So feiert D/A den Sieg im Landespokal

DROCHTERSEN. Zum zweiten Mal nach 2016 hat der Regionalligist SV Drochtersen/Assel den Landespokal gewonnen. Am Montag deklassierte D/A den Ligarivalen SSV Jeddeloh mit 5:1. 2300 Zuschauer verfolgten den Gala-Auftritt der Kehdinger im Stadion.

Die Spieler aus Jeddeloh stehen Spalier. Die Verlierer des Landespokalfinales applaudieren fair, als die Drochterser das Podium hinaufsteigen. Sie erkennen an, dass sie keine Chance gegen den Ligarivalen hatten. Dass Drochtersen überlegen agierte, spielerisch überzeugte, mit Wucht in den Zweikämpfen, mit Effektivität. D/A-Kapitän Sören Behrmann kann es kaum abwarten, vom Präsidenten des Niedersächsischen Fußballverbandes, Günter Distelrath, den Pokal entgegenzunehmen. Seine Kollegen lassen das Podest schon wackeln. Dann übergibt Distelrath die Trophäe, springt auf den Rasen und überlässt die Bühne der tanzenden und singenden Meute.

Nur 15 Sekunden lang sah es am Pfingstmontag danach aus, als könne Jeddeloh den Drochtersern die Party verderben. Beim ersten hohen Ball verschätzte sich D/A-Innenverteidiger Dimitri Fiks. Er wollte den Ball zu Torwart Philipp Kühn zurückköpfen. In die Rückgabe sprintete SSV-Torjäger Nils Laabs und schob den Ball durch die Beine von Kühn über die Linie. 0:1. Dimitri Fiks sagt, er habe in die Sonne geschaut und plötzlich nur noch schwarz gesehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Gespann um D/A-Cheftrainer Enrico Maaßen noch nicht einmal seine Plätze eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt stieg Nikola Serra gerade die Treppe zur Haupttribüne hinauf. In Zivil. Der Innenverteidiger hatte sich so auf seinen letzten Einsatz für D/A gefreut, nachdem er wenige Tage zuvor bekanntgegeben hatte, den Verein verlassen zu wollen. Eine heftige Erkältung ließ einen Einsatz nicht zu.

Maaßen setzte gegen den SSV Jeddeloh auf seine geballte Pokalerfahrung. Acht Spieler, die am Montag auf dem Platz standen, bestritten bereits vor zwei Jahren das legendäre DFB-Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Maaßen vertraute also seinen vielzitierten Mentalitätsbestien, die sich nach dem frühen Rückstand gegen Jeddeloh nur kurz schüttelten und dann über mehr als 89 Minuten die beste Leistung der Saison aus dem sprichwörtlichen Hut zauberten. „Wir waren auf den Punkt da. Stolz macht mich die Charakterstärke der Mannschaft“, sagt Maaßen.

D/A kommt zu Chacen

D/A kontrollierte das Geschehen und kam zu Chancen durch Angreifer Alexander Neumann und Marius Winkelmann. Einmal scheiterte Neumann aus kurzer Distanz an Jeddeloh-Keeper Marco Maaß (9.), nach der anschließenden Ecke verfehlte Winkelmann den Kasten. Fünf Minuten später versuchte es Jasper Gooßen mit einem Heber. Die Jeddeloher klärten vor der Linie. Der hochverdiente Ausgleich fiel dann in der 27. Minute, als Neumann für Jasper Gooßen auflegte, und der aus dem Fünfmeterraum flach einschob.

Für die Wende sorgte Verteidiger Nico Mau mit einem Strafstoß kurz vor der Pause (41.). Shaun Minns hatte Sören Behrmann nach einer Hereingabe im Strafraum umgerissen, Schiedsrichter Lars Heitmann aus Diepholz zeigte auf den Punkt. Mau traf mit einem harten und platzierten Schuss ins linke Eck zum 2:1 und feierte sich und die Führung mit einem Doppel-Salto.

Der SSV Jeddeloh kam nach wenigen Minuten bereits aus der Kabine zurück auf den Platz. Das Zeichen an die Konkurrenz, jetzt noch einmal mit Vollgas die Aufholjagd zu starten, verpuffte. Nach einem Einwurf von Meikel Klee traf Neumann zum 3:1 in der 56. Minute. Sören Behrmann krönte seine starke Leistung mit dem 4:1 per Kopf. Florian Nagel schenkte Neumann das 5:1. Die Drochterser feierten im Kehdinger Stadion ein Fußballfest. Und fast 2000 Zuschauer feierten mit. Gut 400 reisten aus Jeddeloh an. Die schauten eher traurig und enttäuscht in die Runde.

Nico Mau feiert das 2:1 mit einem Salto.

Pure Freude im Stadion

Auf dem Platz und ringsherum herrscht die pure Freunde. Die Menge jubelt, als Maaßen Jannes Elfers den Einsatzbefehl gibt. Elfers freut sich wie ein kleiner Junge über die wenigen Minuten auf dem Rasen. Als Maaßen wenig später seinen Kapitän Sören Behrmann vom Platz nimmt, läuft der mit einem strahlenden Siegerlächeln an der Haupttribüne vorbei. Meikel Klee darf auch vorzeitig runter. Er quält sich, greift sich immer wieder an die Leiste. Aber Klee schaut selig. Das Publikum steht schon lange.

Die Zuschauer und die Spieler schauen immer wieder zu Schiedsrichter Lars Heitmann rüber. Wann eröffnet der Mann denn endlich die dritte Halbzeit? Aber Heitmann ist ein Guter, pfeift pünktlich ab und überlässt den Feiernden den Rasen.

Die Drochterser bilden einen Kreis. Präsident Rigo Gooßen betritt den Zirkel. Er verbeugt sich vor den Spielern. Symbolisch zieht er seinen Hut vor deren Leistung. Zum Dank duschen ihn die Sieger mit dem Bier des Hauptsponsors. Auch Enrico Maaßen bekommt einen Schwall in den Nacken. Die Frisur ist futsch. Das T-Shirt trieft.

Schöner Abschied

An seinem letzten Arbeitstag in Drochtersen gewinnt Maaßen zum zweiten Mal nach 2016 den Landespokal. „Besser kann der Abschied nicht laufen“, sagt Maaßen. Heute Morgen sitzt er mit seiner Familie im Flieger nach Mallorca. Mitte Juni endet der Urlaub. Dann beginnt sein Engagement beim SV Rödinghausen.

Maaßen ist noch eine Stunde nach dem Abpfiff ein gefragter Mann. Kinder holen sich Autogramme. Fans verabschieden sich persönlich. Viele machen Selfies mit dem 34-Jährigen. Es gibt Umarmungen. Maaßen verspricht den Leuten, Drochtersen nicht zu vergessen. Er werde vorbeischauen, wenn er Zeit hat. Und die Spieler? Die sonnen sich auf dem Rasen bei 24 Grad noch lange im Erfolg. Florian Nagel hat längst die Musikanlage aus der Kabine geholt. Die Party wird Tage dauern. Erst im Kehdinger Stadion, dann bei der Mannschaftsfahrt nach Mallorca.

Die Statistik

Tore: 0:1 (1.) Nils Laabs, 1:1 (27.) Gooßen, 2:1 (41., FE) Mau, 3:1 (56.) Neumann, 4:1 (63.) Behrmann, 5:1 (73.) Neumann.

SV D/A: Kühn, Klee (86. Stöhr), Grahle, Fiks, Mau, Behrmann (84. Rogowski), Zöpfgen, Winkelmann, Nagel (78. Elfers), Gooßen, Neumann.

