Lars Uder: Das ist der neue D/A-Trainer

OTTERNDORF. Lars Uder hat aufregende Stunden hinter sich. Der 36-Jährige, der ab der kommenden Saison den Regionalligisten SV Drochtersen/Assel trainieren wird, stand am Mittwochabend plötzlich im Mittelpunkt. Wer ist dieser Mann eigentlich?

D/A-Präsident Rigo Gooßen hatte Uder, der Trainer Enrico Maaßen bei der Spielvereinigung als Chefcoach ablöst, am Mittwochabend nach dem St.-Pauli-Spiel überraschend offiziell vorgestellt. Auch für Uder kam das überraschend. Er war zwar im Stadion, wollte sich aber eigentlich nur das Spiel anschauen. Bereits in den vergangenen Wochen saß Uder auf der Tribüne oder stand irgendwo am Spielfeldrand. Doch niemand nahm Notiz von ihm. Keiner kannte ihn.

Gooßen wollte den Medien zuvorkommen. Bereits der Abgang von Maaßen nach Rödinghausen sickerte durch eine undichte Stelle. Die Spieler erfuhren die wichtigste Personalie aus dem Internet. Diesmal rief Gooßen seine Spieler nach dem Abpfiff in der Kabine zusammen und verkündete den Namen des Nachfolgers von Enrico Maaßen. Uder sprach noch mit drei, vier Spielern und machte sich danach wieder auf den Weg nach Hause nach Otterndorf. Als er ankam, waren die Presseberichte längst fertig. Und sein Smartphone voll mit Nachrichten.

Gut 50 Trainer sollen sich bei D/A beworben haben, sagt Gooßen. Viele Ex-Profis hätten den Job als Einstieg in die Trainerkarriere gern genommen. „Aber wir wussten ja, wer nicht infrage kommt“, sagt Gooßen. Deshalb reduzierte sich die Zahl der Kandidaten schnell auf zehn und schließlich auf drei im engeren Kreis.

Ein Stader kennt Uders Vorzüge

Uder hatte sich nicht beworben. Er sagt, er habe nicht einmal gezuckt, als er erfuhr, dass 50 Kilometer von seinem Wohnort entfernt eine so lukrative Stelle frei wird. Uders Name gelangte „über andere Kanäle“ nach Drochtersen. Einer davon war offensichtlich der Stader Bernhard Augustin. Als DFB-Stützpunktkoordinator kannte Augustin die Vorzüge Uders, der in Köhlen an einem dieser DFB-Stützpunkte junge Talente trainiert. Viermal trafen sich Uder und Gooßen. „Ich war von den Ambitionen und dem Umfeld überzeugt“, sagt der neue Trainer, der offiziell am 1. Juli die Mannschaft übernehmen wird.

Bis vor vier Wochen sah die Lebensplanung des Mannes, der in Trier und in Luxemburg erfolgreich Nachwuchsmannschaften trainiert hatte und seit seinem Umzug nach Otterndorf als Lehrer an einer Realschule arbeitet, noch ganz anders aus. „Der Fokus lag auf Familie und Schule“, sagt Uder. Er hatte endlich mehr Zeit für seine Frau und seine zwei- und fünfjährigen Töchter. Er habe nicht damit gerechnet, in Drochtersen ins Spiel gebracht zu werden, brachte sich aber sofort auf den neuesten Stand, als sein Hut erstmal im Ring war. „Zuerst habe ich das aber mit meiner Frau besprochen. Sie weiß, dass es mein Herzenswunsch ist, noch einmal etwas im Leistungssport zu machen“, sagt Uder. In Drochtersen nimmt er den Auftrag an, die erfolgreiche Philosophie weiterzuführen.

Doch wer ist dieser Mann, der sich gegen die Vielzahl von Bewerbern am Ende durchsetzte? Er mag Trainer mit der Mentalität eines Torsten Lieberknecht. Und er mag die Kompetenz eine Florian Kohfeldt. Er pickt sich bei den Profis die für ihn wichtigen Dinge heraus, er lernt von ihnen. „Aber in erster Linie bin ich Lars“, sagt er. Er schätzt den erkennbaren Plan der Drochterser Fußballer, die spielerischen Strukturen, die Disziplin, die Stimmung im Team, die Lautstärke auf dem Platz und die starke Physis. Schon am Mittwochabend sagte Uder, dass er an den bewährten Systemen nichts Grundlegendes ändern werde. Bernhard Augustin hat Uder empfohlen, weil er sympathisch und kompetent sei und eigene Ideen habe.

Der Neue ist sportlich

Lars Uder ist ein Sportlehrer, der seinen Schülern im Unterricht alles vormachen kann. Früher hat er geturnt. Seine Geschichtsklasse überraschte ihn im Februar an seinem 36. Geburtstag mit einer Party und selbst gebackenem Kuchen. Uder liebt Ausdauersport und Mountainbike-Fahren, er wollte beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans auf Inlinern teilnehmen, musste aber absagen, weil das Rennen mitten in die Saisonvorbereitung fällt. Im Norden hat er Windsurfen und Kiten für sich entdeckt. „Das ist schön, um den Kopf freizubekommen“, sagt Uder.

Frei von Fußball bekommt Uder seinen Kopf dieser Tage nicht. Dafür sind sie viel zu ereignisreich. Am Donnerstag begleitete er die Fußballmannschaft seiner Schule zum Kreisentscheid von „Jugend trainiert für Olympia“ in Cuxhaven. Am Abend stand die Videoanalyse einiger Drochterser Spiele auf dem Programm. Uder will vorbereitet sein. Am Sonntag versucht er es, ins Kehdinger Stadion zu schaffen, wenn die SV Drochtersen/Assel ab 15 Uhr auf den Tabellenletzten der Regionalliga Nord, Altona 93, trifft. Altona 93 unterlag zuletzt 1:3 in Havelse und ist abgeschlagen Schlusslicht.

Die Reaktionen der Spieler

Der neue D/A-Trainer kennt bislang kaum einen Drochterser Spieler persönlich. Die Gelegenheit, sich vorzustellen, bekommt Lars Uder erst in den nächsten Tagen. Das TAGEBLATT hat die Spieler gefragt, was sie über die Personalie denken und was sie vom neuen Coach erwarten.

Marius Winkelmann: „Er wirkt sympathisch, ist jung und mit Sicherheit ambitioniert. Ich denke, dass es passen könnte. Positiv ist, dass der Verein zu einem so frühen Zeitpunkt Planungssicherheit hat. Der Trainer kann die Mannschaft schon begutachten und seine eigenen Vorstellungen entwickeln.“

Oliver Ioannou: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm und bin gespannt, welche Ziele er hat.“

Alexander Neumann: „Er ist ein junger Trainer aus der Region. Er passt zu D/A.“

Florian Nagel:„Er wirkt sehr sympathisch und kompetent. Ich freue mich auf die Vorstellung, um einen persönlichen Eindruck zu bekommen.“

Sören Behrmann: „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen Zeit finden, um uns auszutauschen. Der neue Trainer macht einen sehr positiven Eindruck und ich denke, dass unser Präsident eine gute Entscheidung für unseren Verein getroffen hat.“

Nico Mau: „Er ist ein junger und dynamischer Trainer, der nach kurzer Pause wieder anfangen will. Er trägt die bisherige Philosophie mit. Deshalb wird es auch funktionieren. Wichtig ist, dass es keine Notlösung ist, sondern für die Zukunft gedacht ist. Ich bin mir sicher, dass er den ein oder anderen weiterentwickeln kann, wie es Enrico Maaßen auch getan hat.“

Quelle: Stader Tageblatt