D/A: Das Remis schmeckt nach Niederlage

WOLFSBURG. Mit einem 1:1-Unentschieden bei Aufsteiger Lupo Martini Wolfsburg ist der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel am Sonnabend in die neue Saison gestartet. Das war eine Auftaktbegegnung, die gleich mehrere Geschichten erzählte…

USI Lupo Martini Wolfsburg – SV Drochtersen/Assel 1:1

in erster Linie sportliche Geschichten, aber auch personelle, taktische, traditionelle und überaus nervige.

50 Minuten lang strahlt D/A im Lupo-Stadion in Wolfsburg vor 250 Zuschauern eine Dominanz aus, wie es sich für eine etablierte Regionalligamannschaft gegen einen Aufsteiger gehört. Nur einmal muss D/A-Torwart Patrick Siefkes ernsthaft eingreifen. Einen Kopfball von Timon Hallmann aus Nahdistanz lenkt die Nummer eins im Drochterser Tor mit den Fingerspitzen an die Latte. Siefkes pariert kurz vor der Pause, rechtfertigt damit seinen ersten Einsatz nach gut einem Jahr und seinen Vorzug vor dem selbstbewussten Fabian Klinkmann, der in zweiter Reihe längst mit den Füßen scharrt. Siefkes zeigt, dass der Kreuzbandriss vergessen ist. Zu diesem Zeitpunkt führen die Gäste bereits 1:0 durch ein Tor von Marcel Andrijanic.

Andrijanic köpft das erste Saisontor nach 38 Minuten nach einer Ecke von Florian Nagel. Knochenfrei lässt ihn die Lupo-Abwehr im Fünfer stehen. D/A erspielt sich bis zu diesem Zeitpunkt aussichtsreiche Standardsituationen. Weil die Spieler gedankenschnell sind. Weil sie präzise spielen, sich mit Pressing die Bälle erkämpfen, weil sie einen Plan haben, weil Lupo hinterherläuft und die D/A-Spieler in Strafraumnähe durch Fouls stoppt.Einziger Mangel im Drochterser Spiel: Die Chancenverwertung.

Nagel scheitert in der 24. Minute am Torwart, weil er keinen Druck hinter den Ball bekommt. Wolfsburgs Rocco Tuccio foult Jasper Gooßen in der 41. Minute vor der Strafraumgrenze, als der Mittelstürmer auf das Lupo-Tor zuläuft. Schiedsrichter Axel Martin zeigt Tuccio Gelb. Warum nicht Rot, bleibt sein Geheimnis. D/A-Trainer Lars Uder hat neben einem taktischen Foul das Verhindern einer klaren Torchance gesehen. Gooßen jedenfalls muss sich jetzt neue Schuhe zulegen. In seine hat Tuccio mit seinen Stollen ein Loch getreten.

Nach dem Seitenwechsel fälscht ein Wolfsburger Verteidiger einen Linksschuss von Marcel Andrijanic ab. Sung Hyun Jung scheitert nach einer Ecke an Lupo-Keeper Marius Sauss und in der 51. Minute verpasst sein Distanzschuss nur ganz knapp das Tor. D/A drückt, kreiert Chancen, spielt variabel, agiert offensiv in einem 4:2:3:1-System und defensiv mit zwei Viererketten, Mittelfeldpressing und zwei ballhungrigen Stürmern in vorderster Front. Trainer Lars Uder hat das System geändert. Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Und die Spieler scheinen sich mit der neuen Marschroute anzufreunden.Jungs Distanzschuss bleibt allerdings das letzte Lebenszeichen der Kehdinger in Wolfsburg.

Die Mannschaft bricht ein. Aufgrund der Spielweise in der zweiten Halbzeit habe sich das Unentschieden wie eine Niederlage angefühlt, sagt Lars Uder. „Nach dem Spiel war ich enttäuscht“, sagt der Coach. Aber lehrreich sei die Partie gewesen. Neue Varianten von Angriffszügen sitzen bereits, Standards bringen Gefahr. Die Konter sind ausbaufähig.Vielleicht war es die Anreise, die den Drochtersern zu schaffen machte: Die sechs Stunden im Bus. Die Staus. Der verspätete Anpfiff. Nichts Ordentliches im Magen. Die Besprechung auf die Schnelle. Das ist Spekulation.

Nach 69 Minuten jedenfalls schlägt Lupo zurück. Einen langen Ball lässt ein Wolfsburger im Strafraum abklatschen. Simon Böhm setzt sich gegen die Drochterser Innenverteidigung durch und überwindet Siefkes zum 1:1. Bis dahin standen die Defensivspezialisten Sören Behrmann und Laurens Rogowski bombensicher. Wolfsburg wird noch zwei, dreimal gefährlich. Aber das Unentschieden hält. Im vierten Jahr der Regionalligazugehörigkeit endet ein Auftaktspiel der Drochterser mit einem Remis.

Das Auftaktspiel ist durchaus ein Fingerzeig auf eine gelungene Personalpolitik. Sung Hyun Jung belebt das Angriffsspiel. Mit der Verpflichtung von Hassan El-Saleh hat der Klub noch kurzfristig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Am Donnerstag das erste Mal im Training schenkte Uder dem 21-jährigen Rechtsverteidiger zum Auftakt sein Vertrauen. Saleh, der die Talentschmiede des VfL Wolfsburg durchlief und dort zuletzt in der zweiten Mannschaft spielte, machte seine Seite dicht.Jetzt kommt am Mittwoch die Zweite des FC St. Pauli. Uder verlangt noch mehr Spielkontrolle im Angriff. Zwei Trainingstage bleiben dem neuen Coach, sein Team auf die Hamburger vorzubereiten, die am Sonntag 2:2 gegen den Lüneburger SK spielten.

Schiedsrichter: Axel Martin (Nordholz) – Zuschauer: 250
Tore: 0:1 Marcel Andrijanic (38.), 1:1 Simon Böhm (70.)

Quelle: FuPa.net