Enrico Maaßen führt D/A wieder in den DFB-Pokal

DROCHTERSEN. Philipp Kühn hält den entscheidenden Elfmeter. D/A-Trainer Enrico Maaßen rennt über den halben Platz. Er wirft sich auf die Traube von am Boden liegenden Spielern. Er hat geschafft, was er auch schon in seiner ersten Regionalligasaison schaffte.

Eine schwere Bronchitis und eine Mittelohrentzündung können den durchdrehenden Coach davon nicht von seinem Jubelsprint abhalten. Für Maaßen schließt sich der Kreis. In seiner ersten Regionalligasaison als Drochterser Trainer führte er sein Team in den DFB-Pokal. In seinem letzten Jahr wieder.

Er wird die Früchte nicht ernten können. Nächste Saison, wenn D/A womöglich wieder auf einen Kracher aus der Bundesliga trifft, wie einst 2016 gegen Borussia Mönchengladbach, betreut der A-Lizenz-Inhaber den SV Rödinghausen in der Regionalliga West. „Aber klar schaue ich dann zu“, verspricht Maaßen. Die Mannschaft hat dem Coach das ersehnte Abschiedsgeschenk bereitet. Der mögliche Gewinn des Landespokalfinales am 21. Mai gegen den SSV Jeddeloh wäre das Sahnehäubchen.

Maaßen genießt den Triumph

Als der erste spontane Jubel abebbt, steht Maaßen mit seinem Trainerteam und D/A-Präsident Rigo Gooßen in der Nähe des Mittelkreises und schaut in Richtung Tribüne. Maaßen genießt sichtlich den Triumph. Er hat dieses entspannte Lächeln im Gesicht, dass er schon weit vor dem Anpfiff hatte. Schon während des Aufwärmprogramms. Er stellt einen Fuß auf den Ball und schaut sich auf dem Platz um, schaut sich die automatisierten Aufwärmrituale seiner Spieler an. Er ruft nur selten dazwischen. Als die Uhr kurz vor sieben anzeigt, schlendert Maaßen hinter der Mannschaft durch den Tunnel unter der Tribüne und biegt schließlich auf der Tartanbahn nach rechts in Richtung Bank ab. Er genießt die Atmosphäre.

Co-Trainer Markus Zimmermann wischt Maaßen den weißen Campingstuhl mit einem Leibchen trocken. Der Cheftrainer wird den Stuhl nicht brauchen. Er steht die gesamten 90 Minuten und während des Elfmeterschießens am Ende sowieso.

Der Trainer erwacht augenscheinlich mit dem Anpfiff. Er dirigiert seine Spieler permanent, ordnet mehr Tiefe in der Defensive an. Die Jungs sollen sich fallen lassen. Maaßen verlangt Ordnung und taktische Disziplin. Damit hatte sich D/A schon in Perfektion gegen den HSV in der Regionalliga zu einem 0:0 gemauert. Jetzt beißt sich der Drittligist VfL Osnabrück die Zähne aus. Mehrfach beordert der Schiedsrichterassistent den Drochterser Trainer zurück in seine Coaching-Zone. Maaßen hält sich nicht daran. Mit den Fußspitzen steht er fast ausnahmslos an der Seitenlinie.

Maaßen reißt die Zuschauer mit

Maaßen verlangt Ruhe am Ball. Er gibt den Balljungen einen kleinen Wink. Sie sollen nicht hetzen, wenn Osnabrück Einwurf hat und der Ball vorher mal wieder weit wegrollt. So verrinnen wertvolle Sekunden. Der Trainer reißt die Zuschauer mit. Mit rudernden Armen animiert er das Publikum wie ein Einheizer, als Drochtersen beginnt, sich hochkarätige Chancen zu erspielen.

Pünktlich mit dem Abpfiff der regulären Spielzeit ruht Maaßen wieder in sich. Die Schützen sind bestimmt. Im Mittelkreis stehen die Protagonisten, der Stab und die Reservisten schauen sich die Lotterie von außen an. Der Coach steht ganz links mit den Händen in der Tasche. Er schaut nicht hin, als Oliver Ioannou verschießt. Und er sieht nach unten, als Dimitri Fiks scheitert. Als Laurens Rogowski anläuft, blickt Maaßen wieder rüber. „Ich musste etwas anders machen“, sagt er. Aberglaube.

Maaßen gibt seine letzten Interviews und spricht zu den Fans. Langsam schlendert er in die Kabine und deutet auf sein Mobiltelefon. Unaufhörlich scrollt er durch die Vielzahl der Nachrichten von Gratulanten. Es sind Dutzende. „Ein schönes Geschenk“, sagt Maaßen. „So, wie es angefangen hat, endet es vielleicht.“

Quelle: Stader Tageblatt