„Das Bayern-Spiel lässt uns jetzt nicht verrückt werden“

Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel kommt nach Köhlen. Am Montag steigt dort der mit Spannung erwartete Test gegen Bremen-Liga-Mitfavorit FC Oberneuland (19.30 Uhr). Der neue D/A-Trainer Lars Uder (36) verrät im Interview mit Christian Heinig, warum der Test ausgerechnet in Köhlen stattfindet, ob er schon an die erste DFB-Pokalrunde gegen Bayern München denkt und wie oft ihn Freunde nach Karten fragen.

Herr Uder, wie kommt’s denn, dass Sie mit Drochtersen ausgerechnet ein Testspiel in Köhlen absolvieren. Purer Zufall?   Nein, das ist Absicht und hat mit Marion Steffens zu tun (die Vorsitzende von Rot-Weiß Köhlen, Anm. d. Red.). Wir kennen uns gut. Und sie hatte mich gefragt, ob wir uns vorstellen können, bei der Sportwoche anzutreten. Und das hat gut gepasst. Wir wollten sowieso gegen Oberneuland testen und Köhlen liegt genau in der Mitte. Außerdem habe ich einen speziellen Bezug zu Köhlen. Hier war ich vor meinen Amtsantritt in Drochtersen DFB-Stützpunkttrainer.

Das Testspiel ist aber nicht nur wegen Ihrer Vergangenheit in Köhlen etwas Besonderes. Zugleich ist die Partie die Generalprobe vor dem Start in der Regionalliga am kommenden Freitag. Ein lauer Sommerkick wird das dann sicher nicht, richtig? Das sicher nicht. Bei uns geht es noch um Plätze. Jeder Spieler hat noch einmal die Chance, sich in den Fokus zu spielen. Außerdem wollen wir gegen Oberneuland natürlich erfolgreich sein und mit einem guten Gefühl in die Saison starten. Wobei Oberneuland auch ein Top-Gegner ist. Die haben gegen Jeddeloh gerade erst 4:3 gewonnen, sind offensiv bärenstark und spielen einen guten Fußball. Das ist für uns genau der richtige Gegner.

Liegt bei Ihnen denn erst einmal der volle Fokus auf der Regionalliga oder spukt der 18. August und der DFB-Pokal-Hit gegen Bayern irgendwie trotzdem im Kopf herum? Das Bayern-Spiel ist natürlich immer präsent. Bayern-TV fragt an, dem Kicker habe ich gerade erst ein Interview gegeben. Aber das Bayern-Spiel lässt uns jetzt nicht verrückt werden. Es lähmt uns auch nicht. Das macht die Mannschaft gut. Die Spieler wissen, dass wir erst fünf wichtige Liga-Spiele haben, bevor das Highlight gegen Bayern folgt.

Wie oft am Tag werden Sie von Freunden nach Karten gefragt? Da melden sich schon einige. Auch Leute, die plötzlich vorgeben, dich gut zu kennen (lacht). Aber wir haben auch keinen extra Zugriff auf Tickets. Ich hoffe, dass ich meine nahe Familie unterbekomme. Mehr wird aber nicht drin sein. Es ist schon irre. Allein von den Bayern hatten wir 15000 Kartenanfragen. Damit hätten wir das Stadion zweimal vollbekommen.

Sie hätten ja auch in Hamburg spielen können, im Stadion von Zweitligist St. Pauli. Aber D/A empfängt die Bayern nun doch in der Kehdinger Arena in Drochtersen, in die 7500 Zuschauer reinpassen. War das auch Ihr Wunsch, im eigenen Stadion zu bleiben? Wir sind sehr glücklich damit. In Hamburg wäre es ja zu einem krassen Auswärtsspiel gekommen. Da wären die Bayern-Fans klar in der Überzahl gewesen. So ist es eine tolle Veranstaltung für unsere Region und unsere Zuschauer.

Die Bayern trainieren vor wichtigen Spielen ja gern mal geheim. Machen Sie das jetzt auch, damit die Münchner sie nicht ausspionieren können? (lacht) Ich glaube nicht, dass wir die Bayern großartig überraschen werden. Ich gehe aber davon aus, dass sie sich Spiele von uns anschauen und ganz professionell vorbereiten. Die werden nichts dem Zufall überlassen. Das machen wir ja auch nicht. Aber klar hofft man darauf, dass man Bayern mit der ein oder anderen Aktion auch ein bisschen in Verlegenheit bringen kann.

Sie kommen gebürtig aus dem Saarland, leben seit zwei Jahren in Otterndorf und trainieren jetzt das erste Mal einen Regionalligisten. Stimmt es eigentlich, dass Sie sich gar nicht auf den Trainerposten beworben hatten – anders als 50 andere Coaches? Das ist richtig. Ein Freund von mir hatte meinen Namen ins Spiel gebracht. Daraufhin habe ich mich mehrfach mit Herrn Gooßen (Präsident von Drochtersen/Assel, Anm. d. Red.) getroffen und es hat gut gepasst. Fußball, Beruf und Familie sind gut zu vereinbaren. Wir trainieren abends, ich habe mehr Zeit für die Kinder und meinen anderen Job.

Quelle: FuPa.net