Maaßen: Abschied mit Pokalsieg am Finaltag?

Für Enrico Maaßen, Trainer der SV Drochtersen/Assel aus der Regionalliga Nord, wird das Endspiel um den Niedersachsenpokal im Rahmen des dritten Finaltags der Amateure am Pfingstmontag, 21. Mai (ab 12.30 Uhr) gegen den Ligakonkurrenten SSV Jeddeloh ein emotionales Abschiedsspiel. Der erst 34 Jahre alte Cheftrainer wechselt nach vier Jahren bei der SVD im Sommer zum SV Rödinghausen in die Regionalliga West. Dort tritt er die Nachfolge von Ex-Bundesligaprofi Alfred Nijhuis (früher Borussia Dortmund und MSV Duisburg) an.

Für Maaßen wird das Pokalfinale sein exakt 145. und letztes Pflichtspiel an der Seitenlinie der Kehdinger, die im Endspiel Heimrecht genießen. Sowohl Drochtersen/Assel als auch der SSV Jeddeloh II stehen aber bereits zuvor als Gewinner fest. Grund: In Niedersachsen sind beide Finalisten bereits für den DFB-Pokal qualifiziert.

SV Drochtersen/Assel

Mit einem Heimsieg gegen Jeddeloh könnte die SVD zum zweiten Mal nach 2016 Landespokalsieger werden. Damals setzte sich Drochtersen/Assel gegen den Ligakonkurrenten 1. FC Germania Egestorf-Langreder 2:0 durch. Wenige Monate später lieferte Drochtersen/Assel dem Bundesligisten Borussia Mönchengladbach (0:1) in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals einen großen Kampf, verpasste die Sensation knapp.

„Für den Verein ist es ein hervorragender Erfolg, innerhalb von drei Jahren zweimal in den DFB-Pokal einzuziehen“

Auf dem Weg in ihr zweites Endspiel schaltete die Mannschaft von Maaßen, der seit 2014 in Drochtersen/Assel an der Seitenlinie steht, unter anderem im Halbfinale den Titelverteidiger und Drittligisten VfL Osnabrück aus. In einem dramatischen Elfmeterkrimi behielt die SVD schließlich 7:6 die Oberhand und löste damit auch das Ticket für die erste Runde des DFB-Pokals in der kommenden Spielzeit.

„Für den Verein ist es ein hervorragender Erfolg, innerhalb von drei Jahren zweimal in den DFB-Pokal einzuziehen“, sagt Enrico Maaßen im Gespräch mit FUSSBALL.DE . „Wir freuen uns auf die Begegnung mit Jeddeloh und ich hoffe, dass ich mich mit dem Pokal in den Händen verabschieden kann.“

Aber nicht nur im Pokal war die Amtszeit von Maaßen in Drochtersen/Assel von Erfolgen gekrönt. Bereits in seiner ersten Saison als Cheftrainer gelang der erstmalige Sprung aus der Oberliga Niedersachsen in die Regionalliga Nord. In der vierthöchsten Spielklasse landete Drochtersen auf den Plätzen vier und neun. In dieser Saison ist es – zwei Spiele vor Schluss – erneut der neunte Rang. Damit ist der Klassenverbleib unter Dach und Fach. „Meine Zeit in Drochtersen hatte sehr viele Höhepunkte. Diese Jahre werden mir in besonders guter Erinnerung bleiben“, blickt Maaßen zurück.

Dass es im Endspiel um den Niedersachsenpokal äußerst spannend zugehen könnte, dafür sprechen auch die beiden absolvierten Begegnungen in der Liga. Im Hinspiel gab es zum Saisonauftakt in Jeddeloh ein 2:2. Das zweite Aufeinandertreffen endete vor heimischem Publikum an der Kehdinger Straße 1:1.

Gründungsjahr: 1977
Mitgliederzahl: 600
Liga-Zugehörigkeit: Regionalliga Nord
Trainer: Enrico Maaßen
Top-Torjäger: Alexander Neumann (zwölf Saisontreffer)
Größter Erfolg der Vereinsgeschichte: DFB-Pokal-Teilnahme 2016 und 2018
Weg ins Finale: TB Uphusen (1:0), Heeslinger SC (5:4 n.E.), SC Spelle-Venhaus (5:1), VfL Osnabrück (7:6 n.E.)


