D/A und sein wuchtiger Feierabendkicker

DROCHTERSEN. Jannes Elfers ist ein Eigengewächs der SV Drochtersen/Assel und ist mit seinen 21 Jahren nicht mehr wegzudenken aus der Fußball-Regionalligamannschaft. Elfers verkörpert die D/A-Mentalität. Im Heimspiel am Freitagabend fordert er einen Sieg.Stolz nimmt Jannes Elfers den EM-Pokal von HSV-Legende Manfred Kaltz in Empfang. Danach posiert er im Kreise des Teams Griechenland für die Fotografen. Im Jahr 2008 galt der damals 13-Jährige als einer der Helden der TAGEBLATT-Mini-EM. Heute, neun Jahre später, kurz vor seinem 22. Geburtstag, ist der Linksaußen aus dem Regionalliga-Kader der SV Drochtersen/Assel nicht mehr wegzudenken

Schon damals blitzte das Talent von Jannes Elfers auf. Von der treuen Seele, die neben ihrem Heimatverein TSV Großenwörden und der SV Drochtersen/Assel nie für einen anderen Club gespielt hat. In der Neuzeit gilt Elfers auf der linken Seite bei D/A als Leistungsträger. „Er hat unheimlich dazugelernt“, sagt sein Trainer Enrico Maaßen. Elfers habe eine reife Spielanlage, er sei schnell, hart in den Zweikämpfen, taktisch gut. Kurzum: richtig wuchtig. Maaßen traut Elfers sogar die Dritte Liga zu.

Abends als erster beim Training

D/A kokettiert gerne mit der Bezeichnung „Feierabendfußballer“ für seine Spieler und setzt dabei das Profitum vieler Gegner in Relation zum eigenen Erfolg. Jannes Elfers ist ein Feierabendfußballer, wie er im Buche steht. Morgens um zehn nach vier klingelt der Wecker. Elfers fährt gut eine Stunde mit dem Auto nach Hamburg-Bahrenfeld, mischt dort als gelernter Chemikant in einem Dentallabor Füllungen für löchrige Zähne, arbeitet bis zum Nachmittag, setzt sich in seinen Wagen und stellt sich zum zweiten Mal am Tag in den Stau rund um den Elbtunnel. Beim Training am Abend ist Elfers einer der Ersten. Lange bevor das Gros der Mannschaft eintrudelt, bolzt Elfers mit Nico Mau schon die ersten Bälle aufs Tor.

Die Leistung hat unter der Doppelbelastung nicht gelitten. Elfers ist in dieser Saison einer von nur vier Drochterser Spielern, die bislang in allen acht Regionalligaspielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz standen. In der vergangenen Spielzeit verbuchten nur Torwart Patrick Siefkes und Mittelfeldspieler Oliver Ioannou mehr Einsatzminuten auf der Uhr. In drei Pokalspielen war Elfers in dieser Saison nur acht Minuten nicht dabei. „Sein Offensivverhalten ist geprägt von Mut und Willen“, sagt Enrico Maaßen. Die Defensive von reifer Zweikampfstärke. Elfers habe in nur zwei Jahren elf Kilogramm an Muskelmasse zugelegt. In Kopfballduellen schwebt der 1,78 Meter große Elfers meist in anderen Etagen als seine direkten Gegenspieler.

„Wenn ich abends die Jungs sehe, ist alles gut“

„Die Tage sind schon lang“, sagt Elfers. Im Sommer ginge das noch. Aber wenn er im Winter morgens im Dunkeln zur Arbeit fahre, habe er schon manchmal schlechte Laune. Die ist spätestens am Abend wie weggeblasen. „Wenn ich abends die Jungs sehe, ist alles gut. Auch wenn der Tag mal hart war“, sagt Elfers. Enrico Maaßen sagt, er könne sich nicht erinnern, Elfers mal mit schlechter Laune erlebt zu haben.

Technisch sei D/A vielleicht nicht so gut wie viele Gegner, aber körperlich sei die Mannschaft den meisten überlegen, sagt Elfers. „Unsere Mentalität bringt uns dahin“, sagt der 21-Jährige. Also die Einstellung. Elfers zum Beispiel geht in jedes Duell hinein, als könne es das spielentscheidende sein. Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, hundert Prozent zu geben.

Sprungkraft, Zweikampfhärte, Schnelligkeit – diese Tugenden machen Elfers zu einem guten Regionalligaspieler. Ein sehr guter wäre er, wenn er nach seinen Durchbrüchen auf der linken Seite mit Übersicht und Abgeklärtheit mehr Tore vorlegen würde oder selbst häufiger träfe. In der vergangenen Saison erzielte Elfers zwei Treffer und gab eine Vorlage. In der laufenden Spielzeit steht noch nichts in dieser Statistik, obwohl Elfers gefühlt permanent rotiert an der Außenlinie. Aber daran arbeiten Enrico Maaßen und er. „Mit 21 Jahren ist er ein Fixpunkt in unserem Spiel“, sagt der Trainer.

„Innerhalb der Regionalliga würde ich nicht wechseln“

Seit acht Jahren spielt Elfers in Drochtersen, seit vier Jahren in der ersten Mannschaft. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass es woanders genauso schön ist“, sagt Elfers. Er sei sehr zufrieden mit dem Team, mit dem Umfeld, mit den Fans. Er habe seine Kumpels in Kehdingen und sei ein Familienmensch. „Innerhalb der Regionalliga würde ich nicht wechseln“, sagt Elfers. Aber nach oben vielleicht. Eine Überlegung sei es wert. „Man kann ja mal träumen. Für Abenteuer bin ich offen“, sagt Elfers.

Heute spielt D/A im Kehdinger Stadion gegen den Lüneburger SK. „Wir haben einen guten Plan“, sagt Elfers vor dem Derby. Und wenn D/A den durchsetze, seien drei Punkte drin. „Wenn man mal ehrlich ist, müssen wir auch langsam mal wieder drei Punkte holen“, sagt Elfers. Der letzte Sieg gelang D/A vor einem Monat in Eutin, der letzte Heimsieg am 4. August gegen den VfB Lübeck. Der Gegner aus Lüneburg verlor am letzten Spieltag gegen Aufsteiger Jeddeloh mit 1:2. D/A und den LSK trennt im Mittelfeld der Tabelle ein Punkt.

Quelle: Stader Tageblatt