SSV Jeddeloh: Maaß, von Aschwege, Hahn (46. Plendiskis), Schaffer, Fredehorst, Oltmer, Minns, Samide, Laabs, Gottschling (46. Stütz), Tomas.

Schiedsrichter: Lars Heitmann (Assistenten: Patrick Herbach und Christian Hoyer)

Zuschauer: 2318

Drei Fragen an NFV-Präsident Günter Distelrath

Herr Distelrath, war das ein würdiger Rahmen für das Landespokalfinale?

Ja. Über 2300 Zuschauer waren hier, das ist genial. Das zeigt auch, dass das Interesse am Pokalendspiel da ist. Und es ist auch toll, dass die ARD die Spiele aus allen Landesverbänden übertragen hat. Dadurch merkt man natürlich, dass Amateurfußball auch wichtig ist für den Profifußball. Die Stimmung hier in Drochtersen war jedenfalls eine Visitenkarte für den Amateurfußball.

War denn auch Drochtersen/Assel ein würdiger Sieger?

Ja, ein sehr würdiger Sieger. Ich habe Jeddeloh im Halbfinale in Hannover gesehen. Da waren sie richtig stark. Heute aber konnte Jeddeloh nicht richtig dagegenhalten. Die Drochterser haben großartig gespielt.

In der kommenden Saison ändert sich der Modus im Landespokal. Haben es die Regionalligisten dadurch schwerer?

Es wird ein bisschen schwerer. Wir haben dann die Regionalligisten und die Drittligisten, wozu dann auch Eintracht Braunschweig gehört, in dem einen Topf, und die Bezirkspokalsieger plus die Oberligisten in dem anderen. Beide Sieger spielen in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Wir hoffen, durch den neuen Modus wieder echte Endspiele im Landespokal zu haben. Dazu hat sich unser Spielausschuss einstimmig entschlossen. Wenn es nicht klappen sollte, dann werden wir den Modus wieder ändern. Aber wir glauben, das Richtige getan zu haben. Die Vereine müssen dann auch weniger Runden spielen. Auch wenn D/A und Jeddeloh schon für den DFB-Pokal qualifiziert waren, haben wir heute dennoch ein tolles Spiel gesehen.

Die Stimmen zum Spiel

Jannes Elfers:„Die Stimmung im Kehdinger Stadion war überragend, das Wetter top. Die Bedingungen haben gepasst. Nach dem frühen 0:1-Rückstand habe ich gedacht, das kann doch nicht wahr sein. Wir wollten eigentlich von Beginn an Gas geben. Nach zehn Minuten sind wir aber besser ins Spiel reinkommen und haben dann 80 Minuten lang dominiert.“

Dimitri Fiks:„Wir haben unseren Plan ab der zweiten Minute durchgezogen und nichts mehr anbrennen lassen. Wir sind halt Mentalitätsbestien.“

Marius Winkelmann:„Das Gegentor hat uns gut getan. Denen wohl überhaupt nicht. “

Jasper Gooßen: „Wir gewinnen immer die entscheidenden Spiele. Wir nehmen jetzt alles mit nach Mallorca. Die große Feier lassen wir uns nicht entgehen.“

Nico Mau:„Nach diesem Riesennackenschlag haben wir unsere beste Saisonleistung gezeigt. Wir haben Fußball gespielt und unsere Chancen genutzt.“

Sören Behrmann: „Nach der ersten Minuten haben wir das beste Spiel unter Enrico Maaßen als Trainer gezeigt. Das war heute eine Demonstration.“

Matti Grahle: „Nach einigen Ruhetagen waren wir frischer. Das 0:1 hat uns aufgeweckt. Ich genieße das jetzt in vollen Zügen. Ich freue mich, dass so viele ins Stadion gekommen sind und nicht nur vorm Fernseher saßen.“

Christoffer Schellin: „Beim Gegentor habe ich noch nicht einmal richtig gesessen. Wir sind noch stärker zurückgekommen und haben Jeddeloh auseinandergenommen.“