Fußballgott Olaf Marschall brachte D/A kein Glück

Die Regionalliga-Fußballer der SV Drochtersen/Assel haben das Heimspiel gegen Werder Bremen II mit 0:2 verloren. Und das, obwohl mit Olaf Marschall ein echter Fußballgott auf der Tribüne saß.

Das Ergebnis täuscht: Vor 900 Zuschauern zeigten die Gastgeber bei idealen Fußballbedingungen um die 20 Grad einen ansprechenden Fußball. Trainer Lars Uder musste verletzungsbedingt umstellen: Für den am Knie beim Pokalspiel gegen die Bayern schwer verletzten Sven Sören Zöpfgen und den am Rücken lädierten Meikel Klee kamen Hassan El Saleh und Julian Stöhr ins Team.

Auch taktisch stellte Uder um und ließ ein flexibles 4-2-3-1 spielen, mit Alexander Neumann an vorderster Front. Insbesondere der langfristige Ausfall von Zöpfgen auf der Sechserposition ist für die Pokalhelden ein Problem, das Uder mit Marcel Adrijanic zu lösen versuchte, der Mittelfeldspieler rückte auf die Doppelsechs neben Nico Mau. El Saleh spielt als Rechtsverteidiger für Klee und Stöhr auf der linken Abwehrseite.

Werder Bremen als Drittliga-Absteiger gilt als bärenstarke Truppe mit gleich vier jungen Lizenzspielern, die im Bundesligateam der Bremer die Saisonvorbereitung absolviert hatten. Dass der Fußballgott vom Betzenberg, Olaf Marschall, als Scout auf der Tribüne saß, macht den Stellenwert der Bremer deutlich. „Wegen Drochtersen bin ich nicht angereist“, sagte der für die Meisterschaft der „Roten Teufel“ 1998 entscheidende Torjäger, auch heute noch in Diensten des Drittligisten Kaiserslautern. Ob er auch einen Drochterser Spieler auf seine Liste nehmen würde: „Klar, aber wird schwer“, sagte der ehemalige Nationalspieler.

Allerdings zeigte die Uder-Truppe von Anfang an überhaupt keinen Respekt vor den Grün-Weißen aus Bremen und hatte auch in der Anfangsphase die erste Chance, als sich Jannes Elfers in Minute elf auf der linken Seite durchsetzte und eine scharfe Flanke wunderschön in der Strafraum schlug – der heranfliegende Florian Nagel verpasste den Ball um Zentimeter.

Pfälzer Fußballgott: Olaf Marschall.

Glückliche Führung

Werder machte bis dahin zu wenig, vor allem im Angriff lief nicht viel zusammen, während D/A aus der neuformierten Abwehr mit intelligenten Pässen nach vorne spielte. Werders Führung zur Pause war glücklich. Das neue System von Neu-Trainer Lars Uder, der mit spielerischen Mitteln den Erfolg suchen lässt, schien nämlich zunächst aufzugehen – aber nur bis zur 38. Minute, als Marcel Adrijanic einen Ball im Mittelfeld verlor. Julian Stöhr konnte auf der linken Abwehrseite die Flanke auf Joshua Sargent nicht verhindern, sodass der US-Amerikaner in Diensten der Bremer keine Mühe hatte, alleine vor Patrick Siefkes aus sechs Metern die überraschende Führung für Werder zu erzielen. D/A zeigte sich zwar bis zur Halbzeit unbeeindruckt, ohne allerdings Fakten in die Bilanz zu bringen. Von Bremen war im Angriff wenig zu sehen, was auch am konsequenten Pressing der Uder-Truppe lag.

Auch in der zweiten Halbzeit waren die Gastgeber zunächst die bessere Mannschaft mit deutlich mehr Spielanteilen. Selbst der Ausfall des bis dahin besten D/A-Spielers Nico Mau schien das Team zu verkraften. Mau hatte von dem mitunter unglücklich agierenden Schiedsrichter Fabian Porsch die klare Ansage bekommen, dass er beim nächsten Foul gehen müsse – Lars Uder wollte das frühzeitige Duschen verhindern und nahm Mau in der 53. Minute vom Platz, Till Hermandung kam, ebenso fünf Minuten später Sung Hyun Jung für den engagiert aber glücklosen Florian Nagel.

D/A spielte das neue Udersche System mit flachen Zuspielen statt hoher Bälle in die Spitze jetzt noch konsequenter, denn fortan wurde Werder bereits in der eigenen Hälfte attackiert. Bezeichnend: D/A-Torhüter Patrick Siefkes musste in der 60. Minute erstmals ernsthaft ins Geschehen eingreifen und parieren. Allerdings versäumten es die Gastgeber aus der Überlegenheit im Mittelfeld, Chancen zu kreieren. Aus drei eroberten Bällen folgten innerhalb von fünf Minuten drei Gelbe Karten gegen Werder-Spieler und eine Topchance für D/A in der 65. Minute, doch der schöne Kopfball von Sören Behrmann wurde von Werder Torwart Dos Santos Haesler ziemlich gut pariert. Nach 73 Minuten setzte Jasper Gooßen einen Gewaltschuss knapp über das Tor.

D/A macht Fehler

In dieser Phase machten die Gastgeber den Fehler, sich über die Nickligkeiten der Bremer zu ärgern. Statt den Spielfluss weiter zu pflegen, wurde mit dem Schiedsrichter gehadert. Am Ende standen neun Gelbe Karten (fünf für Bremen) in der Bilanz. In der Nachspielzeit schlug Bremen wieder aus dem Nichts zu: Als D/A alles nach vorne warf, ging ein Zuspiel von Alexander Neumann daneben, Bremen konterte umgehend und Florian Ditz traf zum 0:2.

„Wir haben unglücklich verloren, zwei individuelle Fehler im Umschaltprozess werden in dieser Liga bestraft“, sagte Lars Uder, der dem Team eine frische Taktik verpasst hat, aber an den Unzulänglichkeiten im Aufbauspiel noch arbeiten muss. Auch dass sich seine Kicker wegen der Schiedsrichterentscheidungen nicht mehr ganz auf ihren Job konzentriert hatten, missfiel dem Coach, den das Kompliment von seinem Bremer Kollegen Sven Hübscher auch nicht aufmuntern konnte: „Ihr ward bisher unser stärkster Gegner.“

Auch D/A-Kapitän Sören Behrmann war bedient: „Die sehen sich in der dritten Liga und wir spielen den besseren Fußball und bestrafen uns selbst“, sagte er nach dem Spiel. Derweil war der Fußballgott schon auf den Heimweg. Außer Spesen nichts gewesen.

Marius Winkelmann wird D/A überraschend verlassen. Der Mittelfeldspieler tritt im Oktober einen Job bei einer Bremer Zeitung an und bat Rigo Gooßen um eine Vertragsauflösung.

Enrico Maaßen jubelt. Der Ex-D/A-Trainer bekam bei der Auslosung der zweiten DFB-Pokalrunde das große Los: „Enno“ darf mit dem SV Rödinghausen (Regionalliga West) auch gegen den FC Bayern spielen.

Die Statistik

Tore:0:1 (38.) Sargent, 0:2 (90.+3) Dietz

SV D/A:Siefkes, El-Saleh, Rogowski, Behrmann, Stöhr, Mau (52. Hermandung), Andrijanic, (88. Fiks), Nagel (57. Jung), Neumann, Elfers, Gooßen

Werder II: Haesler, Bitter, Rieckmann, Groß, Beste, Mbom, Wagner, Bünning, Straudi (74. Ronstadt), Sargent (85. Plautz), Osabutey (67. Dietz)

Schiedsrichter: Fabian Porsch

Zuschauer: 907

Nächstes Spiel: VfL Oldenburg – D/A (Mi., 29. August, 19 Uhr)

Quelle: Stader Tageblatt