Enrico Maaßen hört bei D/A als Trainer auf

DROCHTERSEN. Enrico Maaßen, Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel, wechselt nach dieser Saison den Verein. Dies bestätigte nach aufkommenden Spekulationen D/A-Vorsitzender Rigo Gooßen am Mittwochabend gegenüber dem TAGEBLATT.

Mit ziemlicher Sicherheit zieht es Maaßen zum SV Rödinghausen in die Regionalliga West.

Am Mittwochvormittag hatte ein Kollege aus Ostwestfalen, zuständig für den SV Rödinghausen, in der TAGEBLATT-Sportredaktion nachgefragt, was an der Personalie Enrico Maaßen dran sei. Der „RevierSport“ vermeldete, dass Maaßen Nachfolger des Niederländers Alfred Nijhuis beim derzeitigen Tabellenachten der Regionalliga West würde. Der zuständige Journalist hatte seine Informationen von anderen Trainern, jeweils unabhängig von einander, aus der Regionalliga West bekommen. Rödinghausens Geschäftsführer wollte keinen Kommentar abgeben, sagte aber, dass sich der Verein mit einem Kandidaten einig sei.

D/A bestätigt – fast

Maaßen hat auf TAGEBLATT-Nachfrage am Mittwoch lediglich bestätigt, dass er D/A am Ende der Saison verlassen wird. Zu seinem neuen Verein möchte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern. „Aus Respekt vor D/A, den Spielern, den Verantwortlichen und den Fans“, sagt Maaßen. Es gehöre sich nicht, über den neuen Verein zu sprechen. Zumal sein Vertrag in Drochtersen noch bis Ende Juni laufe. Im TAGEBLATT bat Maaßen um Verständnis, dass er sich mit Stellungnahmen zu diesem Zeitpunkt zurückhalte. Er wolle sich bis zum Ende der Saison zu hundert Prozent auf seine Aufgaben in Drochtersen konzentrieren. „Wir haben in der Rückrunde und im Landespokal schließlich noch viel vor“, sagt der Coach.

D/A-Präsident Rigo Gooßen hatte sich den gestrigen Tag anders vorgestellt. Dass Enrico Maaßen den Verein verlassen werde, wusste Gooßen, dass diese Nachricht aber durch eine Indiskretion in Rödinghausen bekannt wurde, ärgert den D/A-Chef mächtig: „Es ist nicht schön und äußerst schade, dass die Mannschaft nicht zuerst offiziell informiert werden konnte.“ Die D/A-Spieler hatten den überraschenden Weggang des Trainers aus dem Internet, unter anderem bei TAGEBLATT-online, zur Kenntnis nehmen müssen.

Rigo Gooßen machte im Hintergrundgespräch am Mittwochabend die zwei Seelen in seiner Brust deutlich: Einerseits habe er immer damit gerechnet, dass sein erfolgreicher Trainer ein attraktives Angebot bekommen werde, andererseits zeigte er sich aber überrascht vom Zeitpunkt und dem vermutlichen neuen Arbeitgeber aus der Regionalliga West, wobei auch er gestern keine offizielle Bestätigung aus Rödinghausen hatte. Gooßen sagt das verklausuliert: „Einen Ruf aus höheren Gefilden kann man nie ausschließen.“ Gooßen sagt es nicht, aber lässt durchblicken, dass er sich die Frage auch stellt, die ab heute in Kehdingen jeder stellt: „Warum ausgerechnet Rödinghausen, ein Ort mit 10 000 Einwohnern, aber ohne Hamburg in der Nachbarschaft?“

Rigo Gooßen war bisher fest davon ausgegangen, dass Maaßen auch in der nächsten Saison bei D/A arbeiten werde. Insofern sei er auch vom Zeitpunkt des Wechsels überrascht worden.

Allerdings macht der Präsident aus seiner Hochachtung auch keinen Hehl: Enno Maaßen habe seine Chance, die er ihm 2014 gegeben habe, sehr gut genutzt. „Wir haben immer vertrauensvoll zusammengearbeitet.“ Dass es auch mal Probleme gegeben hat, sei normal auf diesem Niveau. Gooßen sagt: „Was wir uns gemeinsam vorgenommen haben, hat Früchte getragen, daran hat Enno einen hohen Anteil.“

Für ihn sei es keine Frage gewesen, dass der Trainer trotz des Weggangs im Sommer bis Saisonende bei D/A arbeiten werde. „Ich habe keine Zweifel, dass Enno seine Aufgaben bis zur letzten Stunde bei uns mit großem Engagement erfüllen wird.“ Der Verein stehe schließlich über allem. Gooßen zum Ende der Ära Maaßen: „Ich bin enttäuscht, trotzdem war es eine erfolgreiche Zeit.“

Die soll sich noch fortsetzen, denn D/A spielt bekanntlich am 3. April im Halbfinale des Niedersachsenpokal um den Finaleinzug und damit um den Einzug in den DFB-Pokal. Gegen den VfL Osnabrück, den nächsten großen Verein in der Umgebung von Rödinghausen.