SSV Jeddeloh II

Auch der beste Krimi-Autor hätte die Pokalgeschichte des SSV Jeddeloh II in dieser Saison kaum spannender schreiben können. Nicht weniger als drei von vier Pokalspielen entschied der Regionalliganeuling erst im Elfmeterschießen für sich. Einzig der 4:1-Auswärtserfolg beim Landesligisten VfL Oythe (4:1) wurde nach 90 Minuten eingetütet.

„In den Spielen beim VfL Oldenburg und bei Arminia Hannover hatten wir uns jeweils erst mit sehr späten Treffern in die Nachspielzeit gerettet. Komischerweise hatte ich dann aber bei den Elfmetern nie ein schlechtes Gefühl“, erinnert sich SSV-Trainer Key Riebau im Gespräch mit FUSSBALL.DE an die Hürden auf dem Weg ins Finale zurück.

Sollte auch beim Finale in Drochtersen/Assel erst im Elfmeterschießen die Entscheidung zu Gunsten des SSV fallen, hätte in Jeddeloh sicher niemand etwas dagegen einzuwenden. Schließlich kann das Team von Key Riebau die eigene Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Der 27-Jährige ist erst seit dieser Spielzeit als Cheftrainer für den SSV Jeddeloh verantwortlich. Zuvor war er eine Saison als Assistent von Thomas Schuhknecht an der Seitenlinie tätig. Vor einem Jahr tauschte das Duo aber die Rollen.

Erst in der vergangenen Saison hatte der „Dorfklub“ aus der rund 1300 Einwohner zählenden Gemeinde Jeddeloh II im Landkreis Ammerland den Aufstieg in die 4. Liga geschafft. Dort mischte der Neuling von Beginn an im oberen Tabellendrittel mit, belegt aktuell den fünften Rang – und lief damit dem „großen“ Nachbarn VfB Oldenburg , der um den Klassenverbleib kämpfen muss, deutlich den Rang ab. Seit der Gründung der Nord-Staffel zur Saison 2012/2013 war nur Finalgegner SV Drochtersen/Assel in seiner ersten Spielzeit nach dem Aufstieg noch etwas besser platziert (vierter Rang mit 62 Punkten in der Saison 2015/2016).

Als Sahnehäubchen qualifizierte sich der im Jahr 1951 gegründete Klub mit dem Einzug in das Endspiel des Niedersachsenpokals auch zum ersten Mal für den DFB-Pokal. Bevor es dort jedoch zum Duell mit einem Erst- oder Zweitligisten kommt, will sich der SSV Jeddeloh aber erst einmal mit einem Titel verewigen. „Es macht nicht nur aus der finanziellen Perspektive einen Unterschied, ob wir uns Pokalsieger nennen dürfen. Wir werden alles daransetzen, den Platz als Sieger zu verlassen“, kündigt Key Riebau an.

Unabhängig vom Finalausgang blickt Riebau aber schon jetzt auch in Richtung der Auslosung der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde. Einen besonderen Wunsch hat er dabei allerdings nicht. „Natürlich wäre es speziell, wenn wir einen der ganz großen Klubs ziehen würden. Es ist für uns aber auch schon besonders genug, dass unser Verein überhaupt in einer der Kugeln steckt“, sagt Riebau. Sollte es aber tatsächlich der FC Bayern München, Borussia Dortmund oder der FC Schalke 04 werden, dann müsste der SSV Jeddeloh II wohl in ein größeres Stadion in der Umgebung ausweichen.

Gründungsjahr: 1951
Mitgliederzahl: 700
Liga-Zugehörigkeit: Regionalliga Nord
Trainer: Key Riebau
Top-Torjäger: Nils Laabs (15 Saisontreffer)
Größter Erfolg der Vereinsgeschichte: DFB-Pokal-Teilnahme 2018, 5. Platz in der Regionalliga Nord (Saison 2017/2018)
Weg ins Finale: VfL Oldenburg (6:5 n.E.), VfL Oythe (4:1), 1. FC Germania Egestorf-Langreder (5:2 n.E.), Arminia Hannover (7:6 n.E.)

Quelle: Fussball.de