Hermandung hat sich im hohen Norden akklimatisiert

DROCHTERSEN. Der hohe Norden ist ein wenig exotisch für Till Hermandung. Und auch die Station SV Drochtersen/Assel ist für den Regionalligaspieler in seiner noch kurzen Laufbahn eine neue Entdeckung. Trotzdem hat er sich schnell ins Team gespielt.

Till Hermandung (20) kommt leicht angeschwitzt aus dem Fitnessstudio des Elbstrand Resort auf Krautsand. Zu seinem Ferienapartment, in dem er während seiner D/A-Zeit wohnen wird, sind es nur wenige Meter. Er sitzt entspannt auf seinem Balkon und stellt lächelnd fest: „Boah, dieser Wind hier.“ Der bläst stark. Jetzt stört er nicht. Aber Hermandung denkt diesbezüglich schon an den nahenden Winter. Das wird kalt.

Aber die Gegend hier gefällt dem Fußballer aus Südwestdeutschland, der während seiner Zeit beim Regionalligisten SV Elversberg auch schon in Frankreich lebte. „Der Elbstrand ist schön“, sagt Hermandung. Zwar könne man hier auf Krautsand nicht so viel machen. Aber wenn ihm mal langweilig sein sollte, fahre er halt nach Hamburg. Da war er mittlerweile schon ein paar Mal. „Geile Stadt.“

Noch drei Stunden bis zum Training. Daran musste Hermandung sich gewöhnen, das kannte er so noch nicht. „Zu der Zeit habe ich sonst gegessen oder lag schon auf dem Sofa“, erzählt er und lächelt. Auch dass seine Teamkollegen bei D/A neben dem leistungsorientierten Fußball arbeiten oder studieren, hat Hermandung auf seinen bisherigen Stationen so noch nicht kennengelernt. „Schon krass, was manche hier leisten“, sagt er. Diesbezüglich sei die komplette Regionalliga Nord nicht zu vergleichen mit denen im Süden, wo alle Vereine wesentlich professioneller aufgestellt sind.

Saison zum Vergessen

Bei seiner vergangenen Station, Elversberg, waren alle Vollzeit-Fußballer. Es wurde zwei Mal am Tag trainiert. Zwei Jahre war Hermandung dort. „Das zweite Jahr war zum Vergessen“, sagt er. Er hatte gestandene Drittliga-Profis vor sich und spielte keine Rolle. Im ersten Jahr die Füße stillzuhalten, fiel ihm leicht. Er war aus der U19-Bundesligamannschaft des SC Freiburg („gutes Klima, sehr schöne Zeit“) gekommen und musste sich erstmal empfehlen. Zumal Elversberg erfolgreich war, Meister wurde und die Drittligarelegation gegen Unterhaching spielte.

Ausgebildet wurde Hermandung, dessen Familie in Trier lebt, bei Eintracht Trier. Dort war auch D/A-Trainer Lars Uder einst einer seiner Ausbilder. Im ersten A-Jugendjahr schaffte Hermandung zur Rückserie mit 17 Jahren schon den Sprung in die Regionalligamannschaft, hatte elf Einsätze und kam zu einer Nominierung für einen Lehrgang mit der Junioren-Nationalmannschaft.

Nun also ist er im Norden bei der SV Drochtersen/Assel gelandet. Vorläufig für ein Jahr. „Ich bin ganz ehrlich“, sagt Hermandung, „bevor Lars (Uder, Anm. d. Red.) anrief, kannte ich D/A nicht.“ Hermandung hatte noch andere Angebote und ließ sich bis kurz vor Schließung des Transferfensters für die Entscheidung Zeit. „Ausschlaggebend war letztlich ganz klar, dass ich mit Lars den Trainer kenne“, sagt Hermandung. Und dass Uder ihm klar erzählt habe, welchen Fußball er spielen lassen will. Und dass Uder ihm von der Mannschaft nur Positives berichtet hat. Hermandung wurde nicht enttäuscht. „Ich wurde super aufgenommen“, sagt er. D/A sei tatsächlich so familiär, wie alle sagen. „Ich hatte das Gefühl, ich kenne gleich jeden Fan“, sagt Hermandung. Das findet er „irgendwo beeindruckend“. „Das ist im Fußball nicht mehr normal.“

Glücksgriff für D/A

Hermandung kann nach jetzigem Stand als Glücksgriff genannt werden. Uder wusste, „wer da kommt“, wie er sagt. Er konnte sich durch seine guten Kontakte bei Eintracht Trier, Freiburg und Elversberg sowie beim Verbandstrainer über Hermandung informieren. Der 20-Jährige hat sich nach der Verletzung von Sven Sören Zöpfgen gleich im zentralen Mittelfeld etabliert. Das sei seine Position. Er habe gern den Ball. Einfach machen, mutig sein, ist seine Devise. „Ich will Fußball spielen“, sagt er. Dafür, dass er in der vergangenen Saison gar nicht gespielt hat, sei er gut reingekommen bei D/A. Da sei aber noch viel Luft nach oben. Im vergangenen Spiel überzeugte Hermandung auch auf Linksaußen inklusive des ersten Tores. „Das Selbstvertrauen kommt zurück in jeder Aktion, je mehr man spielt“, sagt er.

Hermandung konzentriert sich diese Saison nur auf Fußball. „Ich kenne das ja nicht anders“, sagt er. Nur muss er jetzt viel für sich selbst machen. Erst 16 Uhr, noch drei Stunden bis zum Training.

Das HSV-Spiel

Am Freitag spielt D/A beim Hamburger SV II, Anpfiff 19 Uhr. Die Bundesligareserve ist im Aufwind, hat die letzten beiden Spiele deutlich gewonnen (5:0 Havelse, 3:0 LSK). Davor hatte der HSV II viermal in Folge verloren.

Quelle: Stader Tageblatt