D/A vs. Bayern: Ohne Respekt gegen die „Maschinen“

DROCHTERSEN. Zwei Fußballer, die heute in Diensten des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel stehen, haben in ihrer Karriere bereits ein DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München hautnah erlebt. Alexander Neumann und Marius Winkelmann erinnern sich…

Die beiden spielten vor ziemlich genau fünf Jahren im Trikot des BSV SW Rehden gegen den deutschen Rekordmeister. Beim 0:5 hatten sie keine Chance. Die Partie bleibt ihnen dennoch unvergesslich.

Für Alexander Neumann wäre das Spiel beinahe zu einem persönlichen Sommermärchen geworden. Als Bayern-Verteidiger Rafinha den Ball verlor, hielt Neumann von der Eckfahne einfach mal drauf. Der Heber des heute 28-jährigen Stürmers war „halb Flanke, halb Torschuss“. Neumann beschwört, dass Torwart Manuel Neuer mit den Fingerspitzen noch dran war. „Aber der Schuss war für Neuer nicht wirklich gefährlich“, sagt Neumann. Wobei: Mit ein bisschen Glück wäre vielleicht mehr draus geworden. Und Neumann hätte später seinen Enkeln etwas zu erzählen gehabt.

„Ein Super-Erlebnis“

20 000 Zuschauer kamen damals ins Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück. Anders als die SV Drochtersen/Assel am 18. August war der BSV SW Rehden in eine größere Arena umgezogen. Gefühlt, sagt Neumann, seien 70 Prozent der Zuschauer für den Underdog gewesen. Jeden Ballkontakt des heutigen Drochterser Regionalligarivalen habe das Publikum damals frenetisch gefeiert, jedes verhinderte Tor wie einen Sieg zelebriert. „Das war ein Super-Erlebnis“, sagt Neumann, der es als Mittelstürmer seinerzeit mit Kanten wie Dante und Daniel Van Buyten zu tun hatte. Neumann: „Das waren Maschinen.“

70 Minuten lang hatte Neumann damals gegen die Bayern gespielt. Dann wurde er ausgewechselt. Er weiß noch, dass er damals keine Chance hatte, an ein Trikot der Stars zu kommen. Rehdener Reservespieler und selbst Spieler, die nicht im Kader waren, hatten sich lange vor Spielschluss hinter der Bayern-Bank versammelt, in der Hoffnung, ein Trikot zu ergattern. Wenn sich Neumann am Sonnabend in einer Woche von seinen Adduktorenproblemen erholt hat und gegen die Bayern spielen kann, würde er sich frühzeitig um einen Trikottausch mit Thomas Müller bewerben. Schließlich haben die beiden eine gemeinsame Vergangenheit in der deutschen Junioren-Nationalmannschaft. Neumann und Müller bestritten zwei Länderspiele miteinander und liefen sich bei einigen Lehrgängen über den Weg. Privaten Kontakt pflegten sie allerdings kaum.

Man kennt sich

Marius Winkelmann hatte in dem Spiel gegen Bayern beim Trikottausch mehr Glück als Neumann. Der Mittelfeldspieler kam zwar erst nach gut einer Stunde ins Spiel, nahm als Souvenir später aber das Trikot von Javi Martinez mit nach Hause. Das Trikot hängt heute im Schrank. Manchmal hatte Winkelmann die Trophäe zum Kicken an. Er kann sich vorstellen, die Pokal-Trikots einzurahmen. Aber erst später. Martinez, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Thomas Müller – als defensiver Mittelfeldspieler hatte es Winkelmann mit den ganz Großen des Fußballs zu tun. Vor ein paar Tagen, sagt der 27-Jährige, habe er sich die Szenen der Begegnung, an denen er beteiligt war, noch einmal angeschaut. Er erinnert sich, wie das Publikum und er „ein, zwei Grätschen abgefeiert“ haben.

Gegen solche Stars zu spielen, scheint gar nicht so einfach. Neumann, Winkelmann & Co können schließlich nicht vor Ehrfurcht erstarren. „Du musst den Respekt ablegen und einfach drauflos spielen“, sagt Winkelmann. „Du darfst sie nicht schonen und nicht durchwinken. Die nehmen auch keine Rücksicht.“ Dennoch achte er schon darauf, niemanden zu verletzen.

Traumlos bleibt Traumlos

Für Neumann und Winkelmann waren die Bayern damals das Traumlos und sie sind es heute auch noch. „Das Erspielen von Chancen gegen München wäre ein Erfolg, ein Tor ein Traum“, sagt Neumann, der sich beim Rehden-Bayern-Spiel allerdings nur an zwei Fehler des Starensembles erinnern kann. Winkelmann will ein Ergebnis im Rahmen. „Unter fünf Gegentore zu kassieren wäre schön. Ein eigener Treffer wäre ein Highlight.“

Gegen jeden anderen Gegner hätte die SV Drochtersen/Assel die Möglichkeit, das Spiel eng zu gestalten, vielleicht sogar die Chance auf ein Weiterkommen. Gegen den FC Bayern München sei das nicht realistisch, sagt Winkelmann.

Nächstes Spiel gegen Egestorf

Am Sonntag um 15 Uhr empfängt die SV Drochtersen/Assel den 1. FC Germania Egestorf-Langreder im Kehdinger Stadion. In der vergangenen Saison belegte Egestorf Rang fünf in der Regionalliga. In der laufenden Spielzeit gelang dem FC zum Auftakt ein 2:0-Sieg gegen den HSV II und ein 0:0-Remis gegen den Lüneburger SK.

Nur gegen den TSV Havelse musste sich Egestorf knapp mit 2:3 geschlagen geben. „Wir müssen Germania mutig begegnen. Das ist ein direkter Konkurrent, den wir gerne hinter uns lassen würden“, sagt D/A-Trainer Lars Uder. Egestorf spielt sehr variabel und setzt seine Gegner stark unter Druck. Bislang agierte das Team, mit einer Mischung aus defensiver und kompakter Spielweise.

Quelle: Stader Tageblatt