Die vorzeitige Meldung von Maaßens Abgang hat gestern beim Präsidenten ungeahnte Auswirkungen gehabt: Aus der ganzen Republik gab es erste Bewerbungen von potenziellen Trainern. Gooßen: „Offensichtlich hat es sich rumgesprochen, dass wir eine gute Adresse in Fußball-Deutschland sind.“ Gooßen hatte sich seinerseits schon auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Über Namen, so sein frommer Wunsch, soll nicht spekuliert werden. „Ich mache nicht das, was bei einigen Bundesligisten üblich ist.“

Das Anforderungsprofil des Nachfolgers könne aber auch in Richtung Enrico Maaßen gehen: ein guter und junger Trainer, der nach Drochtersen passe. Gooßen: „Wir haben unsere Werte und die muss auch ein Trainer leben.“ Gooßen ist zuversichtlich, schon bald eine Lösung zu präsentieren, denn: „Es gibt schon jetzt Bewerber ohne Ende.“

Erfolgsgeschichte

Enrico Maaßen und die SV Drochtersen/Assel sind eine einzige Erfolgsgeschichte. Maaßen war schnell umworben. Dass er Ambitionen hat, war ebenso schnell offensichtlich. Die Lizenzen bis zur jetzigen A-Lizenz erwarb der 33-Jährige im Schnelldurchgang. Die angestrebte Fußballlehrer-Ausbildung soll folgen.

2012 war der regionalligaerfahrene Fußballer Enrico Maaßen vom Goslarer SC zur SV Drochtersen/Assel gewechselt. Wegen eines abermaligen Kreuzbandrisses beendete er seine Laufbahn – und wurde 2014 von Rigo Gooßen als neuer D/A-Trainer präsentiert. Zusammen rüsteten sie den ambitionierten Oberligisten auf, und die Neuzugänge Alexander Neumann, Florian Nagel, Finn-Patrick Gierke und Sven Sören Zöpfgen schlugen allesamt voll ein. Maaßen erreichte die Mannschaft mit seiner freundschaftlichen Autorität und seinen Ideen sofort, er ließ dominanten Offensivfußball spielen. D/A stieg sogleich als Meister in die Regionalliga Nord auf. In der Folgesaison verstärkte Maaßen D/A abermals mit Näschen (unter anderem Oliver Ioannou, Stefan Wolk und Torhüter Patrick Siefkes). Er stellte den Aufsteiger bestens ein auf die Gegner und überraschte mit Platz vier in der Abschlusstabelle. Zudem holte D/A den Niedersachsenpokal und qualifizierte sich für die erste DFB-Pokalrunde. Mit Bundesligist Borussia Mönchengladbach erwischten die Kehdinger auch noch ein Traumlos. Alles perfekt.

Archivfoto Berlin

In der zweiten Regionalligasaison musste Maaßen seine erste Bewährungsprobe überstehen. Der Saisonstart missglückte, die defensive Ausrichtung wurde kritisiert. Maaßen feilte mit seiner Mannschaft an verschiedenen Spielsystemen und er ließ mutiger spielen. Der Erfolg kam zurück. Am Ende stand D/A auf einem gesunden neunten Tabellenplatz.

Auch in dieser Saison, der dritten in der Regionalliga, hat Maaßen schon bewiesen, dass er auf aufkeimende Missstände Antworten findet. D/A verbesserte sich auch in dieser Saison stetig und ist in guter Form nur ganz schwer zu bezwingen. Die Mannschaft betreibt großen Aufwand und hat gelernt, sich dafür auch oft genug zu belohnen.

Maaßen wird eine Lücke bei D/A hinterlassen.

Von Außen betrachtet, wirft Maaßens Wechsel, anscheinend nach Rödinghausen, im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, erst mal Fragen auf. Zwar kennt er die Gegend, weil er zwei Jahre für den Regionalligisten SC Verl aktiv war. Aber er verbessert sich rein sportlich erst mal nicht. Rödinghausen ist derzeit Mittelmaß in der Regionalliga West. Der Verein hat aber sehr wohl höhere Ambitionen und stellt für einen Trainer gute Bedingungen. Dafür verlässt Maaßen eine reine Komfortzone. Bei D/A kann er aufgrund seiner Erfolge schalten und walten, er hat einen guten Job im Fitness-Club des Elbstrand Resort auf Krautsand, er ist junger Vaterund hat in Stade gebaut. Jetzt bricht er offensichtlich die Zelte ab.

Quelle: Stader Tageblatt