünfer- und Viererkette Beton anmischt. Routinier Benjamin Zielke organisiert die Abwehr, Regionalliga-Perspektivspieler Niklas Hadaschik und Lukas Hatecke wühlen und stopfen Löcher im Zentrum davor. Die erste Großchance hat sogar D/A II. Schon in der zweiten Minute verstolpert Daniel Gröne am kurzen Pfosten vorm TuS-Tor. Dann wäre es wohl ganz schwer für die Harsefelder geworden.

Nach dem Spiel tauschen sich TuS-Trainer Dennis Mandel und D/A-Trainer Hannes Schulz aus. Mit dem Sieg im Rücken kann Mandel gönnerhaft-gelassen loben – er hat den Konjunktiv als Freund: Hätte D/A-Stürmer Paul Meyer seine beiden Chancen genutzt, wäre die Taktik von D/A wohl aufgegangen, sagt er zu Schulz. Meyer nutzt eine aussichtsreiche Konterchance nicht, und bei seinem Kopfball aus kurzer Distanz rettet TuS-Torhüter Fabiano Curia per starken Reflex. So bleibt D/A-Trainer Schulz nur die Erkenntnis: „Wir haben heute vieles richtig gemacht, was wir vorher falsch gemacht haben.“ Oberste Priorität sei es freilich gewesen, hinten sicher zu stehen. Das habe gut geklappt. Und weil der TuS Harsefeld bei seinen Angriffsbemühungen auch immer die eigene Absicherung nach hinten haben wollte, konnte der Gastgeber nicht die nötige Wucht entfalten, um das D/A-Bollwerk zum Bröckeln zu bringen.

Allerdings ist der TuS Harsefeld zumindest mit seinen Standards gefährlich. Nico Osuch gibt nach einer Viertelstunde einen ersten Warnschuss ab, aus zweiter Reihe nach einem abgewehrten Eckball. Eine feine Freistoßvariante wird geblockt. Ein wuchtiger Freistoß von Patrick Reis wird abgefälscht, das ist ganz, ganz knapp. Der eingewechselte Rabii Msalemi, neben Torhüter Dushan Pavlov, Bilali Paraiso und Fadi Hamze auch vom Buxtehuder SV gewechselt, hebt sogleich zu einem sehenswerten Flugkopfball ab, den D/A-Spieler Lennart Lünstedt am langen Pfosten auf der Linie klärt. Dann verzieht noch Paraiso aus kurzer Distanz und bei einem Distanzschuss von Henry Sung darf D/A-Torhüter Tobias Dreyer eine feine Flugeinlage zeigen. Damit ist die reguläre Spielzeit abgelaufen. Der Schiedsrichter zeigt zwei Minuten Nachspielzeit an.

„Da hatte ich mich natürlich auf die Punkteteilung eingestellt“, sagt D/A-Trainer Schulz, „aber da hatte Berner was dagegen.“ TuS-Mannschafts-Kapitän Danny Berner hatte in der vergangenen Saison versucht, bei der Regionalligamannschaft von D/A Fuß zu fassen, spielte aber letztlich für die Landesligamannschaft von Schulz. Nach dem Gastspiel ist der Abwehrhüne nun wieder zurückgekehrt zum TuS Harsefeld. Sein wilder, kraftvoller Jubel nach dem Siegtreffer habe aber nichts damit zu tun gehabt, dass er gegen D/A II getroffen hat, so Berner. „Da sind einfach nur alle aufgestauten Emotionen rausgekommen“, sagt Berner. Er habe das Gefühl gehabt, dass seine Mannschaft mehr gegen sich selbst gekämpft hatte. „Auf unserem Kartoffelacker kann man einfach keinen Fußball spielen“, kritisiert Berner, das könne der TuS nämlich eigentlich. Zudem hatte er schon zwei Kopfballchancen zuvor vergeben. „Jetzt hab’ ich meinen Schädel hingehalten und der Ball ging rein.“ Der Sieg. Letztlich verdient, dank Berners Wille und weil der TuS mehr investierte und überlegen war.

Die Statistik

Tor: 1:0 (90.) Berner

TuS Harsefeld: Curia, Reis, Paraiso, Berner, D. Osuch (67. Ehrlich), Karsten, N. Osuch, Sung, Sylla (73. Msalemi), Hamze (53. Kocmarsky), Schawaller

SV Drochtersen/Assel II: Dreyer, Lünstedt, Pathjens, B. Zielke, Giwah, Hammermeister, Hatecke, Hadaschik, Breede (69. Berliner), D. Gröne (62. Kötz), Meyer (78. N. Junge)

Zuschauer: 120

Nächste Spiele: TSV Winsen/Luhe – Harsefeld; D/A II – VfL Güldenstern Stade (beide So., 9. September, 15 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt