Bayern verhindert in Drochtersen nur knapp die Blamage

DROCHTERSEN. Der FC Bayern München entgeht in der ersten Runde des DFB-Pokals bei der Spielvereinigung Drochtersen/Assel nur ganz knapp einer fußballhistorischen Blamage. Der deutsche Rekordmeister kann nach einem ganz schwachen Auftritt gegen den Viertligisten nur mit 1:0 gewinnen.

Der Siegtreffer gelingt Bayern-Stürmer Robert Lewandowski erst neun Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit. Zur Halbzeit kann die kleine Weltauswahl der Gäste vor 7800 Zuschauern nicht über ein torloses Remis hinauskommen.

Die Bayern kommen, wie vorher von Trainer Niko Kovac angekündigt, mit allen Stars. Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer steht im Tor und in der Viererkette laufen Joshua Kimmich, Mats Hummels, Jérôme Boateng und Rafinha auf. Davor im defensiven Mittelfeld zieht Javi Martinez die Fäden, davor agieren anfangs Arjen Robben, Thomas Müller, Thiago und Franck Ribéry. Im Sturmzentrum bringen die Bayern Robert Lewandowski. Vier Weltmeister und sieben weitere Nationalspieler einschließlich der legendären Flügelzange Robben und Ribéry – mehr geht nicht.

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Das wäre auch eine brauchbare Aufstellung für ein Champions-League-Finale, es ist aber „nur“ die erste Runde im DFB-Pokal gegen einen mit Amateurspielern ausgestatteten Dorfverein.

D/A ist wenig überraschend sehr defensiv ausgerichtet. Trainer Lars Uder spielt im Tor mit Patrick Siefkes. In der Abwehr stehen Jannes Elfers, Kapitän Sören Behrmann, Laurens Rogowski, Meikel Klee, Nico Mau, Sven Sören Zöpfgen, Marcel Andrijanic, Jasper Gooßen, Florian Nagel und Alexander Neumann.

Diese bereits in der Aufstellung vermittelte Ernsthaftigkeit zeigt der FCB auf dem Platz, überraschend dagegen in dem mit transportablen Tribünen aufgerüsteten Kehdinger Stadion auch die Gastgeber. Die Amateure wehren sich nach Kräften. D/A zieht sich komplett vor dem eigenen Strafraum zurück. Drochtersens Torjäger Alexander Neumann ist 20 Meter vor dem eigenen Strafraum der erste Abwehrspieler. Der Rest des Teams des Außenseiters steht dicht gestaffelt dahinter. Die Bayern sind fast permanent in Ballbesitz, aber torgefährlich sind die Gäste nicht.

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Mit zunehmender Spieldauer werden die Amateure gegen die Profis frecher. Jasper Gooßen flankt dafür gefährlich in den Strafraum der Bayern. Manuel Neuer fängt den Ball noch sicher. Jede gelungene Aktion der Heimmannschaft aber wird gefeiert, und diese Aktionen gibt es zunehmend mehr. Der „Kehdinger Jung“ Jannes Elfers kann mehrmals gegen Robben klären. Nach zwölf Minuten kommt Mittelfeldspieler Marcel Andrijanc gegen Bayern frei zum Schuss. Der Ball geht links am Tor vorbei. Als Elfers dann noch den spanischen Nationalspieler Thiago an der Seitenlinie aussteigen lässt und in den Strafraum eindringen kann, ist dem letzten im Stadion klar, dass es heute ein ganz besonderer Tag ist. Für die Kicker von D/A ist es das Spiel ihres Lebens, und so spielen sie auch. Gutes  Stellungsspiel und bedingungslose Hingabe machen den Bayern das Leben schwer. Bayern probiert es einfallslos mit hohen Bällen in die Mitte. Da steht D/A mit dem guten Torwart Siefkes und den Innenverteidigern Behrmann und Rogowski sicher. Bei Ballbesitz für Bayern spielt der defensive Mittelfeldspieler Niko Mau als dritter Innenverteidiger zwischen Behrmann und Rogowski. Das funktioniert. So sind die Stars Lewandowski und Müller abgemeldet.

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Die einzige gute Bayern-Chance resultiert aus einer Standardsituation. Ein Eckball von Thiago (23.) landet im Zentrum bei Martínez, dessen Kopfball klärt Meikel Klee auf der Linie per Kopf.

Mit zunehmender Spielzeit kommt D/A immer besser ins Spiel, gewinnt plötzlich auch die Zweikämpfe und D/A-Spielmacher Florian Nagel kommt aus zehn Metern frei zum Schuss. Eine starke Fußabwehr von Neuer verhindert die Führung des Regionalligisten. Es ist bis dahin die beste Chance in dem vermeintlich ungleichen Duell. Jetzt kommen die Sprechchöre „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Bemerkenswert, D/A schafft das mit fairen Mitteln. Es gibt kein hartes Foul gegen die Stars in der ersten Halbzeit, umgedreht ist das anders. Robben kommt gegen Elfers und Nagel zweimal zu spät und wirft seine Gegenspieler um. Bei der zweiten Aktion gibt es die Gelbe Karte.

Das sensationelle torlose Unentschieden zur Pause wird in Drochtersen schon wie ein Sieg gefeiert.

Nach wenigen Minuten in der zweiten Halbzeit reagiert Bayern-Trainer Kovac auf die blutarme Vorstellung seiner Mannschaft, Robben und Hummels gehen, Coman und Neuzugang Leon Goretzka kommen in der 53. Minute. Kurz danach die beste Möglichkeit. Thiago trifft mit einem Schuss aus 20 Metern die Unterkante der Latte. Der Ball springt aber ins Feld zurück. Die Bayern-Fans in der Ostkurve nutzen das, um Kassenrollen und rot-weiße Bälle auf das Spielfeld zu werfen. Das Spiel wird fünf Minuten unterbrochen. Das Ganze ist als Protest gegen den DFB gedacht.

Bayern wird jetzt besser. Martínez kommt erneut zu einer Kopfballchance. Dann prüft Goretzka D/A -Torwart Siefkes mit einem Schuss aus 14 Metern. Seine Einwechslung belegt das Spiel des Deutschen Meisters, auch wenn immer noch überraschend viele Bälle der Bayern nicht zum eigenen Mitspieler finden.

Der erste Wechsel hat nichts mit der Leistung des Ausgewechselten zu tun. Zöpfgen verdreht sich ohne Kontakt zum Gegenspieler das Knie (77.). Für ihn kommt Marius Winkelmann. Zehn Minuten vor dem Spielende trifft Bayern das Tor. Schiedsrichter Siewers gibt den Treffer aufgrund einer Abseitsposition nicht. Dann trifft der Favorit auch regulär. Der bis zu diesem Zeitpunkt komplett abgemeldete polnische Nationalspieler hält den Fuß in einen Schuss von Goretzka rein und verändert die Flugbahn entscheidend. D/A-Torwart Siefkes hat deshalb keine Chance, an den Ball zu kommen. Mehr gelingt den Bayern nicht. D/A verpasst die Sensation nur denkbar knapp.

Statistik

Tor: 0:1 (81.) Lewandowski.

Drochtersen/Assel: Siefkes, Elfers, Behrmann, Rogowski, Klee (86. Stöhr), Mau, Zöpfgen (76. Winkelmann), Andrijanic, Gooßen, Nagel und Neumann (90. Fiks).

Bayern München: Neuer, Kimmich, Hummels (53. Goretzka), Boateng, Rafinha, Martinez, Robben (53. Coman), Müller (Tolisso), Thiago, Ribéry, Lewandowski.

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Quelle: Stader Tageblatt